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Bronzezeit Europas erster Euro ist 3500 Jahre alt: Standardisierte Ringe und Spangen dienten als Münzen

Diese Ringe sind nicht als Schmuck gedacht, sie sind frühe "Euros"
Diese Ringe sind nicht als Schmuck gedacht, sie sind frühe "Euros"
© Staatssammlung München / Commons
Die Menschen der Bronzezeit trieben mehr Handel, als man dachte. Und sie hatten eine europäische Währung: Kleine Objekte aus Bronze wurden in einem standardisierten Gewicht hergestellt.

Geld ist Fluch und Segen des Menschen. Nur Geld macht einen Handel über den reinen Naturalientausch möglich. Eine neue Studie nimmt an, dass in der Bronzezeit Ringe, Spangen und Klingen in ganz Europa als frühe Protowährung dienten. Denn sie sind sich in ihrer Masse so ähnlich, dass sie beim Wiegen mit der Hand nicht zu unterscheiden gewesen sind.

Die Bronzeobjekte wurden vor etwa 3500 Jahren verwendet. Typisch für die damalige Zeit ist, Horte zu bilden und die Objekte gemeinsam zu vergraben. Für die Studie, die in "PLOS ONE" veröffentlicht wurde, verglichen Maikel Kuijpers, Professor an der Universität Leiden, und Catalin N. Popa das Gewicht von mehr als 5000 bronzezeitlichen Ringen, Spangen und Klingen, die aus über hundert verschiedenen Horten stammten.

Einheitliches Gewicht 

Das erstaunliche Ergebnis: 70 Prozent der Ringe sind fast gleich schwer, sie wiegen etwa 200 Gramm. Das Gewicht von Spangen und Axtklingen liegt nicht so eng beieinander. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Objekte zwei verschiedenen Zwecken dienten, dem täglichen Gebrauch oder dem Tausch. Kuijpers: "Der Euro der Vorgeschichte hatte die Form von Bronzeringen, Spangen und Äxten." "Es ist eine sehr klare Standardisierung", so Kuijpers. Hier sähe man "die früheste Entwicklung von Warengeld im prähistorischen Mitteleuropa".

Nicht alle Objekte dienten dem Handel. Es wurden auch Ringe, Spangen und Klingen für funktionale Zwecke geschaffen. Ihr Gewicht liegt weit über dem der Tauschobjekte. Die Forscher sehen einen Zusammenhang mit einer wichtigen Innovation der Bronzezeit. Damals konnte man erstmals identische Objekte durch das Gießen in Formen herstellen. Die Einheitlichkeit ist eine Grundvoraussetzung von "Geld". Die vergleichbaren Gewichte eines großen Teils der Objekte lassen "keinen Zweifel daran, dass zumindest die Ringe und Spangen der Definition von Warengeld entsprechen", so die Autoren. "Wir haben Beispiele in anderen Gegenden der Welt, in denen es eine ähnliche Entwicklung zu geben scheint", in der "ein praktisches Werkzeug sich in ein Utensiliengeld und dann in ein Warengeld verwandelt."

Die standardisierten Objekte müssen nur noch gezählt werden, sie müssen nicht einzelnen ausgewogen werden. Man braucht daher kein Gewichtssystem, um Metalle als Geld zu verwenden. Erst später, in der mittleren Bronzezeit Europas, erscheinen präzise Wiegewerkzeuge.

Komplexer als erwartet

Die Studie ist ein weiterer Hinweis, dass die frühen und "primitiven" Gesellschaften eine richtige Handelswirtschaft unterhielten. Das hatte die Wissenschaft lange Zeit ausgeschlossen. Eine noch frühere Form von Währung fand sich im Reisegepäck von Kriegern, die in der ältesten Schlacht Europas fielen. Sie schnitten kleine Kupferteile als Zahlungsmittel ab. Die Schlacht von Trollensee fand vor etwa 3000 Jahren statt (Lesen Sie: "Die älteste Schlacht Europas fand in Mecklenburg-Vorpommern statt"). Hier trafen Berufskrieger aus halb Europa aufeinander. Sie beweist, dass es in der Bronzezeit schon ganze Armeen gab und dass Kriege von langer Hand geplant waren. Die soziale Organisation also weit über einzelne Gruppen und Ansiedlungen hinausging, die nur sporadisch miteinander kommunizierten.

Quelle: PLOS ONE; NYT

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