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Weltraum Besucher aus den Tiefen des Alls: Komet "Neowise" ist jetzt mit bloßem Auge zu sehen

Komet Neowise über den Gran Sasso
Komet "Neowise" über dem Gran Sasso in Italien im Morgengrauen des 7. Juli
© Picture Alliance
Ein Himmelsspektakel wie seine großen Brüder "Hyakutake" und "Hale-Bopp" in den 1990er-Jahren ist er nicht. Doch auch Komet "Neowise" ist einen Blick wert. Bis Ende Juli ist er der Erde so nah, dass er mit bloßem Auge oder Feldstecher erspäht werden kann.

Eine Ewigkeit ist er durch die Tiefen des Sonnensystems gezogen, nun taucht der uralte kosmische Brocken an unserem Nachthimmel auf: Hobby-Sterngucker dürfen sich auf einen neuen Kometen freuen, der spannende Beobachtungsnächte verspricht. Der Komet "Neowise" mit der nüchternen Bezeichnung C/2020 F3 ist bis etwa zum Monatsende am Himmel zu sehen - erst mit bloßem Auge und später per Feldstecher.

"Für ungeübte Beobachter liegt der beste Beobachtungszeitraum zwischen dem 15. und dem 25. Juli", sagt Manfred Gaida, Astronom und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Derzeit taucht der helle Schweifstern - bei optimalen Beobachtungsbedingungen - kurz vor der Morgendämmerung gegen 4.30 Uhr auf. Und zwar ganz, ganz tief am nordöstlichen Horizont im Sternbild Fuhrmann.

"Neowise": Beobachtung wird leichter

In den kommenden Wochen wird es jedoch leichter, ihn am Sternenhimmel aufzufinden: Der Schweifstern gewinnt an Höhe über dem Horizont und wandert in Richtung des Großen Wagens - wobei er allerdings zugleich an Leuchtkraft verliert. Dafür geht er immer früher auf, so dass aus dem Beobachtungsobjekt in der Dämmerung eines für die tiefe Nacht und später für den Abendhimmel wird.

Zum Vergleich: Derzeit erstrahlt C/2020 F3 so hell wie ein heller Stern, schon bald wird er sich aber mehr und mehr der Helligkeitsgrenze nähern, an der Himmelsobjekte gerade noch mit bloßem Auge und fernab der lichtdurchfluteten Städte zu sehen sind.

Kosmonaut Wagner: Hellster Komet seit sieben Jahren

Entdeckt wurde der Komet erst am 27. März, und zwar vom Weltraumteleskop "Wise". In den vergangenen Tagen durchlief der neue Schweifstern den sonnennächsten Punkt seiner Bahn - nun entfernt er sich wieder von unserem Zentralgestirn. Ein spektakuläres Foto des kosmischen Besuchers gelang vor wenigen Tagen dem Kosmonauten Ivan Wagner an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Zwar ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten sind nur in Fernrohren zu sehen. Sehr selten sind dagegen die spektakulär hellen Schweifsterne wie zum Beispiel die prächtigen Kometen "Hale-Bopp" und "Hyakutake" aus den 1990er-Jahren.

Kometen gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie werden oft mit schmutzigen Riesen-Schneebällen aus Eis, Staub und Stein verglichen. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus.

Kometen galten lange als Vorboten des Bösen

Auch wenn Hobby-Sterngucker in diesen Tagen dem Vorbeiflug des "Neowise"-Kometen hoffnungsfroh entgegensehen - nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns nur ein prächtiges Naturschauspiel. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Hungersnöte, Krieg und Seuchen ankündigen.

Denn die imposanten Exemplare unter den Schweifsternen hatten für unsere Vorfahren etwas Bedrohliches - weil sie plötzlich auftauchen, stellten sie aus damaliger Sicht die kosmische Ordnung in Frage. Heute wissen die Forscher, dass Kometen vom Rand des Sonnensystems stammen und sich ihre Gas- und Staubschweife bei der Annäherung an die heiße Sonne bilden.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde könnte tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Vom Kometen C/2020 F3 geht jedoch definitiv keine Gefahr für unseren Planeten aus.

Erinnerung an spektakuläre Landung auf "Tschuri"

Weltweite Berühmtheit erlangte vor sechs Jahren übrigens ein Komet, den noch kein Mensch mit bloßem Auge gesehen hat: Tief im All erreichte 2014 die europäische Raumsonde "Rosetta" den Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko", den die Wissenschaftsgemeinde seinerzeit "Tschuri" taufte.

Die Kometenmission machte damals international Schlagzeilen: "Rosetta" erforschte den Schweifstern aus einer Umlaufbahn und ließ später das Landegerät "Philae" auf den Kometen nieder. Im September 2016 setzte die Sonde kontrolliert auf Tschuri auf, was das Ende der spektakulären Mission bedeutete.

dho / Richard Heister AFP

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