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Meti statt Seti-Institut: Aliens, bitte melden! Wie ein US-Forscher bis 2035 Kontakt herstellen will

E.T. wollte "nach Hause telefonieren", ein US-Forscher will das Gegenteil: ein starkes Signal ins All schicken. Das Ziel? Möglichst rasch Kontakt zu Außerirdischen. Nicht jeder hält das für eine gute Idee.

Hello, Mr. Alien! Der US-Forscher Doug Vakoch will Außerirdische aktiv von der Existenz der Menschheit unterrichten.

Hello, Mr. Alien! Der US-Forscher Doug Vakoch will Außerirdische aktiv von der Existenz der Menschheit unterrichten.

Es ist ja nicht so, dass wir - die Menschheit - bisher nichts ins All gesendet hätten. Vor allem treibt unsere gesamte Radio- und Fernseh-Kakophonie durch den Weltraum. Die ganz frühen TV-Bilder von Hitlers Eröffnungsrede bei den Olympischen Spielen 1936 gehören zu den ersten Signalen dieser Art. Mit etwas Pech könnten sie daher die Visitenkarte der Menschheit bei sein. Ob sich deshalb bisher niemand gemeldet hat?

Seit fast 60 Jahren wird in Kalifornien die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz - kurz Seti - systematisch betrieben. Wir alle können mit unseren Rechnern bei Seti@home sogar mithelfen, die durch umfangreiche Scans gewonnenen Daten aus dem All auszuwerten - aber nichts! Horchen reicht eben nicht, findet daher Douglas Vakoch, der 16 Jahre lang selbst am Seti-Institut arbeitete. Der US-Wissenschaftler will aktiv werden und sich bei den Aliens bemerkbar machen. Spätestens Ende 2018 soll ein lautes "Hallo, bitte melden!" ins All gesendet werden.


Alles viel zu primitiv für Außerirdische

Vakoch hat das Warten schlicht satt und will deshalb in die Offensive gehen. Aus diesem Grund hat er vor knapp zwei Jahren das Meti-Institut in San Francisco gegründet. Meti steht für "Messaging Extraterrestrial Intelligence" - und soll so viel bedeuten wie: Außerirdische Zivilisationen benachrichtigen. Vakochs Argument: Alles, was wir bisher an Radiosignalen und anderen elektromagnetischen Wellen - ob gewollt oder ungewollt - in den Weltraum gejagt hätten, selbst die goldene Daten-Schallplatte an Bord der 1977 gestarteten Voyager-1-Sonde, sei viel zu primitiv, unverständlich und zufällig, als dass selbst hochintelligente Aliens damit etwas anfangen könnten - sollten sie die Singale auffangen. (Den Inhalt der legendären "Golden Record" kann man sich via Soundcloud übrigens anhören.)


Stattdessen sollte man endlich damit anfangen, starke, klare und dekodierbare Signale auf vielversprechende Ziele im All zu richten. Das könnten zum Beispiel auffällige Quellen von Radiosignalen sein oder Planetensysteme, die zuletzt häufig entdeckt wurden. Vakoch im "Science World Report": "Man sollte (...) eine Art Gebrauchsanweisung für unser Signal entwickeln, damit die Außerirdischen es entschlüsseln und richtig einordnen können." Er will den Aliens sozusagen unsere Telefonnummer und Adresse übermitteln und klar ausdrücken: "Wir wollen mit Euch sprechen. Meldet Euch!" Wichtig sei dabei, Hinweise auf unseren Entwicklungsstand in die Signale einzubetten - beispielsweise das Periodensystem der Elemente und/oder die Primzahlen-Reihe. "Es wäre ideal, einen leistungsfähigen Sender zu benutzen, wie er für Planetenradarstudien verwendet wird", so Vakoch weiter. Das könnte zum Beispiel das Arecibo Radioteleskop auf Puerto Rico sein - eine der weltweit größten Schüsseln. Von hier aus wurde 1974 schon die "Arecibo-Botschaft" ins All gesendet (die Nachricht kann man sich hier anhören) - allerdings ziellos.

"Längst zu spät, uns zu verstecken"

Bis 2035, so ist Vakoch überzeugt, lässt sich mit seiner Methode Kontakt zu Aliens herstellen. Allerdings gibt es auch reichlich Widerspruch, ja es wird sogar davor gewarnt, gezielt zu versuchen, Außerirdische zu kontaktieren. 

Meti-Präsident Douglas Vakoch

Meti-Präsident Douglas Vakoch

Zum einen ist unter Wissenschaftlern die Meinung weit verbreitet, dass andere Zivilisationen schlicht zu weit entfernt seien, um Kontakt aufnehmen oder gar zu uns kommen zu können. Wäre dies anders, so heißt es, hätten wir längst Kontakt. Zum anderen befürchten viele eine feindselige Alien-Invasion, wie sie uns in Science-Fiction-Filmen zahllos vorgespielt wird. Zu dieser Fraktion zählt sogar der berühmte britische Kosmologe Stephen Hawking. Doug Vakoch entgegnet diesen Skeptikern, es sei längst zu spät, sich im Weltraum zu verstecken. "Jede Zivilisation, die nur leicht fortgeschrittener ist als unsere, kann unsere Existenz über unsere unabsichtlich ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen leicht enthüllen", schreibt er in einer "Verteidigung von Meti" im Wissenschaftsmagazin "nature". Es sei daher besser, die Kommunikation in die eigenen Hände zu nehmen.

Eines allerdings kann Vakoch nicht für sich reklamieren. Ihm fehlt die Legitimation, für die Menschheit zu sprechen. Tatsächlich gibt es praktisch niemanden, der bei einem Erstkontakt mit Außerirdischen den Planeten repräsentieren könnte. "Die einzige Organisation, die die Erde einigermaßen umfasst, sind die UN", zitiert "Zeit online" den Astrophysiker Gerhard Haerendel. Dort existiere zwar mit dem UNOOSA ein Büro für Weltraumfragen, für eine Kommunikation mit Aliens habe dies aber kein Mandat. Heißt letzten Endes: Hätten wir endlich Kontakt zu Außerirdischen, würden die Kommunikationsprobleme erst beginnen. Willkommen auf der Erde!