"Discovery" Purzelbaum-Manöver im All


Die nächste Hürde ist genommen: Der Space-Shuttle "Discovery" hat erfolgreich an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Doch ganz so reibungslos verlief das Manöver nicht - die Sensoren meldeten einen "Einschlag" am linken Flügel.

Der Space-Shuttle "Discovery" hat erfolgreich an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Die Nasa bestätigte, dass Sensoren einen "leichten Einschlag" an der linken Tragfläche gemeldet hätten. Nach dem Andocken an der ISS benutzten die Shuttle-Astronauten den Roboterarm der Raumstation, um den Einschlag zu untersuchen. "Es sieht so aus, als ob etwas vorgefallen wäre", sagte der Nasa-Einsatzleiter John Shannon. Bei der vorangegangenen Inspektion sei an dem Flügel noch nichts Auffälliges bemerkt worden. Der Sensor habe eine Berührung oder Einschlag gemeldet, der als nicht Besorgnis erregend eingestuft worden sei. Die Nasa habe aber beschlossen, noch genauer hinzusehen, um sicher zu sein.

Durch die Sonderaufgabe musste der Deutsche Thomas Reiter, der sich Anfang Juli in der Station aufgehalten hat, noch ein paar Minuten länger auf seine Ablösung warten. Der Shuttle brachte die Amerikanerin Sunita Williams mit, die an Stelle des Astronauten der Europäischen Weltraumbehörde Esa in der ISS bleibt und im Sommer auf die Erde zurückkehren wird, während Reiter selbst am 21. Dezember an Bord der "Discovery" in Cape Canaveral (Florida) landen soll. Bevor Reiter und Williams offiziell ihre Plätze tauschten, half die Amerikanerin beim Fotografieren der Flügel-Hitzekacheln.

"Nicht wirklich besorgt"

Die möglichen Schadstellen waren zuvor von Sensoren entdeckt worden. Das Studium der Bilder dauerte zwar noch an, "aber ich bin zur Zeit nicht wirklich besorgt", sagte ein Nasa-Manager in Houston. Beim Start vom Außentank abgesprengte Schaumstoffstücke hatten seinerzeit den Hitzeschild der Raumfähre "Columbia" so stark beschädigt, dass sie am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander brach. Alle sieben Astronauten kamen ums Leben.

Die "Discovery" hatte pünktlich um kurz nach 23 Uhr MEZ am Montagabend an der ISS angedockt. In einer Art Purzelbaum-Rückwärts-Manöver hatte Kommandant Mark Polansky die Raumfähre kurz zuvor so gedreht, dass ihre Unterseite zwecks Aufdeckung möglicher Hitzekachel-Schäden von der Besatzung der ISS fotografiert werden konnte. Rund eineinhalb Stunden nach dem Anlegen öffnete sich die Verbindungsluke, und die Ankömmlinge und drei ISS-Bewohner begrüßten sich gegenseitig begeistert mit Umarmungen und Schulterklopfen.

Drei Außenbordeinsätze vorgesehen

Bereits für Dienstagabend ist der erste von insgesamt drei als sehr kompliziert beschriebenen Außenbordeinsätzen von Shuttle-Astronauten angesetzt. Ihre Aufgabe ist es, das bisher provisorische Elektrizitätssystem der ISS so umzustellen, dass die Station auch nach ihrem weiteren Ausbau zuverlässig mit genügend Strom versorgt wird. Dazu müssen die Astronauten diverse Kabel umstecken und zwei Kühlsysteme aktivieren. Damit im vergangenen September neu installierte Solarsegel aktiviert werden können, muss außerdem ferngesteuert von der Erde aus ein anderes bereits seit 2000 eingesetztes Sonnensegel zusammengefaltet werden.

Zunächst aber werden die beiden Astronauten Christer Fuglesang aus Schweden und der Amerikaner Bob Curbeam am Dienstag eine fast zwei Tonnen schwere containergroße Vorrichtung anbringen, die der späteren Installation von Sonnensegeln und einer Plattform zur Aufbewahrung von Ausrüstungsgegenständen dienen soll.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker