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"Lange Nacht der Sterne": Den Sternen so nah

Das Weltall erleben - in der Nacht von Samstag auf Sonntag stürmten Jung und Alt in Planetarien und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur ersten "Langen Nacht der Sterne".

Die Sehnsucht nach den Sternen hat Forschungseinrichtungen, Planetarien und Sternwarten am Wochenende einen astronomischen Zulauf beschert. An der ersten "Langen Nacht der Sterne" nahmen in der Nacht zum Sonntag mehr als 120.000 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Sternenfreunde aller Altersgruppen beobachteten den Nachthimmel, besuchten Planetarien oder ließen sich in Forschungsinstituten über das aktuelle Wissen über die Tiefen des Alls informieren.

Große Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln oder das Europäische Raumkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt waren besondere Publikumsmagneten. 3.100 Menschen nutzten bei ESOC die seltene Gelegenheit, das üblicherweise hermetisch abgeriegelte Gelände einmal von innen zu sehen und einen Blick in die zahlreichen Kontrollräume zu werfen.

ESOC-Direktor Gaele Winters zeigte sich begeistert über das breite Interesse des Publikums: "Das ist eine wichtige Unterstützung für unsere Arbeit." 114 Mitarbeiter der europäischen Raumfahrtagentur ESA informierten über Raummissionen wie Mars Express, die Mondsonde Smart-1 oder den Kometenjäger Rosetta, die allesamt von Darmstadt aus gesteuert werden.

Technik, die begeistert

Interessierte konnten sich zudem über die Koordination der sieben ESA-Bodenstationen oder die Technik informieren, mit der Raumfahrzeuge über Millionen von Kilometern zuverlässig ihr Ziel ansteuern können. Während im ersten Stock des ESOC-Gebäudes H Experten über das Universum und unser Sonnensystem Vorträge hielten, ging es ein Stockwerk höher deutlich lauter zu: "...Drei, zwei, eins - Start!", brüllte dort ESA-Informatiker Christoph Kröll in ein Mikrofon. Dann schoss die Rakete in die Höhe.

Forschung zum Mitmachen

In der Kinderbetreuung konnten Schüler mit Papier, Schere und Kleber ihre eigene Ariane-5 basteln und sie anschließend mit Druckluft gegen die Hallendecke jagen. "Es macht umheimlich Spaß", erklärte Kröll: "Die Kinder gehen gut mit." Währenddessen bildeten sich vor den insgesamt zehn Teleskopen, die eigens für die Sternennacht auf dem ESO-Gelände aufgebaut worden waren, lange Schlangen.

Viele Menschen wollten sich die seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen, das Sternbild des Schwans einmal durch ein Fernrohr mit 100facher Vergrößerung betrachten zu können. "Das Licht von Jahrmillionen alten Objekten fällt jetzt live in ihr Auge", erklärte dazu Uli Hauser von der Darmstädter Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik. Viele Besucher waren von dem breiten Angebot begeistert. "Das ist top organisiert", lobte Christian Engelke, der mit Frau und Kindern aus dem südhessischen Viernheim angereist war.

Publikumsansturm auf Forschungsinstitute

Viele Forschungsinstitute, die an der ersten "Langen Nacht der Sterne" teilnahmen, seien vom Publikumsinteresse regelrecht überrannt worden, berichtet Frank Plümer, Pressesprecher des Magazins "Stern", das die Aktion koordiniert hat. Trotz des bedeckten Himmels im Norden und Nordwesten Deutschlands waren viele Sternwarten und Planetarien überfüllt.

Allein zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln strömten am Samstag 40.000 Menschen. Das Hamburger Planetarium zählte 3.100, das Planetarium in Bochum 2.900 und die Fachhochschule Kiel 1.500 Besucher. Beim Astrophysikalischen Institut in Potsdam wurden 1.450 Interessierte registriert. Zur Universitätssternwarte in Wien kamen rund 800 Besucher.

Die Begeisterung wächst

ESOC-Direktor Winters sieht die Ursache der wieder erwachten Begeisterung für die Sterne in den verstärkten Aktivitäten der Europäer im Weltraum. Vor zehn Jahren habe das Darmstädter Kontrollzentrum eine europäische Weltraummission geführt, inzwischen seien es 13. Viele neue Projekte wie Mars Express und - im kommenden Jahr - Venus Express hätten in der breiten Öffentlichkeit eine große Resonanz ausgelöst.

Die gut 3.000 Karten, die das Darmstädter Kontrollzentrum für die "Lange Nacht der Sterne" bereitgestellt hatte, seien innerhalb von drei Tagen ausverkauft gewesen, berichtete ESOC-Sprecherin Jocelyne Landeau. Wie begehrt die Karten zum Stückpreis von drei Euro gewesen seien, habe ihr aber erst ein Blick ins Internet deutlich gemacht. Bei Ebay seien die Tickets kurz vor der "Langen Nacht der Sterne" für 125 Euro versteigert worden.

Guido Rijkhoek/AP / AP