Astronomie Asteroid fliegt in Rekordnähe an der Erde vorbei

Knapper Vorbeiflug: Ein rund 30 Meter großer Gesteinsbrocken hat die Erde nur um Haaresbreite verfehlt. Dabei hatte der Asteroid namens "2004 FH" das Potenzial, auf unserem Planeten eine beispiellose Katastrophe zu verursachen.

Ein rund 30 Meter großer Asteroid ist in der Nacht zum Freitag nach Angaben der US-Weltraumbehörde NASA "außerordentlich nah" an der Erde vorbeigeflogen. Der Gesteinsbrocken namens "2004 FH" habe die Erde um 23.08 Uhr MEZ in einem Abstand von 43 000 Kilometern passiert, teilte eine Sprecherin des Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena mit. Das ist etwa ein Zehntel der Distanz zwischen Erde und Mond und war die größte Annäherung eines Asteroiden, die den Wissenschaftlern vorab bekannt war. Eine Kollisionsgefahr habe jedoch nicht bestanden.

"2004 FH" kein Einzelobjekt

Bereits am Montag hatten Mitarbeiter vom LINEAR-Team im US-Staat New Mexico den kleinen Asteroiden entdeckt. Nach Angaben der JPL-Sprecherin fliegen derartige Objekte etwa alle zwei Jahre ähnlich nah an der Erde vorbei, allerdings ohne zuvor gesichtet zu werden. "2004 FH" sei einer von mehr als 100 000 Asteroiden, die die Erdbahn kreuzen, erläuterte der Darmstädter Raumfahrtexperte Walter Flury von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA.

Bei einem Einschlag könnten solche Brocken unter Umständen große Verwüstungen anrichten, sagte der Münsteraner Planetologe Addi Bischoff. Abschätzungen zufolge sei bei einem 30 Meter großen Objekt in etwa mit einem Krater von rund 300 Metern Größe zu rechnen. "Wenn dies in einer großen Stadt geschähe, könnte es schnell hunderttausende Tote geben." Nach Flurys Einschätzung hätte "2004 FH" bei einen Einschlag sogar eine Sprengkraft von mehreren Hiroshima- Bomben entfalten können.

Sichtung mit gutem Fernglas möglich

Außerhalb bewohnten Gebiets hätte ein derartiger Einschlag jedoch Bischoff zufolge vermutlich keine verheerenden Auswirkungen. Zum Zeitpunkt der größten Annäherung überflog "2004 FH" den Südatlantik. Der Vorbeiflug des Asteroiden war am besten von Europa, Asien und großen Teilen der südlichen Hemisphäre zu beobachten. Nach NASA-Angaben reichte ein gutes Fernglas aus, um das Objekt zu sehen.

Die Erde ist nach Flurys Worten einem möglichen Zusammenprall mit Asteroiden derzeit hilflos ausgeliefert. "Wir arbeiten zurzeit daran, möglichst viel über Asteroiden herauszufinden." Geforscht werde vor allem nach Gesteinsbrocken, die mehr als einen Kilometer Durchmesser haben und damit das Leben auf der Erde bedrohen könnten. "Davon gibt es nach Schätzungen etwa 1000 Stück. Davon wurden knapp 600 entdeckt, und von denen befindet sich keiner auf Kollisionskurs." Allerdings seien langfristige Vorhersagen der Flugbahnen kaum möglich.

Letzter größerer Treffer 1908 in Sibirien registriert

Der vorerst letzte größere "Treffer" wurde im Jahr 1908 registriert, als die Explosion eines mindestens 30 Meter großen Objekts in einigen Kilometern Höhe über Sibirien mehr als 2000 Quadratkilometer Wald vernichtete. Das entspricht in etwa der Fläche Teneriffas. Bei diesem Treffer könne es sich jedoch auch um einen im Wesentlichen aus Eis und Staub bestehenden Kometen gehandelt haben und nicht um einen massiven Gesteinsbrocken, erläuterte Bischoff. Große Überreste des kosmischen Geschosses wurden nicht gefunden.

DPA

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