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Ende des Space Shuttle Over and out


Final Countdown für das Space Shuttle: Die Raumfähre "Atlantis" startet zur letzten Mission. Es ist das vorläufige Ende eines Menschheitstraums.
Von Laura Höflinger

Schon der Name provozierte: Shuttle. Als könne man hin und her pendeln, wie mit einem Bus oder einer Fähre. Einmal Weltall und zurück. 2,80 Euro, Fernbereich.

Es war der Januar 1972, US-Präsident Richard Nixon verkündete ein neues Raumfahrtprogramm. Er sprach davon, wie das All einmal "vertrautes Gebiet" werde und Reisen dorthin bald schon "Routine" seien. Er sprach von kleinen Kosten und großen Ergebnissen. Es war die Idee für das, was einmal das Space Shuttle werden sollte.

Sie erhofften sich viel damals, Politiker und Techniker. Sie träumten von unendlichen Weiten, vom Entdecken und Erobern neuer Welten, vom Mars und vom Mond. Günstig sollte es sein und sicher. Sie wünschten sich Fortschritt und Wissen und fanden von allem ein bisschen. Sie wollten die Raumfahrt revolutionieren und bauten eine Raumfähre, die gerne kaputt ging, die teuer war und die nun nach über 30 Jahren ins Museum muss. Eine Raumfähre, die dennoch zum Größten gehört, das Menschen geschaffen haben.

Verrückt auf einem Treibstoffturm ins All zu fliegen

Man muss sie dafür nur sehen, wie sie aus dem Himmel gleitet, als wäre sie ein Flugzeug. Wie sie aufsetzt, noch immer irrsinnig schnell, wie der Bremsschirm aufreißt, die Maschine ruckt, langsamer wird und zum Stehen kommt. Einmal Weltall und zurück.

1981 startete das erste Shuttle. "Columbia" hatten sie es genannt, der Name eines Forschungsschiffs aus dem 18. Jahrhundert. Vier weitere sollte es noch geben: "Challenger", "Discovery," "Atlantis", "Endeavour" – Namen für Hoffnungen und Mythen. Ihre Tachomeilen zusammengenommen, hätte sie bis zum Jupiter fliegen können, zum Mars gleich mehrfach. In ihnen verließen Menschen ihren Planeten, schossen ins All und sahen eine andere Welt, lebensfeindlich und fremd. 132 Mal kehrten sie sicher wieder zurück.

Doch zwei Flüge endeten tragisch. Ein Shuttle explodierte kurz nach dem Start, eins verglühte, als es durch die Atmosphäre stieß. Zwei Unglücke, die nichts übrig ließen als Rauch am blauen Himmel, und die 14 Menschen das Leben nahmen. "Columbia" und "Challenger", 1986 und 2003, es waren die Schockjahre der Nasa. Beide Male blies die Weltraumbehörde alle Starts für das kommende Jahr ab. Die Unfälle zeigten, wie fragil die Reisen waren, wie riskant, wie verrückt es war, auf einem orangenen Treibstoffturm ins All zu fliegen. Wie fantastisch, dass es überhaupt funktionierte.

Nun wird "Atlantis" als letztes der drei verbliebenen Shuttles ins All rasen. Zwischen 20 und 40 Mal pro Jahr wollte die Nasa die Raumfähren ins All schicken, durschnittlich wurden es nur acht. Eine halbe Milliarde Dollar kostete ein Flug, wesentlich mehr als eingeplant. Zu oft mussten die Shuttles repariert werden, zu häufig Starts verschoben, weil die komplizierte Elektronik zickte. Am Ende flogen die Fähren zu selten, um noch als wirtschaftlich gelten zu können.

Das Shuttle war das Raumschiff mit dem Grünem Punkt

Dabei war genau das die Idee gewesen: Eine wiederverwendbare Raumfähre, hin und zurück für wenig Geld. Eine Fähre zwischen All und Erde. Kein Weltraumschrott, der abgeworfen wird, und kein Später-die Astronauten-und-ihre-Kapsel-aus-dem-Meer-fischen. Das Shuttle war das Raumschiff mit dem Grünen Punkt. Quasi Raumfahrtrecycling.

Nun gibt die Nasa ihre Shuttles endgültig auf. Wenn die Triebwerke von "Atlantis" zünden, endet eine Ära. Viele Piloten und Techniker werden den Weltraumbahnhof Cape Canaveral bald verlassen. Was bleibt, ist ein historischer Ort: Von hier jagten die USA ihre Astronauten ins All. Auf den Wiesen drumherum standen dann Hunderttausende, jubelten den Astronauten zu und sahen, wie die großen Raketen und die Triebwerke das Shuttle in die Luft trieben. Nun wird keiner mehr diesen unglaublichen Lärm beim Start erleben, so laut, als habe die Welt für einen Moment beschlossen zu toben. Und den Feuerstrahl, der aus den Raketen brennt und der das Shuttle langsam in den Himmel schiebt, zunächst nur langsam, so als trieben sie einen Berg an.

Über 30 Jahre hat es gedauert, bis Nasa und Politik lernten: Einmal Weltall und zurück ist teurer und schwieriger als erträumt. Nach ihnen werden die privaten Unternehmer kommen, die Inder, Chinesen oder Russen. Es ist das Ende der Space Shuttle. Aber wohl nicht das Ende der bemannten Raumfahrt. Sie wird sich verändern, sie wird aber bestehen. Es wird nur auf lange Zeit nicht mehr die Nasa sein, die sie bestimmt.


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