Forschung Europa hofft auf "Discovery"


Nicht nur die Amerikaner, auch die Europäer warten ungeduldig auf den Countdown der US-Weltraumfähre - allen voran ein Deutscher.

Wenn es am 13. Juli in Cape Canaveral "Go Discovery!" heißt und auf dem Flug alles klar geht, dann kann sich der Frankfurter Thomas Reiter (47) - Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) - auf eine baldige Premiere freuen. Reiter steht bei der nächsten Reise auf der Nasa-Passagierliste. Schließlich hat er seit 2001 im Europäischen Astronautenzentrum in Köln-Porz für einen Langzeiteinsatz auf der Internationalen Raumstation ISS trainiert. Er fiebert seinem Flug entgegen.

Viel Erfahrung auf der Mir gesammelt

Reiters Premiere: Er ist der erste Esa-Raumfahrer, der nicht nur für ein paar Tage auf der ISS sein wird, und der erste Deutsche in dem fliegenden Wissenschaftszentrum überhaupt. Für die Europäer ist es zudem wichtig, dass sie nach der Wiederaufnahme der Flüge endlich ihr Prunkstück, das in Bremen gebaute und getestete Columbus-Labor, zur Station bringen können, wenn auch erst mit dem achten Start nach der "Discovery". Ohne US-Shuttle wäre das Labor nur gut fürs Museum.

Auf der russischen Mir-Station hat Reiter schon 1995/96 extrem viel Weltraumerfahrung gesammelt. Sein Flug zur ISS war ursprünglich für Juli geplant, doch die Startverschiebung für "Discovery" verlegte auch seine Reise weiter in die Ferne. Mit der Nasa ist ausgemacht, dass der Deutsche auf dem zweiten Flug in der "Atlantis" dabei ist.

Europäer stellen größte Forschergemeinde

Die Amerikaner hatten nach dem "Columbia"-Desaster strengste Sicherheitsauflagen beschlossen und festgelegt, dass die ersten beiden Starts bei Tageslicht erfolgen müssen. Damit öffnet sich für "Atlantis" am 9. September ein zweiwöchiges Startfenster. Nach der letzten Verschiebung zeigte sich der Deutsche cool: "Ich denke, dass alles dafür getan wurde, dass sich die Pannen der Vergangenheit nicht wiederholen." Notlagen zu meistern sei im Weltraum "tägliches Brot".

"Ein Erfolg der Shuttle-Mission wird die Zukunft der ISS sichern, denn allein die Raumfähren können neue Module aus den USA, Europa und Japan für den weiteren Aufbau zu der Station bringen", setzt auch die Esa in Paris auf den reibungslosen Neubeginn der Raumfähren. Stellen doch die angespannt auf den "Discovery"-Start wartenden europäischen Wissenschaftler bei der Nutzung der ISS die größte Forschergemeinde.

Das Columbus-Labor soll internationalen ISS-Crews eine ganze Bandbreite von Experimenten in Materialwissenschaft, Medizin sowie Biologie und Technologie möglich machen. Die "Discovery" kann die Tür öffnen für eine Reihe europäischer Astronauten auf der Station - und auch für ein dann wieder reichhaltigeres wissenschaftliches Programm.

Hanns-Jochen Kaffsack, DPA


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