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Himmelsscheibe von Nebra: Das Ticken der Sterne

Die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra ist nach Erkenntnissen einer dreiköpfigen Forschergruppe eine komplexe astronomische Uhr, die Sonnen- und Mondkalender miteinander verknüpft.

Die Wissenschaftler enthüllten, dass die Himmelsscheibe von Nebra eine Schaltregel enthält, die unseren jetzigen Schaltjahren ähnelt. "Das ist eine deutliche Erweiterung unseres bisherigen Wissens zur Bedeutung und Funktion der Himmelsscheibe", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Dienstag in Halle. "Die Funktion dieser Uhr war sehr wahrscheinlich nur einer kleinen Gruppe bekannt."

Die Himmelsscheibe ist die älteste konkrete Himmelsabbildung der Welt. "Die Sonne gab Tag und Jahr vor, das war für die Landwirtschaft wichtig, und der Mond wurde zur Bestimmung des neuen Monats benötigt", sagte Meller. "Der Mondkalender ist aber elf Tage kürzer als der Sonnenkalender. Die Sensation ist, dass die bronzezeitlichen Menschen das Mond- und das Sonnenjahr in Einklang gebracht haben. Das hätten wir ihnen nie zugetraut."

Das Wissen ging verloren

Nach Angaben des Astronoms Wolfhard Schlosser von der Ruhr- Universität Bochum haben die Erbauer der Himmelsscheibe dieselben astronomischen Beobachtungen gemacht, die tausend Jahre später die Babylonier erstmals beschrieben. "Ob deshalb das Wissen auf der Scheibe vor Ort entstand oder aus der Ferne kam, bleibt offen."

Laut Forschergruppe ging das mit Hilfe der Himmelsscheibe erworbene Wissen um den Schaltmonat im Laufe der maximal 400 Jahre währenden Nutzung der Scheibe irgendwann verloren. Das erklärt auch, warum die Scheibe mehrmals verändert wurde. Beispielsweise kam ein Schiff auf die Scheibe, und am Rand wurde sie vielfach gelocht. "Das bedeutet, dass zum Schluss die Scheibe ein Kultobjekt war", sagte Meller.

Zwei bereits verurteilte Raubgräber hatten die Scheibe zusammen mit einem Bronzeschatz 1999 bei Nebra (Burgenlandkreis) entdeckt. Die Polizei hatte den Schatz vor vier Jahren in der Schweiz sichergestellt.

DPA

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