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Archäologie: Auf den Spuren der "Himmelsscheibe von Nebra"

Der Fundort der wertvollen Himmelsscheibe birgt möglicherweise noch ungehobene Schätze. Ab März gräbt ein 23-köpfiges Team nach Überbleibseln aus der Bronzezeit.

Der archäologische Krimi um die "Himmelsscheibe von Nebra" geht weiter, denn der Fundort birgt knapp zwei Jahre nach ihrer Entdeckung möglicherweise weitere ungehobene Schätze. Neue Grabungen des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle sollen im März auf dem 252 Meter hohen Mittelberg (Burgenlandkreis) starten. Die Bronzescheibe mit Goldauflagen ist die älteste genauere Sternenabbildung der Welt.

"Bis zum Herbst wollen wir etwa 8500 Quadratmeter inmitten der prähistorischen Wallanlage freilegen", sagt Grabungsleiter Thomas Koiki. Sein 23-köpfiges Team wird zunächst etwa 25 Meter südlich des Fundortes der Scheibe nach bronzezeitlichen Stücken und weiteren Beweisen für einen Kultplatz suchen. Auf dem insgesamt 23 000 Quadratmeter großen Areal wurde bereits 2002 und 2003 gegraben.

Bronzeschatz in der Erde

Dass der Mittelberg zumindest bis in die frühe Eisenzeit genutzt wurde, beweist ein etwa 2700 Jahre alter Wendelring, der als Halsschmuck diente. Zudem wurden am Fundort der Scheibe zwei 7000 Jahre alte Steinbeile ausgegraben. "Insgesamt wurden schon 500 Funde, meist Keramikstücke, ausgegraben, dazu Teile eines 3200 Jahre alten Bronzeschatzes, der etwa 100 Meter von der Himmelsscheibe entfernt lag", berichtet Koiki.

Aber auch das Interesse an der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe selbst ist seit ihrem Fund ungebrochen. Das wertvolle Stück wurde am 4. Juli 1999 von zwei Raubgräbern zusammen mit einem Bronzeschatz entdeckt. Nach jahrelanger Odysee wurden die Teile am 23. Februar 2002 in der Schweiz bei einer fingierten Verkaufsaktion sichergestellt.

Interesse an Himmelsscheibe ungebrochen

"Jeden Tag besuchen viele Menschen unsere Internetseiten, in Spitzenzeiten waren es täglich sogar rund 12 000 Nutzer", sagt der Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vorgeschichte in Halle, Harald Meller. "Dazu kommen unzählige Theorien zur Entstehung und Nutzung der Himmelsscheibe per Post und E-Mail in unser Haus."

Die Leute wollten einfach wissen, woher die Menschheit kommt, erklärt Meller das Phänomen Himmelsscheibe. Der Landesarchäologe hat in den vergangenen Monaten zwischen Wien und Hamburg zahlreiche Vorträge zum Weltfund Himmelsscheibe gehalten. "Meist haben die Stühle in den Räumen nicht ausgereicht, und immer wieder wollten die Besucher von mir wissen, was dies für Menschen waren, wie sie aussahen, wie sie lebten, wie ihr Tagesablauf war und was sie zur Herstellung dieser Scheibe veranlasste."

Scheibe bestimmmt Sonnenwenden

Die Goldauflagen auf der fast kreisrunden, im Durchmesser 32 Zentimeter großen Bronzescheibe zeigen den Archäologen ein Schiff, dazu Mond, Sonne und Sterne. Mit Hilfe von zwei Bögen am Rand der Scheibe kann die Winter- und Sommersonnenwende bestimmt werden. Eine Ansammlung von sieben Goldpunkten wird als Sternenhaufen der Plejaden in einer Konstellation wie vor 3600 Jahren erkannt.

"Wir können davon ausgehen, dass diese Menschen weltweiten Handel mit Waren und Ideen getrieben haben und die Scheibe auch in der Region hergestellt wurde", sagt Meller. Die Originalscheibe wird erstmals wieder im Oktober zur Landesausstellung "Der geschmiedete Himmel" zu sehen sein.

Thomas Schöne, DPA / DPA