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Verwertungsrechte: Wem gehört die Himmelsscheibe?

Obwohl sie sich als älteste Sternenabbildung der Welt dafür perfekt eignet, dürfen Bilder der 3600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra" nicht als Cover von Fantasy-Romanen benutzt werden. Dies beschloss das Magdeburger Landgericht.

Der Münchner Heyne Verlag darf für das Cover eines Fantasy-Romans vorerst keine Abbildung der 3600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra" mehr verwenden. Eine entsprechende einstweilige Verfügung verkündete das Magdeburger Landgericht am Dienstag unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro (Aktenzeichen: 7 O 703/05). Sachsen-Anhalt hatte den Verlag verklagt, weil dieser den 1999 entdeckten archäologischen Sensationsfund abgebildet hatte, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Bereits gedruckte Buchexemplare dürfen jedoch noch verkauft werden.

Bücher müssen nicht eingestampft werden

Das Gericht machte damit deutlich, dass das Land die alleinigen Verwertungsrechte an der Himmelsscheibe besitzt, die als älteste konkrete Sternenabbildung der Welt gilt. Die Entscheidung dürfte auch in einem zweiten, ähnlich gelagerten Verfahren gegen den Piper Verlag München eine Rolle spielen, das ebenfalls am Dienstag in Magdeburg begann. Eine Entscheidung in diesem zweiten Prozess soll am 3. Mai verkündet werden.

Von dem Buch "Der Herrscher der Zeit" von Marc Hillefeld hat Heyne nach eigenen Angaben bisher etwa 12.000 Exemplare verkauft. Das Land gesteht dem Verlag trotz der einstweiligen Verfügung zu, weitere 6000 noch gelagerte Exemplare in die Läden zu stellen, statt sie einzustampfen oder zu verändern. Über die Höhe nachträglicher Lizenzgebühren wollen beide Seite nun verhandeln. Mögliche weitere Auflagen des Buches müssen dann ohne die spektakuläre Scheibe auf dem Cover verlegt werden - oder der Verlag zahlt Gebühren an das Land.

Verlag sieht in der Himmelsscheibe kulturelles Allgemeingut

Der Piper Verlag verwendete für den Roman "Die Tochter der Himmelsscheibe" von Wolfgang Hohlbein Abbildungen des Bronzeschatzes. Wie schon im ersten Prozess machte der Vorsitzende Richter Gernot Clodius gleich zu Beginn deutlich, dass das Gericht die Ansprüche des Landes für berechtigt hält. Sachsen-Anhalt habe nicht zuletzt deshalb die Verwertungsrechte, weil es den über tausende Jahre verschwundenen Schatz, der in Halle ausgestellt wird, dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. Piper argumentierte, die Scheibe sei kulturelles Allgemeingut, für das kein Urheberrechtsschutz gelten dürfe. Es bestünden auch noch Zweifel, ob der Schatz tatsächlich in Sachsen-Anhalt gefunden worden sei.

Bereits vor zwei Jahren hatte Sachsen-Anhalt einen Rechtsstreit um die als lukrativ geltenden Vermarktungsrechte an der Himmelsscheibe gegen die Stadt Querfurt gewonnen. Damals ging es um Souvenirs.