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Archäologie: 4200 Jahre alte Hügelgräber entdeckt

In Sichtweite zum Fundort der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra ist jetzt eine weitere archäologische Sensation entdeckt worden: ein Areal mit mindestens acht Hügelgräbern im Wald von Memleben.

"Wir sind in die Welt der Himmelsscheibe vorgestoßen. Die Bronzezeitmenschen haben ihre Herrscher nach uralten Riten bestattet", sagt Archäologe Olaf Schröder vom Landesamt für Archäologie in Halle. Die Himmelsscheibe gilt als älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Sie wurde 1999 von bereits verurteilten Raubgräbern auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckt und 2002 von der Polizei sichergestellt.

Der gesamte Hofstaat musste dem Herrscher in den Tod folgen

"Der Grabhügel bei Memleben ist eine Sensation", erklärt die Archäologin Mechthild Klamm. "Ein prähistorisches Monument von dieser Dimension wird in Deutschland nicht jeden Tag ausgegraben." Mehrere Anrufer hatten die Archäologen informiert, dass Raubgräber im Wald von Memleben einen Hügel verwüsteten. Seit der Entdeckung der Himmelscheibe wird die Gegend von vielen Raubgräbern heimgesucht. Das Landesamt für Archäologie organisierte schnell ein Grabungsteam.

Tatsächlich fanden die Archäologen oberhalb des Hügels illegale Grabungstrichter. "Zum Glück waren sie nicht all zu tief", sagt Klamm. Schließlich legten die Fachleute in wochenlanger Kleinarbeit ein 4200 Jahre altes Grabmonument aus der Jungsteinzeit frei. "Wenn ein Herrscher starb, musste ihm - ähnlich wie in Ägypten - der Hofstaat in den Tod folgen. Aber statt Pyramiden bauten unsere Vorfahren meterhohe Grabmonumente aus Sandsteinplatten und Erde", erklärt Schröder.

Durch einen stumpfen Gegenstand zu Tode gekommen

Am Grabeingang stießen die Archäologen auf das Skelett des Türwächters. "Beim Weitergraben entdeckten wir tief im Hügel eine 3000 Jahre alte Hauptgrabkammer aus der Bronzezeit", sagt Schröder. Der Raum war zwei mal zwei Meter groß und etwa einen halben Meter hoch. Ursprünglich war die Grabkammer wohl doppelt so hoch. Alles war mit Sandsteinplatten ausgekleidet. "In der Mitte lag der Fürst, aber Oberkörper und Beine fehlten. Als Grabbeigabe lagen bei ihm ein wertvolles Bronzemesser und eine Bronzenadel", berichtet Schröder.

Kreisförmig um den Herrscher herum angeordnet lagen die Überreste seines Hofstaates. Die Schädel waren deformiert. "Diese Menschen kamen gewaltsam, durch einen stumpfen Gegenstand zu Tode, darunter waren drei Kinder im Alter von vier, fünf und zehn Jahren", sagt Schröder. Am Schädel des zehnjährigen Mädchens lagen spiralförmig gedrehte Bronzeohrringe. Insgesamt umfasste die bronzezeitliche Grabkammer zehn Skelette.

Thomas Schöne/DPA