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Kosmische Strahlung: Verwirrt im Weltall

Desorientiert, ängstlich, leicht ablenkbar - kosmische Strahlung könnte die geistigen Fähigkeiten von Astronauten bei Langzeitmissionen beeinträchtigen. Thomas Reiter und seine Kollegen auf der ISS sind jedoch in Sicherheit.

Bei Reisen zum Mond oder Mars könnte die kosmische Strahlung zu Gedächtnisstörungen, Lernschwierigkeiten und Stresssymptomen bei den Astronauten führen, die den Ablauf einer Weltraummission gefährden könnten. Das schließen amerikanische Forscher aus Studien über die Auswirkungen von simulierter kosmischer Strahlung auf die geistigen Fähigkeiten von Ratten. Über die Untersuchungen der Forscher um Bernard Rabin von der University of Maryland in Baltimore berichtet der Onlinedienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

Rattenhirne erheblich beeinträchtigt

Die kosmische Strahlung ist eine hochenergetische Teilchenstrahlung, die aus dem Weltall oder von der Sonne stammt. Sie besteht überwiegend aus geladenen Teilchen, die auch schwerere Atomkerne wie Eisen beinhalten. Rabin arbeitet schon seit Jahren an der Erforschung der Folgen von Strahlung, die durch beschleunigte Eisenkerne entsteht. So nutzte der Wissenschaftler für seine Studien beispielsweise Teilchenbeschleuniger, um diese Strahlung zu erzeugen, bestrahlte damit die Gehirne von Ratten und untersuchte anschließend deren geistigen Fähigkeiten. Die verabreichte Strahlendosis entsprach dabei ungefähr der kosmischen Strahlung, der Astronauten auf einer Reise zum Mars ausgesetzt wären, sagt Rabin.

Als Folge der Bestrahlungen konnten sich die Ratten schlechter orientieren und hatten Lernschwierigkeiten. Sie ließen sich außerdem leichter ablenken und zeigten mehr Angst in Stresssituationen. Wenn sich diese Auswirkungen auch auf den Menschen übertragen lassen, würde das eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Fähigkeiten bedeuten: "Ängstliche Astronauten sind beispielsweise nicht geeignet, Neues zu erforschen", sagt Rabin.

Könnten Erdbeeren und Blaubeeren helfen?

Bisher ist noch nicht geklärt, warum die Strahlung zu den geistigen Veränderungen führt. Bekannt ist aber, dass sie die Bildung von Sauerstoffradikalen auslöst, die den Körper schädigen und zu Alterungsprozessen führen. Die Entwicklung von Medikamenten, die diese Effekte verringern, könnte hier helfen, sagt der Wissenschaftler. Bisherige Versuche haben bereits gezeigt, dass die Gabe von Erdbeer- und Blaubeerextrakten die Ratten widerstandsfähiger gegen die Folgen der Strahlung machte. Verantwortlich dafür seien die Antioxidantien in den Fruchtextrakten, die die aggressiven Radikale abfangen würden, schreiben der Forscher.

Magnetfeld schützt Astronauten auf der ISS

Astronauten im Spaceshuttle oder auf der Weltraumstation ISS sind durch das Magnetfeld der Erde vor der Weltraumstrahlung weitestgehend geschützt. Bemannte Marsmissionen müssten dagegen den Schutzschild der Erde verlassen, und die Astronauten wären auf ihrer Reise etwa drei Jahre lang der kosmischen Strahlung ausgesetzt. Die weitere Forschung der Wissenschaftler um Rabin wird jetzt von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa gefördert, die insgesamt zwölf Projekte zur Untersuchung der Folgen von kosmischer Strahlung unterstützt.

DDP / DDP