Nasa Sonde "Phoenix" schickt erste Mars-Bilder


Bilderbuchlandung: Nach einer 680 Millionen Kilometer langen Reise hat die US-Raumsonde "Phoenix" erfolgreich auf dem Mars aufgesetzt. Zwei Stunden später jubelten die Nasa-Mitarbeiter über gestochen scharfe Fotos vom roten Planeten.

Die Marssonde "Phoenix" ist nach einem riskanten Landemanöver erfolgreich auf dem Mars gelandet. Die dreibeinige, 410 Kilogramm schwere Sonde setzte in der Nordpol-Region des Erd-Nachbarn auf. Rund 20 Minuten später wurden die Sonnensegel planmäßig ausgefahren. Zwei Stunden nach der Landung erreichten erste Live-Bilder der Marssonde das Kontrollzentrum der US-Weltraumbehörde Nasa.

"Es ist wunderbar, die Bilder sind gestochen scharf", schwärmte ein Nasa-Manager. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen neben den Sonnensegeln auch die steinige Marslandschaft in der Umgebung.

Nach dem Aufsetzen des Landemoduls brach unter den Nasa-Mitarbeitern im Kontrollzentrum in Pasadena (Kalifornien) frenetischer Jubel aus. "Nicht einmal in meinen Träumen hätte ich mir vorgestellt, dass alles so glatt verläuft", kommentierte Projektleiter Barry Goldstein das Manöver. "Wir sind mitten in unserem Zielgebiet gelandet."

Eine "Zitterpartie"

Im Unterschied zu Mondlandungen oder Einsätzen an der Internationalen Raumstation ISS gab es zunächst keine Live-Bilder. Die Nasa-Mitarbeiter mussten sich mit Funksignalen begnügen, die die Landung bestätigten. Diese brauchten 16 Minuten, um die 275 Millionen Kilometer zur Erde zurückzulegen.

Marslandungen gelten als äußerst riskant: In den vergangenen Jahrzehnten waren über die Hälfte der gut ein Dutzend Mars-Missionen fehlgeschlagenen. Mehrere Sonden zerschellten beim Anflug auf den Planeten, verloren den Funkkontakt oder hatten andere schwere Probleme.

Kamera aus Deutschland

Auch das Aufsetzen der "Phoenix"-Raumsonde in der Nacht zum Montag war eine "Zitterpartie". Als besonderes Problem galt es, die Sonde vom Eintritt in die Marsatmosphäre bis zur Landung innerhalb weniger Minuten von rund 20.000 auf etwa zehn Stundenkilometer abzubremsen. "Die Atmosphäre wird immer dicker, 'Phoenix' wird langsamer und langsamer", beschrieb ein Mitarbeiter im Kontrollzentrum die heikle Phase, als die Sonde von Fallschirmen gebremst in das Zielgebiet einschwebte.

Zusammen mit der Sonde reiste eine Spezialkamera aus Deutschland zum Mars. Die Kamera aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau soll eine entscheidende Rolle bei der Suche nach gefrorenem Wasser im Marsboden spielen. Es handele sich um "die erste Kamera im All, deren Fokus sich verstellen lässt", schwärmte Chef-Entwickler Horst Uwe Keller.

In den nächsten drei Monaten soll der 2,4 Meter lange Roboterarm der "Phoenix" den gefrorenen Polarboden durchgraben. Die Expedition wird unter anderem untersuchen, ob das Eis nahe der Marsoberfläche regelmäßig schmilzt. Das würde bedeuten, dass es dort Lebensraum für Mikroorganismen gibt. Zu klären ist auch, ob der Boden lediglich wenige Zentimeter oder möglicherweise mehr als einen halben Meter tief gefroren ist. Die Bodenproben werden in einem Labor in der Sonde erhitzt und untersucht. Das gesamte "Phoenix"-Projekt kostet nach Angaben der Nasa fast 310 Millionen Euro.

DPA DPA

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