Raumsonde Europa will zum Mond


Mehr als drei Jahrzehnte nach der letzten Apollo-Mondlandung der Amerikaner wollen jetzt erstmals die Europäer den immer noch geheimnisvollen Erdtrabanten erkunden.

Mehr als drei Jahrzehnte nach der letzten Apollo-Mondlandung der Amerikaner wollen jetzt erstmals die Europäer den immer noch geheimnisvollen Erdtrabanten erkunden. "SMART 1" heißt die etwa 350 Kilogramm schwere und mit zehn Experimenten bestückte Sonde, die in diesen Tagen auf dem europäischen Raumfahrtbahnhof von Kourou im Dschungel von Französisch-Guyana startklar gemacht wird.

In der Nacht zum 3. September soll die "SMART 1" genannte Mond- Sonde mit einer Ariane-5-Trägerrakete in den Weltraum befördert werden. Auf dem Erdtrabanten landen wird Europas Kundschafter allerdings nicht.

Noch viele Wissenslücken

"Unser Wissen über den Mond ist erstaunlich lückenhaft", sagt Bernard Foing, zuständiger Projektwissenschaftler der Mond-Mission. Trotz der sechs Apollo-Flüge der Amerikaner und der drei unbemannten sowjetischen Raumfahrzeuge, die auf dem Mond gelandet sind, gilt es also noch eine ganze Menge Rätsel zu lösen. "Wir möchten weiterhin wissen, wie das Erde-Mond-System entstanden ist und sich entwickelt hat", erklärt Foing. Auch Vulkanismus, Tektonik, Kraterbildung und Mond-Erosion werfen noch viele Fragen auf. Und nicht zuletzt sollen Landegebiete für weit ehrgeizigere Flüge ausgekundschaftet werden.

Im Juni hatte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den "Mond-Botschafter" von ihrem niederländischen Technologiezentrum in Noordwijk nach Kourou bringen lassen. Der Flug der Sonde dient auch dem mit Spannung erwarteten Test eines solar-elektrischen Antriebs, der später die Erforschung benachbarter Planeten erleichtern könnte.

Neuartig ist der Ionenantrieb

"Klein, kostengünstig und kompakt", das ist das Motto, mit dem die Europäer trotz der Kosten der Weltraumstation ISS und der Krise auch der Raumfahrtindustrie weiterhin Flagge zeigen wollen. "SMART 1" ist der Vorläufer einer "neuen Philosophie", die Weltraumforschung mit leichtgewichtigen und nicht so teuren Sonden voranzutreiben.

Der genau 101,5 Millionen Euro teure "SMART 1" wird aus einer elliptischen Umlaufbahn heraus über sechs Monate - womöglich auch ein Jahr lang - Daten sammeln. Mit an Bord sind eine hochauflösende Mini-Kamera sowie zwei Spektrometer, darunter ein Infrarotgerät des Max-Planck-Instituts für Aeronomie, das einen sehr tiefen Blick in den schattigen Südpolkrater werfen soll. Praktisch die wichtigste Schlüsseltechnologie von "SMART 1" (Small Mission for Advanced Research and Technology) bleibt indessen der neue Ionenantrieb der Sonde. Denn wenn er funktioniert, dann erst werden auch ein Flug Europas zum Merkur sowie der Start eines Sonnen-Orbiters möglich.

Auf dem Mond könnten Siedlungen für touristische Zwecke entstehen

Der ESA-Projektwissenschaftler der Mond-Sonde hat immer auch das Futuristische im Kopf. Auf dem Mond könnte viel Energie produziert werden, davon ist Foing überzeugt. "Wir kehren zum Mond zurück, weil wir denken, dass Leben und Arbeiten dort wirklich eine Zukunft hat."

Die zahlreichen Anhänger von Mond-Missionen sehen auf dem 384 000 Kilometer entfernten Trabanten des Planeten Erde Siedlungen auch für touristische Zwecke entstehen, Industrieanlagen und Testgelände für künftige Fernreisen, die auch zum Roten Planeten Mars führen könnten.

Jetzt müssen die Europäer jedoch erst einmal den Anfang machen. Dass die Reise wegen der Probleme der neueren Ariane-S-Plus-Rakete später als geplant beginnt, ist für Foing kein Beinbruch: "So hatten wir umso mehr Zeit, unseren Mondbotschafter ausführlich zu testen."

Hanns-Jochen Kaffsack


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