Raumstation ISS Besuch für Thomas Reiter


In den nächsten Tagen herrscht auf der Internationalen Raumstation ISS ein reges Kommen und Gehen: Die "Atlantis" und die "Sojus" docken an. Viel Zeit zum Plaudern mit Thomas Reiter und Kollegen werden die Besucher aber nicht haben.

Dem deutschen Astronauten Thomas Reiter stehen auf der Internationalen Raumstation ISS zwei stressige Wochen mit vielen Besuchern und viel Arbeit ins Haus. Am Sonntag soll die US-Raumfähre "Atlantis" mit sechs Astronauten an Bord Kurs auf den in 400 Kilometern über der Erde kreisenden Außenposten nehmen. Am 16. September dockt dann eine russische "Sojus"-Raumsonde mit der neuen Langzeitbesatzung und einer Weltraumtouristin an.

Bleibt der US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral von Wetterkapriolen verschont, wird die "Atlantis" am Sonntag um 22.30 Uhr MESZ starten. Der Crew wird nicht viel Zeit bleiben, den Blick auf die Erde oder in das All zu genießen. "Es wird ein sehr arbeitsreicher Flug", sagt Kommandant Brent Jett. "Wir mussten noch nie so viele Aktivitäten hintereinander und von einem Tag auf den anderen abstimmen. Der Zeitplan ist eine große Herausforderung." Die US-Tageszeitung "USA Today" stellte schon die besorgte Frage, ob sich die Astronauten bei mindestens zwölf Arbeitsstunden an jedem der elf geplanten Flugtage "überarbeiten" könnte.

Weltraumsegel im Gepäck

Das Flugprogramm hält auch jede Menge jener Momente bereit, in denen bei den Astronauten und den Experten im Kontrollzentrum in Houston (Texas) der Puls schneller schlagen wird. Denn erstmals seit November 2002 wird die ISS wieder ausgebaut.

Die "Atlantis"-Besatzung soll bei drei Weltraumeinsätzen ein Paar Weltraumsegel an der Raumstation anbringen. Problematisch ist wegen der Schwerelosigkeit im All nicht das Gewicht von 17,5 Tonnen. Das Problem ist die Mechanik zur Entfaltung der beiden zusammen mehr als 70 Meter langen Segel. Ursprünglich sollten sie schon im Mai 2003 angebracht werden. Seitdem liegen sie nach Angaben der Nasa gut verpackt. Die Crew hat deshalb einkalkuliert, dass die Segel beim Entfalten klemmen könnten. Die Astronauten probten deshalb auf der Erde, wie man im Notfall per Hand nachhelfen kann.

Wenn die beiden neuen Sonnensegel gesetzt sind, sieht die ISS wie ein übergroßer Schmetterling aus. Und da beginnt das nächste Problem. Die Segel werden nämlich der Nasa zufolge die Balance der Raumstation dramatisch verändern. Damit der größte jemals gebaute Himmelskörper auf Kurs bleibt, muss er per Computer mit neuen Daten gefüttert und neu adjustiert werden. Gelingt das nicht auf Anhieb, kann der ganze Zeitplan ins Rutschen geraten. Im schlimmsten Fall müsste die Nasa zur Kurskorrektur der ISS die Triebwerke des Shuttles zünden, was begrenzten und wertvollen Treibstoff kosten würde.

Doppelt so viel Strom für die Raumstation

Die 372 Millionen Dollar (292 Millionen Euro) teuren Sonnensegel werden die bisherige Energieversorgung der ISS verdoppeln. Die Energiemenge würde nach Angaben der Nasa ausreichen, um 30 Wohnhäuser auf der Erde mit Strom zu versorgen. Auf der ISS brechen ungewohnte Zeiten an: Statt drei können künftig sechs Astronauten über Monate an Bord arbeiten, forschen und leben.

Nie zuvor hat sich eine Nasa-Crew so lange auf ihren Weltraumeinsatz vorbereitet. Eigentlich sollten die sechs Astronauten um Kommandant Jett schon 2003 fliegen. Nach dem todbringenden Unglück der Raumfähre "Columbia" im Februar 2003 stellte die Nasa jedoch den Ausbau der ISS ein und überholte ihre drei Spaceshuttle. Zuletzt flog die "Atlantis" im Oktober 2002 ins All.

Trotz aller Verzögerungen und Unwägbarkeiten blieb die "Atlantis"-Crew über viereinhalb Jahre zusammen. "Ich hoffe, man kann am Strahlen unserer Gesichter sehen, dass wir sehr glücklich sind, beim Beginn des Countdowns in Florida zu sein", sagte Jett in Cape Canaveral.

Hans Dahne/DPA DPA

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