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Risiko für ISS: Satelliten kollidieren im All

Crash in fast 800 Kilometern Höhe: Ein US-Satellit und ein russischer Satellit sind über Sibirien im All zusammengestoßen. Etwa 600 Trümmerteile sind dabei entstanden, die nun im Weltraum unterwegs sind - und auch für die Raumstation ISS eine Gefahr sein könnten.

Im Weltraum sind erstmals zwei Nachrichtensatelliten kollidiert. Wie der US-Sender CBS unter Berufung auf Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa berichtete, stießen ein kommerzieller amerikanischer Kommunikationssatellit und ein seit Jahren abgeschalteter russischer Himmelskörper bereits am Dienstag in einer Höhe von rund 790 Kilometern über dem Norden Sibiriens zusammen. Nach der Kollision der 900 und 560 Kilogramm schweren Satelliten habe sich ein weites Trümmerfeld gebildet, erste Radar-Untersuchungen der Nasa haben ergeben, dass rund 600 Wrackteile entstanden sind.

Den Nasa-Informationen zufolge ist das Risiko für die internationale Raumstation ISS gering, von den Trümmern getroffen zu werden. Die ISS befindet sich in nur 354 Kilometern Höhe, also deutlich unter dem Kollisionsorbit der beiden Unglückssatelliten. Ein Nasa-Sprecher sagte, der Schrott werde sich ausbreiten, weshalb die ISS möglicherweise ein Ausweichmanöver starten müsse. Dazu sei die Raumstation aber in der Lage, dies sei ihr bereits in acht Fällen gelungen. Unklar sei allerdings, inwieweit andere kommerzielle oder militärische Satelliten gefährdet seien, hieß es.

Gefahr einer radioaktiven Wolke

Ein Weltraumexperte sagte der Agentur Interfax in Moskau, dass die Trümmer leicht mit alten sowjetischen Spionagesatelliten, die sogenannte Atombatterien an Bord haben, zusammenstoßen könnten. Es bestehe die Gefahr, dass Wolken mit radioaktiver Strahlung im All austreten, sagte der Experte. Wie der TV-Sender CBS berichtet, wird es etwa zwei Tage dauern, bis die Nasa das genaue Ausmaß des Trümmerfeldes abschätzen kann. Die Nasa überwacht derzeit zwei große Weltraumschrott-Wolken.

Die US-Betreiberfirma Irdium Satellite teilte mit, dass der zerstörte Satellit binnen 30 Tagen durch andere Satelliten ersetzt werde, die bereits im All unterwegs sind. In der Zwischenzeit könne es zu kurzen Störungen der Kommunikation oder gar zu Ausfällen kommen. Nach eigenen Angaben betreibt Iridium Satellite ein Netzwerk von 66 Kommunikationssatelliten sowie mehreren Ersatzsatelliten im All. Die Firma betonte, die Kollision sei nicht auf technisches Versagen bei dem Iridium-Satelliten zurückzuführen. Der russische Satellit mit dem Namen "Kosmos-2251" ist nach Angaben eines russischen Militärsprechers seit 1993 im All, allerdings seit Jahren nicht mehr in Betrieb.

Seit die Sowjetunion im Jahr 1957 mit "Sputnik 1" den ersten künstlichen Satelliten gestartet hatte, wurden rund 6000 Stück ins Weltall gebracht. Von ihnen ist nach Angaben der Nasa allerdings nur noch die Hälfte in Betrieb.

DPA/AFP/AP / AP / DPA
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