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Sonden gestartet: Nasa kehrt auf den Mond zurück

"Fly me to the moon", hat einst schon Frank Sinatra gesungen. Zwei Sonden der Nasa sind in der Nacht zu unserem nächsten himmlischen Nachbarn gestartet. Mit der Mission will die US-Weltraumbehörde ein ehrgeiziges Ziel vorbereiten: die Rückkehr von Menschen auf den Mond.

In der Nacht zu Freitag hat die US-Weltraumbehörde Nasa zwei Raumfahrzeuge vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida an Bord einer Atlas-Rakete auf den langen Weg Richtung Mond gebracht. Die Raumfahrzeuge "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) und "Lunar Crater Observation and Sensing Satellite" (LCROSS) sollen eine mögliche neue bemannte Mond-Mission vorbereiten. Denn obwohl seit der Mondlandung im Jahr 1969 zwölf Menschen den Mond besucht haben, wissen Astronomen über manche Regionen unseres nächsten Nachbarn weniger als über den weiter entfernten Mars.

Satellit soll Hinweise auf Wassereis liefern

90 Minuten nach dem Start trennte sich die Robotersonde LRO palngemäß von der Trägerrakete und fliegt nun allein Richtung Mond weiter, wo sie am kommenden Dienstag eintreffen soll. Ein Jahr lang wird LRO den Mond in einer Entfernung von nur 50 Kilometern umkreisen. Die Sonde hat die Aufgabe, dreidimensionale Landkarten vom Mond zu erstellen und einen sicheren Landeplatz für Astronauten ausfindig zu machen.

Bei der Neuvermessung des Mondes wird auch der Laser-Höhenmesser "Lunar Orbiter Laser Altimeter" (LOLA) eine wichtige Rolle spielen. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern wird Jürgen Oberst vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Bilddaten der Kamera auswerten, die von Bord der Sonde zur Erde gesendet werden. Die räumliche Auflösung dieser Daten soll 100 Mal besser sein als die der gerade beendeten Mission der japanischen Weltraumorganisation. Nach Erwartungen der Nasa sollen sie bis auf einen Meter genau sein und sogar kleinere Felsbrocken und Reifenspuren von früher entsandten Roboterfahrzeugen aufnehmen. Auch andere Geheimnisse um frühere Mondmissionen könnten gelüftet werden, manche noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Wo beispielsweise ist der erste sowjetische Mond-Rover "Lunchod" geblieben, der seinerzeit nach einer 322-tägigen Reise plötzlich verstummte und verschwand? "Wir werden in einem polaren Orbit sein, der alles, was jemals auf dem Mond gelandet ist, in nur 50 Kilometern Entfernung überfliegt", sagt Benjamin Neumann, einer der leitenden Nasa-Projektmanager.

Weitaus spektakulärer ist die Kamikaze-Mission des LCROSS. Der Satellit soll die Erde zunächst in größerer Entfernung umfliegen; ganze vier Monate hat er Zeit, um sich in Stellung zu bringen. Für Oktober plant die Nasa ein kosmisches Spektakel: Mit einer Geschwindigkeit von 9000 Kilometern pro Stunde soll ein Raketenteil der LCROSS-Sonde - so groß wie ein Auto - in einen Mondkrater einschlagen und eine gewaltige Staubwolke von zehn Kilometern Höhe aufwirbeln. Nach Angaben der Nasa hat es solch eine Raketenstufe als Projektil noch nie gegeben. Der Satellit LCROSS selbst wird dann die Staubwolke durchfliegen. Nur vier Minuten hat er Zeit, um Messdaten über mögliche Wasserteilchen und andere Bestandteile zu sammeln und zur Erde zu senden, bevor auch er sich in den Mondkrater stürzt. Seine Messdaten sollen Hinweise auf Wassereis in der Tiefe dunkler kalter Kraterregionen liefern, die nie von der Sonne beschienen werden. Dort in der Eiseskälte dieser so genannten Permanenten-Schattenregionen vermuten Wissenschaftler gefrorenes Wasser, das etwa durch Kometen auf den Mond gelangt sein könnte. Teleskope auf der Erde, der LRO-Orbiter und das "Hubble"-Weltraumobservatorium werden den Doppel-Aufprall genau beobachten.

Sprungbrett für die Reise zum Mars

Nasa-Projektmanager Dan Andrews erhofft sich von der Kamikaze-Aktion eine "definitive Antwort" auf die Frage, ob es auf dem Mond Wasser gibt oder nicht. Die künftigen Mondfahrer brauchen es nicht nur zum Trinken. Das Mondwasser könnte, in seine chemischen Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, zu Luft oder Rakentreibstoff umgewandelt werden. Mit der Mission will die Nasa ihr ehrgeiziges Ziel verwirklichen: "Die Rückkehr der Menschen auf den Mond möglich machen".

Der frühere US-Präsident George W. Bush hatte seinerzeit das Ziel vorgegeben, bis 2020 wieder Menschen auf den Mond zu bringen. Eine bemannte Station auf unserem nächsten Nachbarn könnte als eine Art Sprungbrett für die erste bemannte Mars-Mission dienen, die Bush ehrgeizig für das Jahre 2037 angekündigt hatte. Der aktuelle US-Präsident Barack Obama lässt derzeit prüfen, ob dieses gigantische Vorhaben seine immensen Kosten überhaupt wert ist.

DPA/AFP / DPA