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Tests auf der ISS: Mit Fugenspritze und Spachtel im All

Auf der ISS haben sich zwei Astronauten als fliegende Handwerker versucht: Bei einem Außeneinsatz testeten sie Reparaturtechniken im Weltraum. Der Deutsche Thomas Reiter hatte eine weit unattraktivere Arbeit zu tun.

Zwei "Discovery"-Astronauten haben bei ihrem dritten und letzten Außeneinsatz innerhalb einer Woche erfolgreich Handwerkszeug wie Spachtel und Fugenspritze getestet. "Es klingt vielleicht wie ein Sprung in einer Schallplatte, aber wir hatten wieder einen sehr erfolgreichen Flugtag", sagte Flugdirektor Tony Ceccacci in Houston (Texas). Die beiden US-Astronauten Piers Sellers und Mike Fossum verließen am Mittwoch die Internationale Raumstation ISS für rund sieben Stunden, um im All Reparaturtechniken für mögliche Probleme bei künftigen Flügen auszuprobieren.

Nach neun anstrengenden Flugtagen können der deutsche Astronaut Thomas Reiter und die anderen acht Raumfahrer an Bord der Weltraumstation an diesem Donnerstag ausspannen. "Morgen haben sie ihren wohlverdienten Tag frei. Dann können sie aus dem Fenster blicken und einen Tag im All genießen", sagte Ceccacci.

Acht Hitzekacheln waren beschädigt

Der fliegende Handwerker Sellers verlor bei dem dritten Außenbordeinsatz einen Spachtel. "Das ist aber keine Gefahr", sagte Ceccacci. Die beiden Raumfahrer fanden in ihrem Handwerkkasten zwölf nebeneinander liegende Hitzekacheln, von denen acht bereits beschädigt waren. Zwei weitere Kacheln dienten als Arbeitspaletten. An den restlichen beiden Kacheln suchten Sellers und Fossum mit einer Infrarot-Kamera nach möglichen, für das Auge nicht sichtbaren Schäden. Mit Weltraum-Kitt und Klebstoff besserten die beiden Raumfahrer dann Risse und kleine Löcher in den Hitzekacheln aus.

Der Test von Reparaturtechniken im All gehört zu den Auflagen, die die Nasa nach dem tödlichen Unglück der Raumfähre "Columbia" am 1. Februar 2003 erfüllen muss. Damals hatte ein vom Außentank abgeplatztes Stück Isolierschaum ein Loch in den Hitzeschild der linken Flügelkante geschlagen. Dieses Loch war so groß, dass es auch mit dem am Mittwoch ausprobierten Handwerkskasten der "Discovery" nicht hätte repariert werden können. Die neuen Techniken sind vielmehr für kleinere Beschädigungen in Hitzekacheln gedacht.

Reiter als Müllmann im Einsatz

Der deutsche Astronaut Tomas Reiter war am Mittwoch weiter mit Packen beschäftigt. Unter anderem wird das Lastmodul Leonardo mit Müll und überflüssigem Material aus der Weltraumstation beladen. Die "Discovery" soll an diesem Samstag von der Weltraumstation abdocken und am Montag auf dem Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida landen.

Es ist der 115. Flug eines Shuttles. 18 davon führten zur ISS. Mit dem geplanten Start der Raumfähre "Atlantis" am 28. August will die Nasa dann wieder den regulieren Flugbetrieb zur Weltraumstation aufnehmen. Der Ausbau der ISS soll bis zum Jahr 2010 beendet sein.

DPA / DPA