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Kritik an Degradierung Pluto könnte wieder ein Planet werden: Neue Studie hinterfragt Begriffsgeschichte

Im Jahr 2006 verlor Pluto seinen Status als Planet 
Im Jahr 2006 verlor Pluto seinen Status als Planet 
© NASA/JHUAPL/SwRI
Im Jahr 2006 wurde Pluto vom Planeten zum Zwergplaneten degradiert. Die Diskussion um die Entscheidung ebbt bis heute nicht ab. Eine Gruppe an Forschenden will nun nachgewiesen haben, dass es sich hierbei um einen Fehler handelt.

Vor rund 15 Jahren wurde Pluto vom Planeten zum Zwergplaneten degradiert. Die Diskussion um die Entscheidung aus dem Jahr 2006 verstummt aber bis heute nicht. Eine Gruppe aus Forschenden hat nun eine Studie vorgelegt, in der sie die Begriffsdefinition des Worts "Planet" hinterfragt. Die Arbeit ist im Fachmagazin "Icarus" veröffentlicht worden. 

In ihrem Artikel üben die Wissenschaftler:innen Kritik an der Definition, die von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) herausgegeben wird. Sie sagen, die Wissenschaft habe über Jahre hinweg die Bedeutung des Begriffs "Planet" aus der Folklore und der Astrologie übernommen. Der Gedanke, dass Planeten eine kleine Gruppe von Objekten sind, die ein gemeinsames Zentrum umkreisen, basiere auf einer volkstümlichen Einschätzung. Die wahre Begriffsgeschichte sei vergessen.

Degradierung nach neuer Definition 

Pluto hatte als ehemals neunter Planet des Sonnensystems seinen Status im August 2006 verloren, als die IAU eine neue wissenschaftliche Definition des Begriffs angenommen hatte. Danach mussten Lexika und Lehrbücher umgeschrieben werden – denn unser Sonnensystem hatte plötzlich nur noch acht Planeten. Planetenwissenschaftler Philip Metzger treibt seitdem die Diskussion um die Begriffsgeschichte an. 

Denn laut der seitdem gültigen IAU-Definition ist ein Planet ein Himmelskörper, der die Sonne umkreist, gleichzeitig kein Mond ist, eine annähernd kugelförmige Gestalt hat und seine Umgebung von anderen Himmelskörpern freigeräumt hat. Diese Definition sei viel zu eng und beruhe primär auf einer unwissenschaftlichen Einstufung, so die Kritik. Der Analyse der Forschenden zufolge sei diese volkstümliche Sicht unter anderem davon motiviert gewesen, Elemente des vormals populären geozentrischen Weltbilds zu bewahren. 

Forschende haben 400 Jahre Literatur gewälzt 

Für die Studie haben die Forschenden in fünf Jahren Literatur der letzten 400 Jahre gewälzt. Sie stellten fest, dass eigentlich noch immer die von Galileo aufgestellte geophysikalische Definition eines Planeten richtig ist, obwohl diese Definition längst nicht mehr benutzt wird. 

Der Studie zufolge führte Galileo Galilei die im 16. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Literatur die geophysikalische Sicht auf Planeten ein. Sie galt bis in das 20. Jahrhundert. Von 1910 bis 1950 verzeichneten die Forschenden einen Rückgang an wissenschaftlichen Arbeiten in der Planetenforschung. Gleichzeitig kauften die Menschen in dieser Zeit vermehrt einen Almanach, eine jährlich erscheinende Publikation, die Informationen wie Wettervorhersagen enthält, die sich auf astrologische Faktoren wie die Position der Planeten stützen. Dafür sei eine geordnete und begrenzte Anzahl an Planeten erforderlich gewesen. 

Schlüsselperiode in der Geschichte 

"Dies war eine Schlüsselperiode in der Geschichte, als die Öffentlichkeit akzeptierte, dass die Erde die Sonne umkreist und nicht umgekehrt. Doch sie kombinierte diese große wissenschaftliche Erkenntnis mit einer Definition der Planeten, die aus der Astrologie stammt", erklärt Metzger gegenüber "UCF Today". Zu diesem Zeitpunkt schlichen sich astrologische Ansichten in die Köpfe der Menschen ein, wie beispielsweise die, dass Monde oder Satelliten keine Planeten sind, sagt Metzger.

"Dies mag wie eine kleine Änderung erscheinen, aber es untergrub die zentrale Idee über Planeten, die von Galilei überliefert worden war", so der Wissenschaftler. "Planeten wurden nicht mehr dadurch definiert, dass sie komplex sind, eine aktive Geologie aufweisen und das Potenzial für Leben und Zivilisation haben. Stattdessen wurden sie dadurch definiert, dass sie einfach existierten und bestimmten idealisierten Bahnen um die Sonne folgten", berichtet er weiter. 

Seit 1960er-Jahren gehen die Meinungen auseinander

Ab den 1960er-Jahren hat sich laut der Studie die Forschung wieder vermehrt auf Planeten konzentriert. Aber die Forschenden waren in ihrer Meinung gespalten: Während die eine Gruppe die von Galilei vorgeschlagene geophysikalische Definition benutzte, versuchten andere, Monde und kleinere Objekte zu degradieren und sie nicht als Planeten zu definieren. Die IAU habe letztere Auffassung übernommen.

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Die Expertinnen und Experten fordern also einmal mehr, die Entscheidung von 2006 zu überdenken. Sie wollen mit ihrer veröffentlichten Studie erreichen, dass man damit zu einer Planeten-Definition zurückkehrt, die über Jahrhunderte Bestand hatte.

Für Kinder zu kompliziert 

Kritiker sagen nun, dass sich unser Sonnensystem aber deutlich erweitern würde, wenn man jetzt auch andere Objekte, als Planet bezeichnen würde. Das sei aber nicht problematisch und könne ganz im Gegenteil das abgeebbte Interesse an der Entdeckung neuer Himmelskörper im Sonnensystem wieder entfachen, meint Metzger. Der Forscher ist überzeugt: Wenn sich Kinder Hunderte Dinosaurier- oder Pokémon-Namen merken können, ginge das mit viel mehr Planeten auch. 

Quellen:"UCF News", "Heise Online", Studie über "Science Direct"

yak

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