HOME

Vulkanglas-Analyse: Gibt es Feuchtgebiete auf dem Mond?

1971 brachten Astronauten Glasperlen vom Mond mit zur Erde. Im drei Milliarden Jahren alten Vulkanglas entdeckten Wissenschaftler Spuren von Wasser. Es stammt wahrscheinlich aus dem Inneren des Erdtrabanten. Muss die Theorie von der Entstehung des Mondes neu überdacht werden?

Bislang wurde eher auf dem Mars und anderen Monden Wasser vermutet

Bislang wurde eher auf dem Mars und anderen Monden Wasser vermutet

Bei der gewaltigen Kollision vor 4,5 Milliarden Jahren wurde der Mond geboren: Ein Planet von der Größe des Mars ist damals auf die Erde geprallt, hat riesige Stücke aus ihr herausgeschlagen und wurde selbst dabei zerstört. Seine Bruchstücke wurden zusammen mit dem Material aus der Erde in ihre Umlaufbahn geschleudert. Daraus bildete sich dann der Mond. Bisher nahmen Forscher an, dass dabei alle leichten und flüchtigen Elemente, wie zum Beispiel Wasserstoff, verdampften. Seitdem wurde eher auf dem Mars oder anderen Monden von Planeten nach Wasser gesucht.

Nun müssen Teile der Theorie des wasserlosen Erdenmonds neu überdacht werden, denn Forscher von der Brown-Universität in Providence entdeckten in Glasperlen Beweise für Wasser auf dem Himmelskörper. Es stammt wahrscheinlich aus der Tiefe des Himmelskörpers und gelangte durch vulkanische Aktivität an die Oberfläche. Die Forscher gehen davon aus, dass weiteres Wasser im Inneren und an den Polen des Mondes vorhanden ist. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Fachblatt "Nature".

Vulkanausbrüche ließen die Glaskugeln entstehen

Die Glasperlen waren 1971 von der Besatzung der Apollo-Mission eingesammelt und zur Erde gebracht worden. In Analysen der Perlen, entdeckten Wissenschaftler leichte Elemente wie Schwefel und Kohlenstoff. Mit Hilfe der Nano-Sekundärionen-Massenspektrometrie konnten die Wissenschaftler um Alberto Saal jetzt jedoch auch einen geringen Wassergehalt in den Glasperlen nachweisen. Bei dieser relativ neuen Analysemethode wird eine Probe mit geladenen Teilchen beschossen, was zur Freisetzung weiterer Teilchen führt, die dann mit hochempfindlichen Detektoren nachgewiesen werden können. So lassen sich selbst kleinste Mengen von Elementen in einer Probe bestimmen.

Entstanden waren die Kügelchen bei Vulkanausbrüchen vor mehr als drei Milliarden Jahren. Dabei verdampften wahrscheinlich etwa 95 Prozent des Wassers aus dem Magma. Aufgrund dieser Schätzung und des Wassergehalts in den Perlen berechneten die Forscher, dass das Gestein vor dem Ausbruch die Menge enthielt, den Geologen auch in altem Magma von der Erde nachgewiesen haben. "Das legt die sehr faszinierende Vermutung nahe, dass das Innere des Monds eben so viel Wasser enthält wie die oberen Gesteinsschichten der Erde", sagt Eric Hauri vom Carnegie-Institut für Wissenschaft in Washington, der auch selbst an der Studie beteiligt war.

Die Wissenschaftler haben zwei Hypothesen für das Vorkommen von Wasser auf dem Mond: Entweder verdampfte nicht alles Wasser während der Kollision, oder das Wasser kam weniger als 100 Millionen Jahre nach der Kollision durch Meteoriten auf den Himmelskörper. Ob sich vielleicht auch Spuren von Wasser nach den Vulkaneruptionen an den Mondpolen angesammelt haben, wo es in lichtlosen Kratern überdauert haben könnte, wollen Forscher der US-amerikanischen Weltraumbehörde Nasa demnächst mit der Lunar-Reconnaissance-Orbiter-Mission herausfinden.

DDP / DDP
Themen in diesem Artikel