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Weltraumreisen: Millionenteurer Urlaub ohne Dusche

Ein Ausflug ins All ist kein Erholungsurlaub, eine Raumstation kein Fünf-Sterne-Hotel. Nach dem Willen visionärer Architekten soll Weltraumurlaub komfortabler werden. Doch noch scheitert die Umsetzung der Ideen am Preis.

Gemütlich räkelt sich ein Weltraumtourist in seinem Bett. Ein Luftkissen hält ihn fest, so dass er auch ohne Erdanziehung kuschelig im Liegen schlafen kann. Nebenan in der Nasszelle duscht ein Astronaut im angenehmen Wasserdampf, ein anderer ist im Fitnessraum aktiv, um dem in der Schwerelosigkeit üblichen Muskelabbau vorzubeugen. Noch ist derartiger Komfort in der internationalen Raumfahrt unbekannt. Oder wie Astronaut Thomas Reiter jüngst von Bord der Internationalen Raumstation ISS verkündete: Die Arbeit "in der Enge" ist kein Zuckerschlecken.

Doch das könnte sich ändern. Nicht zuletzt dank der Touristen, die das All langsam für sich entdecken und für die Reisen tief in die Tasche greifen. Die Architekturstudenten an der Technischen Universität Darmstadt jedenfalls wollen diesen Trend nicht verschlafen. Sie haben Wohnmodule entworfen, die das Leben von Astronauten und Touristen im All angenehmer machen sollen.

Einzelzimmer ohne Dusche

"Das Szenario von Weltraumreisen mit Komfort ist zwar visionär, aber auch greifbar. In 30 Jahren könnte es Wirklichkeit werden", glaubt Marc Flick, Diplomingenieur für Architektur. Flick hat gemeinsam mit dem Architekturstudenten Paulo Gotta die Weltraumwohnung "Versatile Tank" ("Vielseitiger Behälter") entworfen, die vom 28. September an bei der Ausstellung "Abenteuer Raumfahrt" im Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit zu sehen sein wird.

Bislang verzichten Urlauber im All noch auf den gewohnten Standard, wie die Reise der Weltraumtouristin Anousheh Ansari zur ISS zeigt. Für das Abenteuer im All zahlte sie 20 Millionen US-Dollar (rund 16 Millionen Euro) und erfüllte sich einen Kindheitstraum. Dafür nahm sie Entbehrlichkeiten in Kauf - sieht man davon ab, dass ihr die fünf männlichen Crew-Mitglieder ein "Einzelzimmer" für die Nachtruhe gönnten. "Auf der ISS gibt es keine Duschen, nur feuchte Tücher. Für Weltraumtouristen scheint es sehr wichtig zu sein, genauso wie die Crew zu leben. Sie wollen ein Erlebnis, kein Hotelflair mit reichlich Luxus", sagt Markus Landgraf, Missionsanalytiker beim Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt.

Ein Rad mit acht Räumen

Die futuristische Weltraumwohnung "Versatile Tank" wurde in Form eines Rades für die Schwerelosigkeit entworfen. Sie hat acht Räume inklusive Fitnessraum, Bibliothek und Küche und einen Durchmesser von 7,20 Metern. Das Modell wird im Eingangsbereich des Museums an der Wand hängen und sich langsam drehen. Auf halber Höhe wurde eine Plattform für Besucher errichtet. "Sie sollen sich vorstellen können, selbst in der Wohnung zu sein", erklärt Flick. Seine Lehrbeauftragte Vera Martinez vom Fachbereich Entwerfen und Baugestaltung fügt hinzu: "Die langsame Bewegung soll Schwerelosigkeit vermitteln."

Jedes Kilogramm zusätzlich kostet Geld

Die Studenten sind optimistisch, nicht nur für das Museum zu arbeiten. "Heute steht bei der bemannten Raumfahrt allein die Technik im Vordergrund, nicht der der Mensch", sagt Gotta. Auf Dauer sei es nicht vorstellbar, dass Touristen genauso wie Astronauten vor den Reisen in die Galaxie monatelang ihre Fitness- und Ausdauer schulen. "Sie müssen es bequemer haben und sich ohne viel Training längere Zeit in der Schwerelosigkeit wohl fühlen können." Dazu könne die Architektur einen entscheidenden Beitrag leisten.

Bislang scheitern Visionen von komfortablen Raumsonden vor allem am Preis. "Jedes Kilogramm an Bord kostet zusätzliches Geld. Die Startkosten für die Trägerrakete steigen enorm", sagt Landgraf. Deshalb ist er sicher, dass die Astronauten auch in Zukunft auf Komfort verzichten müssen. Die Arbeiten der Studenten könnten dennoch wichtig sein. Der Physiker rechnet damit, dass die internationale Raumfahrt künftig Kolonien etwa auf dem Mond oder dem Mars errichten könnte, in denen Wissenschaftler mehrere Monate am Stück forschen. "Für sie und ihre Familien könnte eine komfortable Unterkunft durchaus wichtig werden."

Harald Schmidt/DPA/DPA