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Weltraumsonde kurz vor Ziel "Rosettas" sonniger Landeplatz auf Komet "Tschuri"


Seit einem Jahrzehnt ist Europas "Rosetta" im Weltall unterwegs. Jetzt rückt der Höhepunkt dieser einzigartigen Mission näher: Die Experten haben einen Platz für die Landung auf dem Kometen gefunden.

Auf der sonnigen Seite liegt der ideale Ort für das erste Rendezvous der Raumfahrtgeschichte mit einem Kometen. Die Stelle ist nicht besonders zerklüftet und bietet ein ungeahnt vielfältiges Terrain für die Forschung. Europa hat gewählt: Nun steht fest, wo das Landegerät der Raumsonde "Rosetta" auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" aufsetzen soll. Die Experten haben das Gelände, das von "Philae" untersucht werden soll, schlicht "J" genannt. Sollte die Mission weiterhin so erfolgreich sein wie bislang, steht der Europäischen Weltraumorganisation Esa ihr großer Tag im November bevor.

Der Zielort nahe dem "Kopf" des knubbeligen Kometen mit seinen vier Kilometern Durchmesser ist gut von der Sonne beleuchtet. Das ist wichtig, damit "Philae", bestückt mit wissenschaftlichen Instrumenten, immer wieder seine Batterien aufladen kann. Außerdem soll trotz einer täglichen Sonnenscheindauer von sieben Stunden auch erforscht und gemessen werden, was sich in der Nacht auf dem Kometen abspielt. "Es ist eine schöne und zugleich sehr aktive Welt", schwärmt der deutsche Projektleiter für "Philae", Stephan Ulamec.

Die Nahaufnahmen des Kometen vom Orbiter "Rosetta" lassen die Wissenschaftler eine spannende neue Welt erwarten. Denn Kometen sind regelrechte Schatztruhen, die Material aus der Zeit der Entstehung der Sonne und der Planeten bergen. Proteinbausteine könnten erhoffte Hinweise darauf liefern, wie Leben entstanden und was der Ursprung von Wasser ist. Außerdem soll untersucht werden, wo Gase und Staub aus dem Kometen austreten. Wasserstoff und Sauerstoff in seiner Atmosphäre hatte bereits das Messinstrument "Alice" von "Rosetta" aus nachgewiesen.

Landepunkt nur sehr unpräzise berechenbar

Vor der Landung geht man auf Nummer sicher. Zusätzlich zum idealen Zielort "J" suchten die Wissenschaftler noch einen Ersatzlandeplatz aus - falls "J" doch felsiger oder steiler sein sollte als bisher bekannt. "Das ist ja keine einfache Aufgabe, wir können nicht einfach irgendwo landen", erklärt Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Montag bei der Präsentation in Paris. Die Fotos des inzwischen prominenten Kometen zeigen Felsen sowie Verwerfungen und Abhänge. Aber es gibt auch etliche glatte Flächen.

Ganz präzise können die Wissenschaftler den Zielort vorab sowieso nicht kalkulieren. "Philae" muss selbstständig auf "Tschuri" landen, ein Steuerung von der Erde aus bräuchte zu lange. Den Flecken, auf dem sich die Begegnung der Erdenbewohner mit dem Kometen abspielt, kann man nur auf etwa einen halben Kilometer genau berechnen. Gefragt war also eine Region, "für die möglichst viele Landeszenarien ein gutes Ende nehmen", sagt der wissenschaftliche Leiter der Lande-Mission, Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen.

Ein wichtiger Schritt für das ferne Stelldichein ist getan. Der Zielort steht jetzt fest. Europas Kometen-Mission erwartet die Krönung - nach "Rosettas" rund zehnjähriger Reise durch das Weltall.

Von Hanns-Jochen Kaffsack, DPA DPA

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