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Wettlauf im Weltall: USA sind gelandet, aber China startet durch

Mit der erfolgreichen Marsmission haben die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle im All behauptet. Doch die Verfolger sind ihnen auf den Fersen, allen voran China.

Von Gernot Kramper

Mit der spektakulären Landung der Mars-Sonde "Curiosity" ist der Nasa ein Meilenstein bei der Erforschung des Nachbarplaneten der Erde gelungen. Und sie wirkte wie ein Aufputschmittel für die zuletzt so gebeutelte Raumfahrernation USA. Als "beispiellose Leistung der Technologie" feierte Präsident Barack Obama das geglückte Manöver: "Der Erfolg dieser Nacht erinnert uns daran, dass unsere Vormachtstellung - nicht nur im Weltraum, sondern auch hier auf der Erde - davon abhängt, dass wir weiterhin in Innovation, Technologie und Grundlagenforschung investieren."

Seit dem Zusammenbruch der UDSSR dominierten die USA unangefochten die Raumfahrt. Die europäischen Weltraumforschungen waren eng mit denen der USA verzahnt. Partnerschaft unter führender Rolle der USA hieß auch der Weg bei der Internationalen Raumstation ISS. Aber inzwischen gibt es zwei neue Entwicklungen im All, privat finanzierte Raumfahrt und der asiatische und dort vornehmlich chinesische Griff nach dem Weltall.

Die Raketen aus der freien Marktwirtschaft will die US-Regierung auch in Zukunft unter Kontrolle behalten. Die Bereitstellung eines Weltraumhafens in New Mexico und die Bedeutung der Nasa als größter Kunde sollen helfen, der Privatraumfahrt einen rechtlichen Rahmen nach US-Maßgabe aufzuerlegen.

China scheut keine Kosten

Ganz anders sieht es bei den Anstrengungen der asiatischen Staaten aus. China zeigt keinerlei Interesse, sein Weltraumprogramm in Kooperationen einzubinden und damit internationaler Kontrolle auszusetzen. Im Gegenteil: Arbeits- oder Kostenteilung - lebenswichtig für die europäischen Staaten - spielen für Chinas Führung keine Rolle.

Chinas Weltraumprogramm ist ein Soloprojekt, das der eigenen Bevölkerung und der Welt beweisen soll, wozu das Reich der Mitte unter Führung der KP fähig ist. Damit ist es durchaus dem Apollo-Programm der Amerikaner verwandt, das nicht zuletzt die wiedergewonnen Überlegenheit der USA demonstrieren sollte. Nachdem die UDSSR mit dem Start des Sputniks 1957 im Weltraumrennen vorne lag.

Bewusst hat die chinesische Regierung den Weg der bemannten Raumfahrt gewählt. Ein Projekt, das viel Renommee verspricht, aus wissenschaftlicher Sicht aber stets die höchsten Kosten mit der geringsten Ausbeute an Erkenntnis kombiniert. Bei einer Marsexpedition etwa müsste ein ungleich höherer Aufwand als bei der unbemannten "Curiosity"-Mission betrieben werden, um die menschliche Besatzung am Leben zu halten.

Rasante Aufholjagd

Doch soweit sind die Chinesen noch lange nicht. Technisch bewegt sich ihr irgendwo zwischen den 60er und den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Immerhin schon sechs Taikonauten - so heißen die chinesischen Astronauten - waren im Weltall. Die ersten Module einer eigenen Raumstation, dem Himmelspalast, sind inzwischen erprobt, in der Umlaufbahn und bemannt. Am Ende des Programms soll die Indienststellung der Station und ein bemannter Flug zum Mond stehen. In etwa zehn Jahren soll es soweit sein.

"Ja, und?", könnte man fragen. Dann hätte China einen Stand erreicht, wie die USA bei der ersten Mondlandung im Jahr 1969. Und auch der Himmelspalast ist mit rund 60 Tonnen eine ziemlich kleine Hütte im Vergleich zu den 400 Tonnen der ISS - der Unterschied ist aber: Die ISS konnte es nur gegeben, weil alle beteiligten Nationen ihre wissenschaftlichen und finanziellen Kapazitäten zusammengelegt haben, der Himmelspalast ist ein rein chinesisches Projekt.

China ist erst seit wenigen Jahren in der Weltraumforschung aktiv und legt seitdem ein atemraubendes Tempo vor. Die geplante Landung auf dem Mond wird daher nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Dann hätte China die technische Aufholjagd abgeschlossen und wäre in der Lage, die USA direkt herauszufordern.

Militärische Schlüsseltechnologie

Chinas Nachbarn sind mobilisiert, schließlich droht auch die militärische Nutzung der Weltraumforschung. Das chinesische Programm untersteht der "Generalabteilung für Bewaffnung" der Volksbefreiungsarmee. Dass China hier ähnliche Ziele wie die USA verfolgt, zeigte sich schon 2007, als die Chinesen einen alten Wettersatelliten mit einer Rakete abschossen. Im Jahre 2020 soll das chinesische System zur Satellitengestützten Navigation (Beidu) die Leistungsfähigkeit des US-Konkurrenten GPS erreicht haben. Neben den zahllosen zivilen Anwendungen ist ein GPS-System zur modernen Kriegsführung unerlässlich. Mit ihm könnten ballistische Raketen auch bewegliche Ziele wie einen Flugzeugträger angreifen.

Diese Fortschritte Chinas setzen Nachbarn wie Indien unter Druck, ebenfalls Erfolge in Sachen Weltall- und Raketenforschung vorzuweisen. Noch in diesem Jahr ist Indiens zweite Flug zum Mond geplant, dieses Mal soll ein Rover auf die Oberfläche des Trabanten gebracht werden. Möglich ist dies, weil die Kosten von Weltraumprogrammen gesunken sind, seitdem die Technik nicht komplett neu entwickelt werden muss. Von einer partnerschaftlichen Entwicklung im Weltall und einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur wie in Europa sind die asiatischen Staaten mit ihren Rivalitäten und offenen territorialen Ansprüchen weit entfernt.

Ein Programm, das mit dem chinesischen Kraftakt im Weltall vergleichbar wäre, können aber weder Indien noch Japan auflegen. Derzeit wären nur die USA in der Lage, die chinesischen Anstrengungen zu konterkarieren. Aber ob die USA sich auf einen neuen, kostspieligen Wettlauf im Weltall einlassen wollen, ist nicht abzusehen. Die Obama-Regierung zeigte sich bislang eher zurückhaltend bei der Genehmigung neuer, teurer Weltraumprojekte.

Im Moment belassen es die USA bei Drohgebärden. Anfang des Jahres berichtete die BBC, dass der geheimnisvolle militärische US-Weltraumtransporter X-37B bei seiner letzten Mission eine Umlaufbahn eingeschlagen habe, die ihn in Spionagenähe zur chinesischen Weltraumstation gebracht hätte.