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Prähistorische Kunst Lecker seit 45.000 Jahren: Ältestes Gemälde der Welt zeigt ein Schwein

Dieses Schwein ist komplett erhalten, von den anderen Tieren der Komposition haben nur Fragmente die Zeit überdauert.
Dieses Schwein ist komplett erhalten, von den anderen Tieren der Komposition haben nur Fragmente die Zeit überdauert.
© PR
Die Höhlenmenschen bannten mit Zeichnung gern das Mittagsessen an die Wand. Nun ist eine realistische Darstellung eines Wildschweins mit allem Details aufgetaucht. Es ist das älteste bekannte Werk eines prähistorischen Künstlers.

Schon vor vier Jahren entdeckten Wissenschaftler das violette Schwein in einer Höhle in Hochland der indonesischen Insel Sulawesi. Nun wurde es datiert, es soll vor 45.500 Jahren gemalt worden sein. Es ist damit das älteste figurative Kunstwerk, das ein Wesen der realen Welt abbildet und mehr ist als ein Muster oder Ornament.

Schwein wird heute noch gejagt

Die Erkenntnisse wurden in "Science Advances" veröffentlicht. Die Wissenschaftler schreiben, dass sie nicht annehmen, dass das Werk einzigartig ist. In den letzten Jahren wurde in den Kalkstein-Karsthöhlen von Sulawesi eine ganze Fülle von prähistorischer Kunst entdeckt. (Lesen Sie: "Unbekannte Verwandte aus der Vergangenheit - das Denisova-Mädchen") Es gibt dort Hunderte von Höhlen, in ihnen wurden zahlreiche Bilder gefunden, die einen intimen Einblick in die verschwundene Welt der prähistorischen Menschheit geben. Für die damaligen Maler waren Tiere das beliebteste Motiv. Das Sulawesi-Warzenschwein lässt sich an den stacheligen Kopfkämmen und Schnauzenwarzen erkennen, es taucht in mehr als 80 Prozent der bekannten Tierdarstellungen dort auf.

"Das sind kleine einheimische Schweine, die immer noch auf der Insel vorkommen, wenn auch in immer geringerer Zahl", sagt Co-Autor Adam Brumm, ein Archäologe an der Griffith University in Queensland, Australien. Brumm fügt hinzu, dass archäologische Ausgrabungen auch zeigen, dass diese Schweine über Zehntausende von Jahren hinweg die am häufigsten gejagte Tierart in diesem Gebiet waren.

Die fast vollständig erhaltene Schweinezeichnung befindet sich an der Rückwand einer Höhle. In der Nähe sind mehrere andere Schweine zu sehen. Die anderen Zeichnungen sind allerdings nur unvollständig erhalten. "Die Anordnung der Figuren deutet unserer Ansicht nach auf eine narrative Komposition oder Szene im modernen westlichen Sinne hin", so die Studie.

Komplizierte Datierung

Die Malereien wurden aus gemahlenem Ocker hergestellt, das sich mit der üblichen Carbon-Methode nicht datieren lässt. Brumm benutzte eine Technik zur Altersbestimmung von Mineralablagerungen, die aus dem herab sickernden Wasser entstehen. Diese Kalzitkrusten sind auch als "Höhlenpopcorn" bekannt. In den Krusten befindet sich Uran, das wiederum zu Thorium zerfällt. Mit dieser Uranreihenanalyse konnte das Schwein datiert werden.

Bis vor Kurzem glaubten Archäologen, dass figurative Kunst zuerst in Europa auftauchte. Die ältesten bekannten Beispiele stammen aus den beeindruckenden Sammlungen in der spanischen El-Castillo-Höhle und der französischen Chauvet-Höhle, wo vor 30.000 bis 40.000 Jahren Löwen und Mammuts gemalt wurden.

Wie bei allen Funden dieser Art sind Verallgemeinerungen problematisch. Wenn eine Höhle entdeckt wurde, sagt der Fund nichts darüber aus, ob diese Techniken nicht auch andernorts verwandt wurden, aber einfach die lange Zeit nicht überdauert haben.

Quelle: Science Advances

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