HOME

Nasa-Entdeckung: Mars-Satellit findet Hinweise auf flüssiges Wasser

Flüssiges Wasser auf einem anderen Planeten - das wäre ein echter Hinweis auf existierendes außerirdisches Leben. Ein Mars-Satellit soll nun entsprechende Hinweise gefunden haben. Ein direkter Beleg fehlt aber weiterhin.

Falschfarbenaufnahme von Hängen des Hale Kraters auf dem Mars mit Fließstrukturen, die auf Wasser schließen lassen

Bis zu 100 Meter lang sind die Streifen an den Hängen des Hale Kraters auf dem Mars. Nachgewiesene Salzhydrate deuten darauf hin, dass die Streifen von zumindest zeitweise fließendem Wasser gebildet werden.

Um die eigenen, sündhaft teuren Unternehmungen zu rechtfertigen, präsentiert die Nasa Forschungsergebnisse gerne mit mächtigem Tamtam. So verkünden die Oberen der US-Raumfahrtbehörde nach eigenem Bekunden an diesem Montag nicht weniger als "die Lösung eines Mars-Rätsels" (17.30 Uhr/live im Nasa-TV). Dabei geht es um Hinweise darauf, dass es auf dem Roten Planeten auch heute noch flüssiges Wasser gibt. Keine Frage, das wäre in dieser Eindeutigkeit eine Sensation, gilt doch die Existenz des auf der Erde reichlich vorhandenen Nasses auf einem anderen Planeten als klarer Hinweis darauf, dass außerirdisches Leben existiert. Allein: Der direkte Nachweis, dass auf dem Mars Wasser fließt, steht auch nach der jüngsten Entdeckung immer noch aus. Eine heiße Spur auf "grüne Männchen" ist das (noch) nicht.

Dennoch: Neue Analysen von Messdaten des "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO), der unseren äußeren Nachbarplaneten seit gut neun Jahren umkreist und scannt, deuten darauf hin, dass salziges Schmelzwasser im Marssommer regelmäßig so manchen Steilhang hinabfließt. Die entsprechende Studie hat ein Forscherteam um Lujendra Ojha vom Georgia Institute of Technology in Atlanta/Georgia im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlicht. Auch ohne direkten Nachweis sind die jüngsten Analysen der bisher beste Beleg, dass Wasser zumindest zeitweise immer noch in flüssiger Form auf dem Mars vorkommt.

Strukturen auf dem Mars, die aussehen, als wäre Wasser einen Hang heruntergeflossen

Hier ist Wasser einen Hang heruntergeflossen - und tut es noch. Da ist sicher die Nasa sicher


Auffällige Strukturen schon lange im Blick

Entscheidend an der Entdeckung ist, dass sich flüssiges Nass auch heute noch nachweisen lassen soll. Denn dass es auf dem Mars einmal Wasser gegeben hat, ist längst unstrittig. Den Beleg dafür lieferte der Mars Rover Opportunity schon 2004. Neben zahlreichen Hinweisen auf ausgetrocknete Gewässer waren zudem diverse Wassereisvorkommen entdeckt worden.

Für die aktuelle Entdeckung hatten die Forscher aus Atlanta auffällige Fließstrukturen untersucht, die sich im Sommer regelmäßig an Steilhängen auf dem Mars formen. Die in der Regel nur wenige Meter schmalen Strukturen entstehen, wenn die Temperaturen an den Hängen über rund minus 20 Grad Celsius klettern und regelmäßig auch den Gefrierpunkt übersteigen. Schon seit der Entdeckung dieser Fließstrukturen spekulieren Forscher, dass sie von flüssigem Wasser stammen könnten, dessen Gefrierpunkt und Verdunstung durch Salze erheblich herabgesetzt wurde. Dieses Wasser könnte von Eis abschmelzen, das unter dem Marsboden vermutet wird, oder von den Salzen aus der dünnen Marsluft gebunden werden.

Eine Darstellung des Nasa-Satelliten Mars Reconnaissance Orbiter über der Mars-Oberfläche

Daten des Erkundungssatelliten "Mars Reconnaissance Orbiter" bildeten die Grundlage für die Analyse, die auf das Vorhandensein von flüssigem Wasser während des Marssommers schließen lässt. Hinweise auf Wasser zu suchen, gehört zu den Missionszielen der MRO, der seit März 2006 den Mars umrundet.


Mehrfache Hinweise auf eine Salzlauge

Die Signatur von Wasser oder Salzen ließ sich an den Fließstrukturen in den bisherigen Messdaten allerdings nicht finden. Die Ortsauflösung des sogenannten Spektrometers, mit dem die Sonde die chemische Zusammensetzung des Marsbodens untersucht, ist dafür nicht fein genug. Es kann maximal etwa 18 Meter große Bereiche pro Bildpunkt (Pixel) unterscheiden, und für die Auswertung müssen normalerweise die Werte von mehreren Pixeln kombiniert werden. Für die neue Analyse entwickelten die Forscher ein Verfahren, mit dem sich einzelne Pixel des Spektrometers auswerten lassen.

Tatsächlich zeigte sich in sorgfältig ausgewählten Pixeln, die zum Großteil von Fließstrukturen ausgefüllt werden, die Signatur typischer Salzhydrate. In der Umgebung fanden sich diese Signaturen dagegen nicht. Diese Beobachtung machten die Forscher bei Fließstrukturen an vier verschiedenen Orten auf dem Mars. Das lege sehr nahe, dass die Fließstrukturen von einer Salzlauge geformt würden, heißt es in "Nature Geoscience".

dho/mit AFP
Themen in diesem Artikel