VG-Wort Pixel

Rover "Perseverance" Nasa-Video: So hat man eine Mars-Landung noch nie gesehen


Die Nasa hat ein Video von der Landesequenz des Mars-Rovers "Perseverance" veröffentlicht. Dank zahlloser Kameras an Bord konnte die Landung in bisher nicht gekannter Weise eingefangen werden. Ein beeindruckendes Dokument.

Der US-Rover "Perseverance" hat erste Videos von seiner Landung und Audio-Aufnahmen vom Mars zur Erde geschickt. Solche Video- und Ton-Aufnahmen habe es noch nie zuvor gegeben, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa während einer Pressekonferenz mit. "Diese Videos sind unglaublich", sagte Nasa-Manager Mike Watkins. "Wir alle haben sie über das Wochenende viele, viele Male angeschaut."

Die Videos zeigen die letzten rund elf Kilometer der Strecke von "Perseverance" (übersetzt: "Ausdauer" oder "Durchhaltevermögen"). Darauf ist beispielsweise zu sehen wie der Fallschirm aufgeht. Auch die Oberfläche, auf der der Rover landet, ist sichtbar. Die Mikrofone an Bord des Rovers hätten keine brauchbaren Daten von der Landung gesendet – aber später die ersten jemals empfangenen Tonaufnahmen von der Oberfläche des Mars geschickt, hieß es. Auf ihnen ist unter anderem etwas zu hören, was wie eine Windböe klingt. Auch neue Fotos wurden veröffentlicht.

Mars-Landung: Das ist auf dem Video zu sehen

Die Szenen sind gegengeschnitten mit den Anweisungen aus dem Nasa-Kontrollraum in Pasadena, Kalifornien. Die unterschiedlichen Perspektiven kommen zustande, weil sich Kameras sowohl auf dem Landemodel, das am Ende den Rover freigibt, als auch auf dem Rover selbst befinden. Am unteren Rand sind die Stadien der Landesequenz mit Symbolen dargestellt. Dazu hört man die Kommentare der Flugleitung und den Applaus bei den einzelnen gelungen Manövern.

Es beginnt mit Aufnahmen, die das Aufgehen des Bremsfallschirms zeigen. Schon das hat man bisher noch nie sehen können. Dann ist zu sehen, wie der Hitzeschild abgesprengt wird und die Sicht auf die rote Marsoberfläche freigibt. Der Hitzeschild sinkt weiter ab. Das geschieht in etwa 9,5 Kilometern Höhe. In der Folge nähern sich Lander und Rover der Oberfläche. Einzelheiten werden deutlicher, das Landeradar tastet den Boden bereits ab.

Vier Sequenzen aus dem Video der Landung von Mars-Rover Perseverance
Vier Sequenzen aus dem Lande-Video: der geöffnete Bremsfallschirm (oben, li.), Rover Perseverance nähert sich der Oberfläche (oben, re.), Blick auf das Landemodul vom Rover aus (unten, li.), der von Bremsraketen aufgewirbelte Marsstaub (unten, re.)
© Nasa / JPL-Caltech / DPA

Ein kleiner Lichtblitz markiert den Moment, in dem der Fallschirm abgesprengt und das Landemodul mit dem Rover zum Aufsetzen ansetzt. Die Oberfläche kommt schnell näher, dann wird Marsstaub aufgewirbelt – eine Folge der Bremsraketen des Landers. Der dreigeteilte Bildschirm danach zeigt das Landemodul (vom Rover aus), das sich nach oben entfernt, den Rover (vom Lander aus), der – noch befestigt am Landemodul – Richtung Oberfläche sinkt und den an der Oberfläche aufgewirbelten Staub. Schließlich geht alles im Staub unter, man erhascht noch einen Blick auf den Lander, der sich in der Staubwolke entfernt – und aus dem Nasa-Kontrollraum kommt die Bestätigung: "Touchdown confirmed!"

Drohne "Ingenuity" hat Landung heil überstanden

Zuvor hatte bereits der kleine Hubschrauber "Ingenuity", der sich an Bord des Rovers befindet, seinen ersten Statusreport an das Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena gefunkt – und er scheint den Nasa-Experten zufolge "bestens zu funktionieren". Noch ist "Ingenuity" (übersetzt: "Einfallsreichtum" oder "Genialität") an der Unterseite von "Perseverance" befestigt. Aber in 30 bis 60 Tagen soll der Helikopter den Mars aus der Vogelperspektive erkunden. Es wäre der erste Flug eines Luftfahrzeugs über einen anderen Planeten.

Der Rover "Perseverance", rund 1000 Kilogramm schwer und so groß wie ein Kleinwagen, setzte am vergangenen Donnerstag – nach 203 Flugtagen und 472 Millionen zurückgelegten Kilometern – mit einem riskanten Manöver in einem ausgetrockneten See auf, der als Jezero Krater bezeichnet wird. Diesen See mit einem Durchmesser von etwa 45 Kilometern soll das rollende Labor in den kommenden zwei Jahren untersuchen.

Entwicklung und Bau des rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) teuren Rovers hatten acht Jahre gedauert. Er soll auf dem Mars nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens fahnden sowie das Klima und die Geologie des Planeten erforschen.

dho DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker