"Depressionsbarometer" Deutsche (Ver-)Stimmungen


Mit einem "Depressionsbarometer" im Internet wollen Wissenschaftler bis Mitte November die Stimmung und Gemütslage in Deutschland messen. Nach den bisherigen Ergebnissen waren die Deutschen Ende Juni besonders mies drauf.

Ende Juni - politisch war das die Zeit vor der Vertrauensfrage im Bundestag – haben Wissenschaftler der Uni Witten-Herdecke mit ihrem "Depressionsbarometer" besonders miese Laune bei den Deutschen gemessen. Beste Laune zeigte das Barometer dagegen Ende Mai an - da wurde Angela Merkel (CDU) zur Kanzlerkandidatin gekürt.

Sieben Fragen sind zu beantworten

Die Barometer-Idee stammt aus der privaten Universität Witten- Herdecke. Dort störten sich Professorern der Psychologie und Wirtschaftswissenschaften am Schlechtreden des Standorts Deutschlands. "Deutschland ist überhaupt nicht so depressiv, wie wir vielleicht denken mögen", sagte Projektleiterin Katrin Glatzel am Dienstag in Berlin. Andererseits fühlten sich die Deutschen so schlecht wie noch nie seit der Nachkriegszeit.

Das Depressionsbarometer soll nun Aufklärung schaffen. Es basiere auf seriösen wissenschaftlichen Methoden, agiere aber auch bewusst an der Grenze zur Kunstaktion, ergänzte Glatzel. Die Psychologie-Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten unter anderem: "Ich blicke mit Freude in die Zukunft" oder "Ich kann mich an einem guten Buch freuen". Einen solchen Fragen-Katalog legten auch Psychologen ihren Patienten vor, berichtete die Projektleiterin.

Ergebnisse nicht repräsentativ

Bisher haben sich rund 1700 Internet-Surfer auf Depressionen testen lassen. "Diese Ergebnisse sind aber nicht repräsentativ", schränkte Kartin Glatzel. Im Sommer soll es deshalb noch eine zusätzliche Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts geben. Mitte November wollen die Organisatoren die Ergebnisse ihrer Kampagne dann in Berlin präsentieren

Zur Zeit steht der Fühler des Depressionsbarometers bei Tageswerten um die 6 Punkte. Erreicht die Skala einen Wert von über 7 Punkte, bestehe der Verdacht auf eine Depression, heißt es in der Internet-Gebrauchsanweisung. Die Skala läuft bis zu einem Wert von 21. Die Erfinder des Barometers deuten Zwischenergebnisse aber nicht politisch, sondern eher profan: Am 23. Juni erreichte das Depressionsbarometer mit einem Mittelwert von 4,4 beispielsweise einen sehr niedrigen Stand. An diesem Tag, so die Erklärung im Internet, herrschte in ganz Deutschland schönes Wetter.

DPA


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