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Ältestes Mordopfer entdeckt: Schon die Neandertaler schlugen sich die Köpfe ein

Tatort: Höhle. Tatwaffe: Stein. Tatzeitpunkt: Vor 430.000 Jahren. Mit einem doppelt gespaltenen Schädel wurde der älteste Protagonist der Krimigeschichte gefunden. Die Forscher glauben, es war Mord.

Die Verletzungen des 430.000 Jahre alten Schädels könnten auf einen der ersten Morde in der menschlichen Geschichte hindeuten.

Die Verletzungen des 430.000 Jahre alten Schädels könnten auf einen der ersten Morde in der menschlichen Geschichte hindeuten.

In einer Höhle in Nordspanien wollen Wissenschaftler das älteste bekannte Mordopfer der Menschheitsgeschichte entdeckt haben. Eine Attacke durch einen anderen Menschen sei "die plausibelste Erklärung" für die Art der Schädelverletzungen, schreibt das Team um Nohemi Sala vom Zentrum für Evolution und Verhaltensforschung in Madrid im Fachmagazin "PLOS ONE".

Das Opfer starb vor 430.000 Jahren. Der Schädel des Urmenschen, der zu den Neandertalern gehörte, wurde in Sima de los Huesos gefunden. Das ist eine archäologische Fundstätte in einem unterirdischen Höhlensystem. Die Höhle ist nur durch einen 13 Meter tiefen, senkrecht nach unten führenden Schacht zu erreichen. Dort fanden Archäologen menschliche Knochen, die mindestens 28 Individuen der Gattung Homo im mittleren Pleistozän zugeordnet wurden.

Der Mörder war vermutlich Rechtshänder

Der Schädel von "Cranium 17" konnte fast vollständig zusammengesetzt werden. Er weist zwei tiefe Frakturen an der Stirn auf, die nach Einschätzung der Wissenschaftler vom selben Gegenstand verursacht und vor dem Tode zugefügt wurden. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Verletzungen von einem Sturz oder einem Steinschlag stammen. Den Mann müsste zweimal dasselbe Objekt getroffen haben.

Wäre sein Schädel nach dem Tod verletzt worden - zum Beispiel durch Kannibalismus -, müsste man Spuren von Schnitten sehen. Hätte er die Verletzungen überlebt und wäre später an etwas anderem gestorben, sähe man den Heilungsprozess, schreiben die Forscher.

"Die Verletzungen scheinen von einem Werkzeug mit standardisierter Größe und Form verursacht worden zu sein." Würde ein Rechtshänder einen gegenüberstehenden Menschen mit einer Waffe angreifen, träfe er wohl genau die Stelle über der linken Augenbraue wie bei "Cranium 17". "Daher ist die plausibelste Erklärung für die Verletzungen vor dem Tode ein absichtlicher und wiederholter Schlag während einer tödlichen zwischenmenschlichen Auseinandersetzung", heißt es im Fazit der Studie.

Morden ist ein uraltes menschliches Verhalten

"Das ist der früheste bekannte klare Fall von absichtlicher tödlicher Aggression, den man anhand von Urmenschen-Knochen rekonstruieren konnte. Und er zeigt, dass das uraltes menschliches Verhalten ist."

Bisher gab es den Angaben zufolge nur einen Fund aus dieser Zeit, der als mögliches Mordopfer eingestuft wurde. "Shanidar 3 Neandertal" hatte schwere Verletzungen über der neunten Rippe. Aber dieser Fall war nicht so eindeutig: Der Mann starb erst Wochen später - daher war nicht sicher, ob der Angriff unmittelbar zum Tode führte. Zudem kommt als Ursache auch ein Jagdunfall infrage.

Vielleicht haben die Forscher mit dem Urzeit-Mord auch das Rätsel der Fundstelle Sima des los Huesos gelöst. Bisher gab es verschiedene Theorien, wozu die Höhle diente. Jetzt schlussfolgern die Forscher: Die einzige Möglichkeit, wie Tote dort hineinkommen konnten, sei, dass die Leichen durch den Schacht geworfen wurden. Es handelt sich demnach also vermutlich um eine Art Friedhof.

mh/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?