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Archäologie: Menschen zündelten früher als gedacht

Bereits vor mindestens 70.000 Jahren setzten Menschen das Feuer ein, um gezielt Werkzeuge herzustellen. Fundstücke in afrikanischen Höhlen zeigen, dass unsere Vorfahren das Feuer früher beherrschten als bislang angenommen.

Menschen haben sich schon vor ungefähr 72.000 Jahren das Feuer als Werkzeug nutzbar gemacht. Darauf deuten Funde von Steinwerkzeugen hin, die eindeutig durch Hitze verändert wurden. Wissenschaftler gruben die Beweisstücke in den Pinnacle-Point-Höhlen am südlichen Zipfel Afrikas aus. Da die Werkzeuge systematisch hergestellt wurden, vermutet das internationale Forscherteam um Kyle Brown von der Universität in Kapstadt, dass der Gebrauch von Feuer sogar einige 10.000 Jahre älter sein könnte als die steinernen Zeitzeugen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Vom Stein zum Werkzeug

In der natürlichen Felsformation der Pinnacle-Point-Höhlen nahe der Stadt Mosselbaai in Südafrika hatten Forscher bereits 100.000 Jahre alte Belege dafür entdeckt, dass die dort lebenden Menschen Meeresfrüchte konsumierten und Pigmente einsetzten, um Objekte zu färben. Bis zur genauen Untersuchung der Höhlen hatten Wissenschaftler angenommen, dass der Mensch erst viel später solche Fertigkeiten erlangte. Dasselbe gilt für den ersten Gebrauch von Feuer. Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Menschen in Europa erst im Jungpaläolithikum vor etwa 25.000 bis 30.000 Jahren damit begonnen haben.

Nach den neuen Erkenntnissen der Forscher beherrscht die Gattung Homo das Feuer aber schon viel länger. Möglicherweise handelt es sich bei den Höhlenbewohnern von Pinnacle-Point sogar um jene Linie, die später bis nach Europa gelangte und die Neandertaler verdrängte. Danach waren sie in der Lage, Steine einen relativ komplizierten Prozess durchlaufen zu lassen, an dessen Ende primitive Werkzeuge standen. Durch die Hitze gelang es ihnen, das harte Silikatgestein überhaupt erst zu bearbeiten. Dies testeten die Wissenschaftler im Selbstversuch: Sie veränderten das Gestein so lange mit primitiven Methoden, bis es den ausgegrabenen Stücken glich.

Die Region im heutigen Südafrika scheint mit den auffällig großen kognitiven Leistungen der Menschen vor 100.000 bis 200.000 Jahren ein Zentrum der Entwicklung von Homo sapiens gewesen zu sein, so die Vermutung der Forscher. Mit der menschlichen Denkfähigkeit müsse damals sogar etwas ganz Entscheidendes geschehen sein, mutmaßt Mitautor Curtis Marean.

DDP / DDP