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Gefühlsblindheit: Glück? Trauer? Wut? Nix verstehen!

Er konnte sie nie in den Arm nehmen, seine Frau nannte ihn "eiskaltes Monster" - heute weiß Frank Hauser, dass er an Alexithymie leidet. Die ist nicht selten: Schätzungsweise jeder Zehnte leidet unter Gefühlsblindheit. Ursachen und Heilungschancen des Phänomens.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Sie nahm eine Vase und zertrümmerte sie an der Wand. Daran kann Frank, rotblonde Locken, hagere Statur, sich noch erinnern. Auch daran, dass sie ihn einen "groben Klotz" nannte und "eiskaltes Monster." Dann packte sie ihre Kleider, warf sie in ihren Koffer und knallte die Tür hinter sich zu. "Ich dachte nur: Das ist kein gutes Benehmen, so mit der Tür zu knallen", erzählt Frank. Mehr ging ihm nicht durch den Kopf, als seine Frau - "meine große Liebe"- ihn vor zwei Jahren verließ. Er weinte nicht, er war weder verzweifelt noch wütend. Kein einziges Gefühl regte sich in ihm. Nur der Magen knurrte. Also schlurfte Frank in die Küche, schmierte sich ein Brot mit Butter und belegte es mit Wurstscheiben und Gurken.

Heute geht Frank Hauser (Name geändert) zwei Mal in der Woche zur Psychotherapie. Der 37-jährige Münchner will endlich einen Zugang zu seinen Gefühlen finden. Das Aus seiner Ehe hat ihn wach gerüttelt. Er will wissen, wie Traurigkeit sich anfühlt und was es bedeutet, Freude zu spüren. Denn selbst wenn sein Lieblingsfußballverein gewinnt oder wenn er, wie neulich, in seiner Firma befördert wird - er empfindet nichts dabei. Frank gehört zu den zehn Prozent der deutschen Bevölkerung die unter Gefühlsblindheit leiden. Betroffen sind überwiegend Männer. Die amerikanischen Psychiater Peter Sifneos und John Nemiah prägten im Jahr 1973 den Begriff Alexithymie. Eine Zusammensetzung aus den griechischen Wortteilen a, lexis und thymos: "kein Wort für Gefühl".

Schwere seelische Traumata

"Alexithymie ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal", sagt Professor Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Warum Alexithyme unfähig sind, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen und angemessen zu reagieren, hat verschiedene Ursachen. "Alexithymie tritt unter anderem in Verbindung mit schweren seelischen Traumata auf", erklärt Gündel. "Um nach einem schrecklichen Erlebnis nicht von starken Gefühlen überschwemmt zu werden, werden die Gefühle runtergedreht. Eine Art Schutzmechanismus." Bei Soldaten beispielsweise wird nach Kriegseinsätzen oft eine vorübergehende Gefühlsblindheit festgestellt. Ist das Trauma überwunden, kann sich eine Gefühlsblindheit jedoch wieder etwas zurückentwickeln. Oft entsteht Alexithymie auch bei Menschen, die als Kinder nie gelernt haben, mit Gefühlen zurechtzukommen. Etwa weil man in der Familie nie darüber gesprochen hat oder weil die Eltern nicht in der Lage waren, ihre Gefühle zu zeigen.

Frank Hauser hat in der Psychotherapie zum ersten Mal über den Tod seines Vaters und seines jüngeren Bruders gesprochen. Damals war er fünf Jahre alt, der Bauernhof, auf dem die Familie lebte, war mitten in der Nacht in Flammen aufgegangen. "Wir rannten um unser Leben", sagt Frank, der in einem Tonfall spricht, als handle es sich darum zu beschreiben, wie man einen DVD-Player bedient. Doch der Vater, der seinen jüngsten Sohn aus dem Kinderbettchen holen wollte, schaffte es nicht rechtzeitig. Der schmerzhafte Verlust wurde in der Familie totgeschwiegen. "Mutter funktionierte wie eine Maschine", erinnert sich Frank Hauser. Nie konnte sich Frank in ihre Arme flüchten, um sich trösten zu lassen. "Auch ich musste funktionieren."

Gefühlsblindheit fällt oft nicht auf

Alexithyme nutzen Ausweichmanöver, um nicht über Gefühle sprechen zu müssen. So neigen sie beispielsweise zu ausufernden Fachsimpeleien. Das Umschiffen glückt meistens sehr gut: Alexithyme fallen in der Regel kaum auf. "Sie merken ja meist selbst, dass irgendetwas nicht mit ihnen in Ordnung ist", sagt Harald Gündel. "Und passen sich an, um den Erwartungen der anderen gerecht zu werden." Doch weil sie im Unterbewussten ständig damit beschäftigt sind, sich an die Umwelt anzupassen, stehen alexithyme Menschen unter Dauerstress. "Die ständige Anspannung kann irgendwann zu Folgeerkrankungen führen, die oft chronisch sind", erklärt Gündel. Manche leiden beispielsweise unter chronischen Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden oder unter einem chronischen Schmerz - oder Erschöpfungssyndrom. Forscher der Universität Köln stellten fest, dass Emotionen in den Gehirnen von alexithymen und gesunden Menschen unterschiedlich verarbeitet werden. Es gibt Hinweise darauf, dass das das limbische System mit dem präfrontalen Kortex, einem Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, nicht richtig vernetzt ist. In der Regel übersetzt das limbische System die Körpersignale in Gefühle, die dann zu der Hirnrinde gelangen, die für die Sinneswahrnehmung zuständig ist. Bei Alexithymen hingegen wird ein Bereich im Stirnlappen aktiv, der anscheinend die Emotionsverarbeitung im limbischen System blockiert.

Um Alexithymie festzustellen, verwenden Psychologen unter anderem die Toronto-Alexithymie-Skala (TAS 20). Die Testpersonen erhalten einen Fragebogen mit 20 Aussagen, die je nach Zutreffen mit einer Zahl von 1 bis 5 beurteilt werden sollen. Darunter etwa die Aussage: "Ich finde es schwierig zu beschreiben, was ich für andere Menschen empfinde." Bei einem Gesamtwert von über 60 gilt ein Mensch als alexithym.

Die nächste Frau möchte Frank in den Arm nehmen können

Frank hat nie verstanden, warum seine Frau sich beschwerte, wenn er lieber in der Garage an seinen Oldtimern herumbastelte anstatt sich mit ihr gemütlich vor den Fernseher zu setzen und einen Liebesfilm anzugucken. Er war ratlos, als sie immer häufiger in Tränen ausbrach und klagte: "Warum bekomme ich nie Zärtlichkeiten von dir?". Er war verwundert, als sie einen rasenden Tobsuchtsanfall bekam, weil er sich mal wieder über ein Geburtstagsgeschenk nicht freute. Sie drängte ihn mehrfach, sich zu ändern, drohte mit Scheidung. "Ich bin halt so wie ich bin", habe Frank damals immer gesagt. Heute sagt er: "Ich will mich ändern." Und die Chancen für Gefühlsanalphabeten sind ausgesprochen gut. Harald Gündel sagt: "Psychotherapien versprechen sehr gute Heilungschancen." Frank Hauser, der von einer Familie träumt, lächelt, ein wenig verlegen und sagt: "Die nächste Frau möchte ich gerne in den Arm nehmen können."

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(
  • Sylvie-Sophie Schindler