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Hinrichtungsopfer: Von Hagens bestreitet Vorwürfe

Der umstrittene Anatom Gunther von Hagens hat Vorwürfe, für seine "Körperwelten"-Ausstellung Leichen von in China Hingerichteten zu verwenden, scharf zurückgewiesen.

Der umstrittene Anatom Gunther von Hagens hat Vorwürfe, für seine "Körperwelten"-Ausstellung Leichen von in China Hingerichteten zu verwenden, scharf zurückgewiesen. "Ich habe niemals Hinrichtungsopfer für Präparate verwendet", sagte von Hagens am Donnerstag in Frankfurt am Main. Allerdings könne er nicht ausschließen, dass ihm Hinrichtungsopfer "untergeschoben" worden seien. Er vertraue aber darauf, dass sich seine Mitarbeiter an seine Grundsätze hielten, fügte er hinzu.

Sieben Leichen mit Kopfverletzungen gefunden

Zu dem im Magazin "Der Spiegel" erhobenen Vorwurf, seine Mitarbeiter in China hätten zwei Hinrichtungsopfer angenommen, sagte von Hagens, bei einer eigens veranlassten Inventur seiner chinesischen Niederlassung seien unter den insgesamt 645 "Ganzkörperpräparaten" sieben mit Kopfverletzungen gefunden worden. Zwar müsse nicht jeder Körper mit Kopfverletzungen automatisch ein Hinrichtungsopfer sein. Um dies aber absolut auszuschließen, sollten die sieben Präparate nun bestattet werden. Der Anatom betonte, dass in der aktuellen Ausstellung in Frankfurt definitiv keine Körper von Hinrichtungsopfern zu sehen seien.

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Allerdings räumte er ein, dass die Medizinische Universität im chinesischen Dalian, wo er als Chef des "Instituts für Plastination" fungiere, auch Leichen von örtlichen Polizeistationen annehme. Dies sei ein ganz normales Verfahren, das auch in Deutschland bis in die achtziger Jahre üblich gewesen sei.

1000 Euro für ein "Ganzkörperpräparat"

Auch den im "Spiegel" erhobenen Vorwurf, er habe bereits als Universitätsmitarbeiter in Heidelberg "schwunghaften Leichenhandel" betrieben, wies von Hagens zurück. Für seinen aktuellen Präparatehandel, den er als "erheblich" bezeichnete, schäme er sich nicht. Geschäftszahlen wollte der Mediziner nicht nennen, er sagte aber, bislang habe er 14 Millionen Euro in seinen chinesischen Betrieb gesteckt. Weltweit unterhält von Hagens demnach Geschäftsbeziehungen mit 400 Universitäten. Für ein "Ganzkörperpräparat" zahle er nach früheren Berechnungen je knapp 1.000 Euro.

Von Hagens betonte bei seiner ersten ausführlichen Verteidigung der jüngsten Vorwürfe den Unterschied zwischen "Verwesungsleichen", also Toten mit trauernden Angehörigen und anonymisierten "Ganzkörperpräparaten mit sachenrechtlichen Eigenschaften.

"Körperwelten"-Gegner inszenieren Begräbnis

Am Rande der Pressekonferenz inszenierten Aktivisten der Deutschen Hospiz Stiftung vor der Frankfurter Naxos-Halle eine symbolische Bestattung der so genannten Plastinate mit Leichenwagen, Sarg, Kränzen und Grablichtern. Auf Transparenten forderten sie "Kein Geschäft mit dem Tod" und kritisierten die Ausstellung als "Endstation Gruselkabinett." Hospiz-Sprecherin Michaela Gehms sagte, eine Zurschaustellung von gehäuteten und filetierten Menschen diene weder der Wissenschaft noch dem würdevollen Umgang mit den Verstorbenen. Die Schau sei ein grauenvolles "Sezierspektakel". Nach dem "Spiegel"-Bericht hatten die Proteste gegen die umstrittene Schau deutlich zugenommen.

Weltweit haben bis dato knapp 14 Millionen Menschen von Hagens umstrittene Ausstellung besucht. In Deutschland wurde sie seit 1997 sieben Mal gezeigt, zuletzt in Hamburg. In Frankfurt erwarten die Veranstalter bis zum 18. April 400.000 Besucher.