Jörg Immendorff "Unseriös und unethisch"


Dem nervenkranken Maler Jörg Immendorff sind in einer medizinisch und ethisch umstrittenen Operation in China fötale Zellen ins Hirn gespritzt worden. Immendorff glaubt nach dem Eingriff, Besserung zu verspüren.

Der ALS-kranke Maler Jörg Immendorff hat sich in Peking fötale Zellen ins Hirn implantieren lassen und spürt bereits eine Besserung. "Ich betrachte mich als Teilnehmer eines Experiments, und ich weiß um seine Gefahren", sagte der 59-jährige Düsseldorfer Kunstprofessor nach einem Vorabbericht des "Spiegels" von Samstag. Er hofft demnach, dass mit der Behandlung der Selbstheilungsprozess von Nervenzellen aktiviert wird.

Zwei Millionen Nasenzellen im Gehirn

Chinesische Ärzte im Pekinger West-Berge-Krankenhaus spritzten dem an der unheilbaren Amyotrophischen Lateralsklerose (ALS) leidenden Künstler laut "Spiegel" zwei Millionen Nasenzellen von abgetriebenen Föten an zwei Stellen ins Gehirn. Der Neurochirurg Huang Hongyun praktiziere als erster Mediziner in der Welt dieses bei seinen internationalen Kollegen wegen ethischer und medizinischer Bedenken stark umstrittene Verfahren, berichtet das Blatt.

Immendorff sprach von einer Besserung: "Ich kann ein paar Finger an der rechten Hand wieder besser bewegen und die Hand wieder auf die Höhe des Kopfes heben." Auch sei seine Balance besser, er habe ein "härteres Beingefühl". Erst nach der Operation in China habe er seinen behandelnden Arzt Thomas Meyer von der Berliner Charite informiert. Er habe gewusst, dass der Neurologe ihm abgeraten hätte, schreibt das Nachrichtenmagazin weiter. Meyer halte das Vorgehen des chinesischen Kollegen für "unseriös und unethisch".

Aus wissenschaftlicher Sicht ist dem Bericht zufolge völlig unklar, was die Hüllzellen im Gehirn ALS-Kranker überhaupt bewirken können. Dass Immendorff Besserungen spürt, wundert den Berliner Arzt nicht: "Es ist bekannt, dass gerade bei Operationen starke Placebo-Effekte auftreten können", sagte Meyer.

Sukzessive Lähmung des Körpers

Bei ALS zerstören Neuronen sich selbst und lähmen so sukzessive den Körper, bis am Ende auch der Atemmechanismus versagt. Die ersten Symptome zeigen sich meist an Händen und Armen: Schwere Gegenstände können nicht mehr hochgehoben oder gehalten werden. Nach und nach greift die Krankheit dann auf andere Körperbereiche über. Bei Immendorff wurde die Krankheit im Frühjahr 2003 diagnostiziert.

AP/DPA AP DPA

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