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Kommentar zum Klimagipfel: Dieses Abkommen kann die Welt retten

Sie konnten sich tatsächlich einigen: Das neue Klimaabkommen wurde in Paris verabschiedet. Ohne einige diplomatische Tricks wäre das jedoch nicht möglich gewesen. Und so muss sich erst noch zeigen, wie viel dieser Vertrag verändern wird.

Ein Kommentar von Rüdiger Braun

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius und Präsident Francois Hollande feiern das neue Klimabkommen

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius und Präsident Francois Hollande feiern das neue Klimabkommen

Es ist vollbracht! Die Welt hat zum ersten Mal nach über 20 Jahren zäher Verhandlungen ein Klimaabkommen, das diesen Namen auch verdient. Schon vor dem Schlussplenum machte sich Euphorie breit. Das Wort "historisch" war vor Ort in Paris immer wieder zu hören. Selbst sonst eher als nüchtern bekannte Zeitgenossen wie der Wirtschaftswissenschaftler Lord Nicholas Stern von der London School of Economics and Political Science, der seit Jahren die Kosten des Klimawandels erforscht, kommentierte begeistert: "Dies ist ein historischer Moment, nicht nur für uns und unsere Welt heute, aber auch für unsere Kinder, Enkel und die zukünftigen Generationen. Das Abkommen schafft enorme Möglichkeiten für den Weg hin zu einer CO2-armen Wirtschaft."

Unermüdlich – verbunden mit chronischem Schlafmangel – und mit großem Verhandlungsgeschick haben der französische Außenminister Laurent Fabius und sein Team die Weltklimakonferenz zum Erfolg geführt. Er erhielt für das diplomatische Meisterstück zu Recht minutenlang stehende Ovationen der Unterhändler und Konferenzbeobachter. Dass die Weltgemeinschaft ohne nennenswerte Widerstände der Vereinbarung einhellig zustimmte, lag auch daran, dass noch kein UN-Klimagipfel so gut vorbereitet worden war wie der in Paris.

Diplomatische Tricks

Doch was ist das Dokument wert? Es geht in einigen Punkten weiter als viele Experten zuvor für möglich gehalten haben. Als zentrales Ziel wurde formuliert, dass die durchschnittliche Erderwärmung vom Beginn der Industrialisierung bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich unter zwei Grad gehalten werden soll. Damit das gelinge, müsse "der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid bis 2030 auf jährlich maximal 40 Milliarden Tonnen" gedrosselt werden. Solche konkreten Emissionszahlen gab es in bisherigen Klimaabkommen nicht. Sie sind als echter Durchbruch zu werten. Doch vieles in dem Dokument ist "schwammig" formuliert und lässt viel Interpretationsspielraum. So heißt es lediglich, der Höhepunkt der Emissionen solle "so schnell wie möglich" erreicht werden.


Und auch beim Thema Finanzhilfen für ärmere Länder brachte nur ein diplomatischer Trick die Einigung: Das Paris-Abkommen legt fest, dass die Industrieländer von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klimahilfen zur Verfügung stellen müssen. Während dieser Zeit sind andere Länder dazu "eingeladen, auf freiwilliger Basis" ebenfalls Unterstützung zu leisten. Für das Jahr 2026 soll ein neues, kollektives Finanzziel festgelegt werden, das über die 100 Milliarden hinaus geht. Wer dann einen Beitrag dafür leisten muss, steht jedoch nirgends und eröffnet damit die Möglichkeit, auch reiche Ölstaaten und wohlhabende Schwellenländer zur Kasse zu bitten.

Verklausulierte Revolution

Die Weltgemeinschaft hat das ehrgeizige globale Ziel definiert, bis zum Ende des Jahrhunderts aus der Nutzung von fossilen Energieträgern auszusteigen – ohne dies allerdings explizit zu formulieren. Wenn das ernst gemeint ist, hat es das Zeug, die Welt fundamental umzugestalten, weil es das Ende des kohlenstoffbasierten Weltwirtschaftsmodells wäre. Das ist ein berechtigter Grund zum Feiern. Doch nach dem Rausch beginnt wieder der Alltag und eine Menge Arbeit.


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