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Schleswig-Holstein Knochen des ältesten Norddeutschen im Moor entdeckt – Skelettreste sind mehr als 10.000 Jahre alt

Archäologen mit den entdeckten Knochen
Archäologen mit den entdeckten Knochen
© Marcus Brandt / DPA
Er lebte in der mittleren Steinzeit, fing Fisch, jagte, sammelte Pflanzen: In der Nähe von Lüchow-Dannenberg wurden Überreste des ältesten bekannten Norddeutschen entdeckt.

In ganz Norddeutschland gibt es keinen weiteren Fund, der so alt ist: "Für mich ist das eine Sensation", sagte der Archäologe Harald Lübke. "Wir haben den ältesten bekannten Norddeutschen!" Er war dabei, als in Duvensee in Schleswig-Holstein die Knochen eines Menschen entdeckt wurden. Und die sind vermutlich rund 10.500 Jahre alt.

Es ist ein großes Glück, dass die Archäolog:innen diesen Fund machen konnten, denn eigentlich war der Tote seinerzeit eingeäschert worden. Brandbestattungen waren über viele tausend Jahre in Europa die üblichste Form, Verstorbene zur letzten Ruhe zu betten, doch in diesem Fall verbrannten mehrere Knochen nicht vollständig. Die Knochen wurden in einem Moor gefunden, was vermutlich dabei half, sie über die lange Zeit zu erhalten.

Das älteste Grab Norddeutschlands

Archäologe Harald Lübke hat die Hoffnung, aus besonders gut erhaltenen Knochenstücken vielleicht sogar noch DNA extrahieren zu können, aus der sich Herkunft und Merkmale des Toten entschlüsseln ließen. "Das wäre eine wahre Schatzkammer", ist er überzeugt. Die Knochen werden nun in einem kompletten Erdblock aus dem Moorboden entnommen, damit sie behutsam unter Laborbedingungen untersucht werden können.

Dass Menschen während der mittleren Steinzeit in der Umgebung des Duvenseer Moors gelebt haben, ist schon länger bekannt. Archäolog:innen fanden in der Vergangenheit dort bereits Werkzeuge und Überreste von Siedlungen. Vermutlich waren die dort einst vorhandenen Seen ein Anreiz – sowohl als Wasserquelle als auch für den Fischfang. Nur von den Toten dieser Menschen war bisher nichts bekannt.

Der Archäologe Harald Lübke in Duvensee
Der Archäologe Harald Lübke in Duvensee
© Marcus Brandt / DPA

Wo ist der Kopf des Toten?

Was derzeit noch ein Rätsel ist: Bisher wurde der Schädel des Toten nicht gefunden. Ob er aus bisher unbekannten Gründen nicht erhalten wurde, oder ob der Körper ohne Kopf bestattet wurde – auch das wollen die Archäolog:innen um Harald Lübke nun herausfinden. "Wir haben hier im Moment nur eine neue Tür aufgemacht. Aber dahinter sind im Moment noch nur dunkle Räume."

Für die Forscher:innen ist der Fund ein echter Glückstreffer: Nur aus Dänemark kennt man einen Fall aus derselben Zeit – dem Mesolithikum.

Quellen:  "MOPO", NDR

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