Orientierungssinn Steinzeit-Instinkt für frische Erdbeeren

Frau auf dem Markt: Lage von Nahrungsquellen einprägen
Frau auf dem Markt: Lage von Nahrungsquellen einprägen
© colourbox.com
Warum verfahren sich Frauen öfter als Männer, finden aber auf dem Wochenmarkt auf Anhieb den Stand mit den billigen Erdbeeren wieder? Daran ist die Evolution schuld, glauben Forscher. Nahrhaftes spüren übrigens auch Männer problemlos auf.

Da Frauen in der Steinzeit für das Sammeln von Wildpflanzen zuständig waren, können sie Obst und Gemüse auch beim Einkaufen besser wiederfinden. Das schließen amerikanische Forscher aus Untersuchungen auf einem großen Wochenmarkt. Obwohl Männer meist einen besseren Orientierungssinn haben, konnten sich die beobachteten Frauen häufiger an die Position von bestimmten Lebensmitteln erinnern als die männlichen Versuchsteilnehmer. Über ihre Ergebnisse berichten Joshua New von der Yale-Universität in New Heaven und seine Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Saisonware aktiviert Frauengedächtnis

Die Forscher baten 86 Wochenmarktbesucher, sechs Verkaufsstände in einer bestimmten Reihenfolge aufzusuchen. An jedem Stand durften sie ein bestimmtes pflanzliches Lebensmittel probieren und bewerten. Erst anschließend erfuhren sie, dass die Forscher bei den Versuchen das räumliche Orientierungsvermögen testen wollten: Die Freiwilligen sollten von der Mitte der Markthalle aus bestimmen, wo sie welches Nahrungsmittel probiert hatten. Die gut 40 Frauen schnitten dabei besser ab als die Männer - und zwar unabhängig davon, wie gut sich die einzelnen Teilnehmer bereits auf dem Markt auskannten.

Bei früheren Orientierungsversuchen mit anderen Dingen als Lebensmitteln hatten bislang meist Männer besser abgeschnitten. Die nun veröffentlichten Ergebnisse lassen deshalb vermuten, dass das räumliche Gedächtnis auch von der Art der Orientierungspunkte abhänge, schreiben die Forscher. Obst, Gemüse und andere Saisonware aktivierten bei Frauen das räumliche Gedächtnis.

Kalorienreiches wird besser wiedergefunden

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben sich vermutlich im Laufe der Evolution entwickelt. In der Zeit der Jäger und Sammler mussten die Männer in der Lage sein, einem Tier über weite Strecken zu folgen und anschließend mit der Beute den Weg zurückzufinden. Für Frauen war es hingegen von Vorteil, wenn sie sich die Lage von Nahrungsquellen wie Bäumen oder Beerensträuchern merken konnten.

Als weiteren Beleg für diese Hypothese werten die Forscher die Tatsache, dass bei ihrer Studie die Orientierungsfähigkeit der Teilnehmer auch von der Qualität der Nahrungsmittel abhing. Je mehr Kalorien ein Lebensmittel enthielt, desto besser konnten sich die Freiwilligen erinnern, wo sie es probiert hatten. Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

DDP DDP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker