Prostatakrebs Die bessere Bauchentscheidung


Der PSA-Test auf Prostatakrebs ist umstritten, denn er liefert oft keine aussagekräftigen Ergebnisse. Ob er im Einzelfall sinnvoll ist, können Männer mithilfe eines neuen Online-Angebots für sich klären.
Von Nicole Heißmann

Die Zahlen jagen selbst kerngesunden Männern Angst ein: In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 59.000 an Prostatakrebs, 11.000 sterben daran. Damit ist das Karzinom der Vorsteherdrüse der häufigste bösartige Tumor beim Mann. Leider lässt sich bisher nicht sagen, wie man sich davor schützen kann. Über Risikofaktoren ist abgesehen von der genetischen Disposition wenig bekannt. Und auch die wichtigste Früherkennungsuntersuchung, der PSA-Bluttest, ist längst nicht so zuverlässig, wie man es als Patient gern hätte.

Die Frage lautet also: Lohnt sich ein Prostata-Check? Eine Entscheidungshilfe finden Männer ab sofort im Internet: "Früherkennung Prostatakrebs" ist ein Online-Projekt des AOK-Bundesverbandes mit der Uni Bremen und dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Das neue Portal soll darüber aufklären, für wen der PSA-Test sinnvoll ist. Den bieten Ärzte Männern ab 45 an, zusammen mit einer Abtastung der Prostata durch den Darm.

Beim PSA-Test wird Blut abgenommen und darin der Wert eines Proteins, des prostataspezifischen Antigens PSA, bestimmt. Der Test muss meist selbst bezahlt werden (Kosten: 17 bis 95 Euro mit Beratung) und kann durchaus Krebs aufspüren. Ein erhöhter PSA-Wert hat Konsequenzen: Gewebe wird per Biopsie aus der Prostata gestanzt und untersucht. Finden sich Tumorzellen, entfernen Ärzte oft die Drüse oder bestrahlen sie. Der Test schlägt aber auch oft unbegründet Alarm.

"Bisher ist unsicher, welcher PSA-Wert als kritisch gilt

Ein Dilemma, sagt Kai Kolpatzik, Arzt beim AOK-Bundesverband: "Auf der einen Seite brauchen Männer Gewissheit, ob sie Krebs haben. Auf der anderen Seite will niemand eine überflüssige Biopsie, OP oder Bestrahlung über sich ergehen lassen." Zudem fehlen bisher wissenschaftliche Belege dafür, dass der PSA-Test das Leben verlängert. Und eine Übersichtsstudie zog 2006 das Fazit, es sei unklar, ob die Untersuchung die Lebensqualität von Männern steigere. Überzeugende Alternativen gibt es aber auch nicht. Nur der PSA-Test kann auf Tumoren hinweisen, solange sie noch klein sind. Bei der Tastuntersuchung oder im Ultraschall erkennt der Arzt erst größere Knoten.

Der Chefarzt der auf Prostatakrebs spezialisierten Martiniklinik in Hamburg, Hartwig Huland, hält den PSA-Test daher zurzeit für unverzichtbar: "Der Test ist die einzige echte Früherkennungsmethode, die wir haben. Viele Prostatakarzinome sind in einem heilbaren Stadium entdeckt worden. Er hat aber Schwächen." Dazu gehört, dass nicht klar ist, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. "Bisher ist unsicher, welcher PSA-Wert als kritisch gilt. Männer mit erhöhtem Spiegel sind häufig gesund, und Männer mit niedrigem Wert können durchaus einen Tumor haben", so Huland. Wie ein Prostatakrebs sich entwickelt, ist ebenfalls schwer zu sagen: Bei einigen Patienten wuchert er aggressiv, bei den meisten wächst er sehr langsam. Viele Männer sterben an etwas ganz anderem, ohne den Tumor in der Drüse je bemerkt zu haben. Wäre diesen Männern nach auffälligem PSA-Test und Biopsie zu Lebzeiten die Prostata entfernt worden, hätte das ihre Lebensqualität unnötig verschlechtert. "Die Techniken sind besser geworden, aber Prostata-OPs können immer noch inkontinent und impotent machen", sagt Hans-Joachim Gebest, der den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums leitet.

Unterm Strich muss also jeder Mann für sich entscheiden, ob er sich testen lässt. Auf den Internetseiten von "Früherkennung Prostatakrebs" findet er dazu nicht nur wissenschaftliche Daten zum Test und zu Krebs. Er kann die Informationen auch per Mausklick für sich persönlich bewerten, Risiken und Nutzen einander gegenüberstellen. Welche Aspekte sprechen für, welche gegen den Test? Am Ende erhält der Patient sein persönliches Ergebnis, das ihn auf den Termin in der Praxis vorbereiten soll, so Kai Kolpatzik von der AOK: "Das Online-Portal ersetzt nicht den Arzt, aber der Patient geht informierter In die Praxis."

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