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Psychologie Darum nerven Handy-Gespräche des Nachbarn

Von Handygesprächen, die sie mithören, sind die meisten Menschen genervt
Von Handygesprächen, die sie mithören, sind die meisten Menschen genervt
© Colourbox
Wer Auto fährt, sollte nicht nur selbst die Finger vom Handy lassen, sondern auch seinem Beifahrer Telefonate verbieten. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, warum Gesprächsfetzen, die wir dabei mithören, unsere Aufmerksamkeit so stark beeinträchtigen.

Wir sitzen im Bus, in der Bahn oder im Café und hören wie unsere Mitmenschen telefonieren. Im Gegensatz zu normalen Dialogen oder Lautsprecherdurchsagen nerven uns die Handygespräche des Nachbarn. Woran liegt das?

Ein Forscherteam um Lauren Emberson von der Cornell-Universität in Ithaca hat auf diese Frage eine Antwort gefunden. Mitgehörte Handygespräche irritieren so sehr, dass dadurch ein beträchtlicher Teil der Aufmerksamkeit von der eigenen Tätigkeit abgezogen und auf das Gespräch gelenkt wird. Ein halb gehörtes Gespräch, das Forscher "Halbalog" nennen, ist unberechenbar. Da die eine Hälfte der Konversation im Verborgenen bleibt, lässt sich nicht vorhersagen, was oder wann der andere antwortet. Das Gehirn will diese Ungewissheit vermeiden. Das Prinzip hat sich vermutlich in der Frühzeit der Menschheit entwickelt, um plötzlichen Gefahrensituationen aus dem Weg zu gehen. Ihre Arbeit stellten die Forscher im Fachblatt "Psychological Science" vor.

Die Forscher stellten zuerst die Frage: Was ist an solchen Gesprächen anders als an anderen mitgehörten Kommunikationsformen wie Mono- oder Dialogen? Um dies zu beantworten, ließen sie jeweils zwei Freiwillige ein Telefongespräch miteinander führen und baten jeden Gesprächsteilnehmer, den Inhalt zusammenzufassen. Anschließend spielten die Forscher Testpersonen diese Gespräche vor. Gleichzeitig mussten diese am Computer Aufgaben lösen, wie zum Beispiel einen sich bewegenden Punkt mit dem Cursor zu verfolgen oder einzelne Buchstaben im Gedächtnis zu behalten. Dabei gab es drei Varianten: Die Probanden hörten das gesamte Telefongespräch mit beiden Beteiligten, nur einen der Sprechenden - den "Halbalog" - oder die Zusammenfassung eines der Gesprächsteilnehmer, einen typischen Monolog.

Telefonate von Beifahrern sind gefährlich

Monolog und Dialog wirkten sich nicht auf den Erfolg beim Lösen der Aufgaben aus. Wenn die Probanden den "Halbalog" hörten, schnitten sie deutlich schlechter ab. Das lag jedoch nicht an den unterschiedlichen akustischen Eigenschaften der Gespräche, also der Tatsache, dass beim "Halbalog" nur in der Hälfte der Zeit Sprache zu hören war, während bei den anderen beiden Varianten nahezu ständig gesprochen wurde.

Das Gehirn wird laut den Forschern vielmehr durch das Fehlen bestimmter Reize alarmiert, die für das Verfolgen eines Gesprächs unabdingbar sind - etwa die Stimmlage des Gesprächspartners, seine Wortwahl und ähnliches. Dadurch entsteht eine unberechenbare Situation, der das Gehirn sofort einen großen Teil seiner begrenzten Aufmerksamkeit widmet. Diese fehlt dann wiederum für die Tätigkeiten, die man gerade ausführt. Vor allem beim Autofahren kann das problematisch werden, sagen die Psychologen. Das habe sich in den Tests klar gezeigt, da diese so entworfen waren, dass sie die Aufmerksamkeitsverteilung beim Fahren simulierten. Die Umstellung der kognitiven Systeme sei jedoch sehr grundlegend, die "Halbaloge" könnten daher auch in vielen anderen Gebieten zu einem Aufmerksamkeitsdefizit führen.

DAPD/lmr dapd

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