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Uhrumstellung: Sommerzeit beschert kurze Nacht

Das Prozedere ist immer gleich. Doch Jahr für Jahr wird wieder gerätselt: Gewinnen oder verlieren wir eine Stunde bei der Umstellung auf Sommerzeit? Die Antwort finden Sie hier.

Auf einen Schlag bleibt es von Sonntag an Abends länger hell: Die Sommerzeit beginnt. Nachtschwärmer und Langschläfer haben zunächst aber das Nachsehen - die Zeitumstellung beschert den meisten Menschen in Europa die kürzeste Nacht des Jahres. Um Punkt 2.00 Uhr springen die Zeiger aller Funkuhren automatisch auf 3.00 Uhr. "Unser sogenanntes Zeit-Telegramm ist dafür verantwortlich", erläuterte Jens Simon von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Das Zeit-Telegramm besteht aus Funksignalen. Damit das richtige Signal zur richtigen Zeit ausgestrahlt wird, haben die Wissenschaftler der PTB die impulsgebende Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt bereits vor Wochen programmiert. Über den Sender DCF 77 wird das Signal dann an alle öffentlichen und privaten Funkuhren im Umkreis von bis zu 2500 Kilometern gesendet. "Das alles ist für uns längst Routine, in all den Jahren hat es noch keine Panne gegeben", sagte Simon. Wer keine Funkuhr hat, muss die Uhr per Hand stellen.

Züge kommen später an

Die Bahn dürfte über die Erfindung der automatischen Umstellung am glücklichsten sein: 120 000 Chronometer ticken auf deutschen Bahnhöfen. "Es ist alles vollkommen unkompliziert", sagte ein Bahnsprecher. Betroffen sind etwa 50 Nachtzüge. Die Fahrtzeit bleibt zwar gleich, nach der Uhr kommen die Züge aber eine Stunde später am jeweiligen Zielbahnhof an.

Die halbjährliche Umstellung der Uhren wurde mit der Ölkrise 1973 zunächst in Frankreich eingeführt, um Energie zu sparen. Dadurch sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Seit 1980 stellt auch Deutschland jeweils am letzten Wochenende im März die Uhren von der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit um. Mittlerweile ist sie für die EU-Mitgliedstaaten vorgegeben.

Russland stellt nicht um

"Ziel der damit verbundenen Angleichung der Zeitzählung aller EU-Mitgliedstaaten ist es, zum Funktionieren des europäischen Binnenmarktes beizutragen", teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit. Im digitalen Zeitalter ist der Zeittakt viel mehr als die bloße Uhrzeit: Zeitsignale und Zeitcodes steuern den Austausch von Informationen, sind für die Energieversorgung wichtig und für die Organisation des Handels in einer globalisierten Welt unverzichtbar.

Russland dreht allerdings erneut nicht an der Uhr. Das größte Land der Erde hat im vergangenen Jahr nach 30 Jahren die Zeitumstellung abgeschafft. Dies bedeute weniger Stress für Mensch und Tier, begründete damals Kremlchef Dmitri Medwedew die Initiative. Nun klagen aber zunehmend Menschen im Riesenreich über das Leben mit "ewiger Sommerzeit". Im Internet beklagen viele Russen, dass sie sich einfach nicht gewöhnen könnten an die Sommerzeit im Winter. Ihr Leben sei irgendwie aus dem Tritt geraten, schreiben Blogger. Regierungschef Wladimir Putin will eine Rückkehr zur Winterzeit prüfen lassen.

Anita Pöhlig/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?