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Urzeit-Wesen Forscher entdecken Überreste eines zuvor unbekannten Großraubtiers in den Pyrenäen

So könnten die "Bärenhunde" ausgesehen haben
So könnten die "Bärenhunde" ausgesehen haben
© Denny Navarra / Naturhistorisches Museum Basel
Er lebte vor Millionen von Jahren in den Pyrenäen: Der rund 200 Kilogramm schwere "Bärenhund" Tartarocyon. Bis vor kurzem wusste man noch nicht, dass es ihn je gegeben hatte.

Ein internationales Team von Paläontolog:innen hat durch die genauere Untersuchung eines fossilen Unterkiefers eine neue Art von Raubtieren entdeckt, die einst Europa besiedelten. Die Grossraubtiere gehören zu einer Gruppe von Fleischfressern, die umgangssprachlich "Bärenhunde" genannt werden, rund 320 Kilogramm schwer werden konnten, vor 36 Millionen Jahren auftauchten und vor rund 7,5 Millionen Jahren ausstarben.

Der Schweizer Paläontologe Bastien Mennecart und seine Forschungsgruppe hatten den fossilen Unterkiefer eines Fleischfressers analysiert und dabei herausgefunden, dass er einst zu einem Exemplar einer bisher unbekannten Art gehört haben muss. Der Kiefer stammt aus 12,8 bis 12 Millionen Jahre alten marinen Ablagerungen, die in der kleinen Gemeinde Sallespisse im Département Pyrénées-Atlantiques im Südwesten Frankreichs untersucht wurden.

Der Urzeit-"Bärenhund" lebte in den französischen Pyrenäen

Auffallend am untersuchten Unterkiefer ist das Gebiss. Denn anders als bei den bekannten Exemplaren der sogenannten Amphicyoniden, also "Bärenhunde", weist das Gebiss dieses Tieres einen einzigartigen vierten unteren Backenzahn auf. Entsprechend steht der untersuchte Unterkiefer sehr wahrscheinlich für eine neue Gattung. Sie bekam den Namen Tartarocyon – er lehnt sich an die Figur Tartaro an, einen Riesen aus der baskischen Mythologie. Die Legende des Tartaro ist auch in der Gegend bekannt, in der der Unterkiefer gefunden wurde.

Sie gehören einer Gruppe von Fleischfressern an wie Hunde, Katzen, Bären, Robben oder Dachse. Diese Raubtiere lebten weit verbreitet in der europäischen Tierwelt des Miozäns vor 23 bis 5,3 Millionen Jahre. Sie waren sehr artenreich und vielfältig und wurden zwischen 9 kg und 320 kg schwer. Die Körpermasse eines Tarataroyon wird auf 200 kg geschätzt. Verschwunden sind die letzten europäischen Amphicyoniden im späten Miozän vor 7,5 Mio. Jahren. 

Die Fossilien sind wichtige Zeitzeugen

Funde fossiler Landwirbeltiere, die vor 13 bis 11 Millionen Jahren am Nordrand der Pyrenäen gelebt hatten, sind sehr selten. Umso bedeutender sind der Fund und die Beschreibung des Unterkiefers. Er bietet den Forscher:innen nun die Gelegenheit, die Entwicklung der europäischen "Bärenhunde" vor dem Hintergrund bekannter Umweltereignisse aus dieser Zeit zu erforschen.

Quelle:  Naturhistorisches Museum Basel

wt

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