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Antike Karte als Beweis: Entdeckten Chinesen Amerika?

Eine antike Landkarte soll beweisen, dass ein chinesischer Seefahrer und nicht etwa Christoph Kolumbus Amerika entdeckt hat. Sollte sich die Karte als echt erweisen, müsste die Geschichte umgeschrieben werden.

Eine antike Landkarte, die der Beweis für die Entdeckung Amerikas durch den chinesischen Seefahrer Zheng He sein soll, sorgt in Peking für Aufsehen. Ihr Besitzer, der Kartensammler und prominente chinesische Wirtschaftsanwalt Liu Gang, sieht in dem Fund die Bestätigung der umstrittenen These, dass der chinesische Admiral schon mehr als 70 Jahre vor Christopher Kolumbus den amerikanischen Kontinent entdeckt haben soll. Es sei eine 1763 für den Kaiser erstellte Kopie einer viel früheren Karte von 1418.

Sollte sich die Karte als echt erweisen und eine originalgetreue Kopie sein, müsste die Seefahrer-Geschichte umgeschrieben werden. Dann wäre wohl auch Fernando Magellan nicht der erste Weltumsegler gewesen oder Vasco da Gama hätte nicht als erster das Kap der guten Hoffnung umschifft.

Doch stellen selbst chinesische Historiker in Frage, dass Zheng He um die Welt gesegelt ist. Nach bisheriger Kenntnis hat der chinesische Seefahrer mit einer großen Flotte von 1405 bis 1433 die Meere in Südostasien, Afrika, Indien und dem Nahen Osten befahren. Einige seiner mehr als 200 Schiffe sollen riesig und bis zu 120 Meter lang gewesen.

Im Antiquariat für 412 Euro

Es gebe auch Hinweise, dass Kolumbus, Magellan und da Gama sich bei ihren "Entdeckungen" auf Kopien der chinesischen Karte von 1418 gestützt haben könnten, hieß es auf der Pressekonferenz. Der chinesische Kartensammler Liu Gang hatte die Kopie 2001 in Schanghai in einem Antiquariat für umgerechnet rund 412 Euro gekauft.

Die Lektüre eines 2003 geschriebenen Buches des britischen Amateur-Historikers Gavin Menzies, der den chinesischen Admiral als ersten Weltumsegler und Entdecker Amerikas beschreibt, habe ihn von der Bedeutung seiner Karte überzeugt. "Diese Karte sagt mir, dass Zheng He die Welt entdeckt hat", sagte Liu Gang vor Journalisten in Peking. Auch wenn Menzies' Buch in Fachkreisen mit Skepsis aufgenommen worden war, wurde es ein Bestseller.

Potomac River ist zu sehen, die britischen Inseln nicht

Die Kartenkopie von 1763, die gerade in Neuseeland auf ihr genaues Alter geprüft wird, ist sehr genau: Sie zeigt jeden Kontinent, jeden Ozean und sogar den Potomac River in Washington. Allerdings fehlen die britischen Inseln. Kalifornien wird als Insel gezeichnet.

Liu Gang verwies auf ein chinesisches Zeichen auf der Karte, mit dem garantiert werde, dass es sich um eine unverfälschte Kopie handele. Den Kartenzeichner hätte die Todesstrafe erwartet, wenn er statt vom Original von damaligen Quellen des 18. Jahrhunderts abgezeichnet hätte, erläuterte Liu Gang. Darum glaube er an die Echtheit.

DPA / DPA