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Arachnophobie: "Pfui Spinne" ist Mädchensache

Die Furcht vor Spinnen ist nicht angeboren, sondern antrainiert. Dabei lernen weibliche Babys die Angst vor den Krabbeltieren wesentlich schneller als männliche, berichten US-Wissenschaftler.

Kleine Mädchen lernen die Angst vor Spinnen schneller als Jungs

Kleine Mädchen lernen die Angst vor Spinnen schneller als Jungs

Schon weibliche Babys entwickeln schneller eine Angst vor Spinnen als männliche, wenn ihnen entsprechende Bilder gezeigt werden. Das haben Forscher in Experimenten mit elf Monate alten Babys nachgewiesen. Sie konfrontierten die Kleinkinder entweder mit Bildern eines harmlosen Objekts, beispielsweise einer Blume, oder mit Abbildungen eines von vielen Frauen gefürchteten Tieres wie beispielsweise einer Spinne. Die Fotos kombinierten die Wissenschaftler jeweils mit einem lachenden oder ängstlichen Gesicht. Weibliche Babys ließen sich mit der Kombination aus einer Spinne und einem ängstlichen Gesicht schneller auf eine entsprechende Reaktion trainieren als Jungen. Die Wissenschaftler um David Rakinson von der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh schreiben dies im Onlinedienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

Spinnenbilder länger inspiziert als Blumenbilder

Die Mädchen lernten sehr schnell, ein ängstliches Gesicht mit einem als eklig empfundenen Tier wie einer Spinne oder einer Schlange zu assoziieren, was den Jungen nicht so gut gelang. Nach diesem Training blieb der Blick der Mädchen länger an Bildern haften, auf denen eine Spinne zu sehen war - selbst wenn daneben ein lachendes Gesicht abgebildet war. Die Spinnenbilder wurden genauer inspiziert als solche von Blumen, auch wenn diese mit einem ängstlichen Gesicht kombiniert waren. Die Jungen betrachteten alle Bilder ungefähr gleich lang.

Furcht vor Spinnen ist nicht angeboren

Dieser schnelle Lerneffekt bei den kleinen Mädchen trat aber nur bei einer Kombination aus negativen, ängstlichen Gesichtsausdrücken und Spinnen ein. Bei anderen Kombinationen hatten sie ihren männlichen Pendants nichts mehr voraus. Alle Babys lernten gleich schnell. Dies und die Tatsache, dass sich alle Kinder gleich verhielten, wenn das erste Bild eine Kombination aus Spinne und lachendem Gesicht zeigte, brachte die Forscher zu folgendem Schluss: Die Furcht vor Tieren wie Spinnen ist nicht angeboren, sondern antrainiert. Weibliche Babys lernen diese Angst wesentlich schneller als männliche. Sie haben also eine genetische Veranlagung zum Erlernen von Furcht vor potenziell gefährlichen Tieren.

Das erscheine aus biologischer Sicht logisch, erklärt Rakinson. Es sei für ein Baby wenig sinnvoll, in einem Alter Furcht zu empfinden, in dem es noch gar nicht reagieren könne. Dies wäre bei der angeborenen Angst der Fall.

Furcht ist biologisch gesehen ein Reflex, der ein Individuum vor Gefahr bewahren soll, indem ein bestimmtes Objekt gemieden wird. Babys erlernen die Furcht, wenn sie alt genug sind, Gesichtsausdrücke zu deuten und in kleinem Rahmen auf ihre Umwelt zu reagieren - zum Beispiel durch Wegkrabbeln. Dass Frauen die Furcht vor den achtbeinigen Kreaturen schneller übernehmen, erklärt Rakinson mit der Arbeitsteilung der frühen Jäger- und Sammler-Kulturen. Der Jagderfolg der männlichen Jäger wäre durch die Angst nur geschmälert worden, während die Frauen ihre Kinder damit vor möglicherweise gefährlichen Tieren schützen konnten.

DDP / DDP
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