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Trendmaterial Herkunft, Wachstum, Nachhaltigkeit: Wissenswertes zur Wunderpflanze Bambus

Wie schnell wächst Bambus? Wie nachhaltig ist Bambus?
Der abgebildete Miso-Bambus ist die meistgehandelte Bambusart und wird zumeist aus China verschickt. Für naturnahe Gärten ist Bambus allerdings nicht zu empfehlen.
© Getty Images
Bambus ist vielseitig, wächst unglaublich schnell und hat in fernen Ländern eine lange Tradition. Auch in Europa erfreut man sich immer mehr an der Pflanze, die als nachhaltige Alternative gehandelt wird. Ein Blick auf die Fakten.

Wer sich mit dem Kauf neuer Möbel beschäftigt oder in der Drogerie nach einer Zahnbürste sucht, kommt am Trendmaterial Bambus nicht mehr vorbei. Seit einigen Jahren wird die Pflanze in Europa immer beliebter und vielseitig eingesetzt. Strohhalme, Terrassenmöbel, Bodenbeläge, Textilien, Musikinstrumente – die Liste ist lang. In europäischen Modellbauten werden sogar Stahlträger durch Bambus ersetzt. 

Ein Gewächs mit langer Tradition

Bambus hat ähnliche Eigenschaften wie die europäischen Harthölzer und wird deshalb auch hierzulande vermehrt für den Möbelbau genutzt. Dabei fällt man schnell dem Irrtum anheim, dass es sich bei Bambus ebenfalls um eine Holzart handelt – er zählt jedoch zu den Süßgräsern und damit zu den Pflanzen. Es gibt mehr als 1000 Bambusarten – von kleinen Büschen bis hin zu 30 Meter hohen Stämmen. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und seinen geringen Standortansprüchen wächst Bambus fast überall auf der Welt, mit Ausnahme von Europa und der Antarktis.

In Asien, Afrika und Südamerika hat die Pflanze eine lange Tradition, die tausende Jahre zurückreicht und tief im Alltag der Menschen verwurzelt ist. Nicht ohne Grund sagte schon der älteste Dichter der Song-Dynastie (von 960 bis 1279 die herrschende Dynastie im Kaiserreich China) Su Tung-po: "Man kann ohne Fleisch leben, aber man kann es nicht dahin bringen, dass man keinen Bambus hat." Der anglikanische Missionarsbischof William Charles White ließ sich Ende des 18. Jahrhunderts nach einem längeren Aufenthalt in China sogar zu der Bemerkung hinreißen, dass die soziale Ordnung und das tägliche Leben der Menschen völlig aus den Fugen geraten würde, würde man Bambus und alles was daraus gemacht ist aus China entfernen. 

Das Bambus so beliebt ist, liegt nicht nur an seinen vielseitigen Einsatzgebieten und den geringen Ansprüchen – er wächst auch außerordentlich schnell und kann deshalb deutlich früher geerntet werden als unsere heimischen Hölzer.

Wie schnell wächst Bambus?

Mit seinem enormen Wachstum hat der Bambus es sogar ins Guiness Buch der Rekorde geschafft. Der Riesenbambus wächst knapp einen Meter pro Tag und ist offiziell die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt. Nach nur fünf Jahren hat diese Bambusart, die in China "Moso-Bambus" genannt wird, ihre Hiebreife erreicht. Zum Vergleich: Die langsam wachsenden europäischen Bäume wie Eiche oder Fichte brauchen dafür etwa 100 Jahre. Und noch eine Sache hat der Bambus ihnen voraus: Wie es unter Pflanzen üblich ist, wächst er einfach dort nach, wo er abgeschnitten, beziehungsweise gefällt, wurde. 

Ist Bambus nachhaltig?

So schnell, wie Bambus in die Höhe schießt, können jährlich große Mengen gefällt werden, ohne den Bestand zu gefährden. Auch bindet die Pflanze große Mengen CO2. Alles spricht dafür, dass Bambus eine nachhaltige Holzalternative ist – wäre da nicht der Transport. Die meistgehandelte Bambusart, der Moso-Bambus, wird aus China per Schiff zu seinen Käufern geschickt. Niederländische Wissenschaftler haben errechnet, dass fast sämtliche CO2-Emissionen, die von der Abholzung bis zum fertigen Produkt in den Niederlanden anfallen, beim Transport entstehen. Bambus ist also ein im Kern nachhaltiges Material, das extrem niedrige Umweltauswirkungen hat, die bei weiten Strecken ins Zielland jedoch zunichte gemacht werden. 

Erste Versuche, Bambus auch in Europa anzupflanzen, gibt es bereits. Dann könnte man auch hierzulande guten Gewissen von der Wunderpflanze profitieren.

Kein Lebensraum für Vögel und Insekten – im Garten besser auf Bambus verzichten 

Auch wenn Bambus als Rohstoff Vorteile hat – wer seinen Garten ökologisch gestalten und damit Tieren wie beispielsweise Vögeln und Insekten helfen will, der solle keine exotischen Pflanzen wie Bambus wählen. Denn mit solchen Pflanzen können die hiesigen Lebewesen nichts anfangen, das Grün bietet weder Nahrung noch Lebensraum. Der Naturschutzbund Nabu warnt sogar: Wer Stauden wie Thuja, Kirschlorbeer, Bambus und Affenschwanzbäumen pflanzt, entziehe Insekten, Vögeln und Säugetieren die Lebensgrundlage. Die Vorliebe vieler Menschen für exotische Pflanzen sei einer der Gründe, weshalb unsere Natur in vielen Bereichen mit zunehmender Geschwindigkeit verarme.

Quellen: Guiness World Records, Studie INBAR und TU Delft, Botanischer Garten Uni Erlangen, Ausarbeitung von Karl-Heinz Pohl, Universität Trier, Nabu

Interview

Sehen Sie im Video: Peter Wohlleben gilt als Deutschlands bekanntester Förster. Er ist sich sicher, dass es dem Wald am besten geht, wenn Menschen ihn in Ruhe lassen. Dabei profitiere am Ende sogar die ökonomische Nutzung.

sve

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