Berliner Zoo Tiergarten-Chefs feilschen um Eisbär Knut


Bleibt er in Berlin? Und - noch wichtiger: Wem gehören eigentlich die Millionen, die der Berliner Zoo mit ihm eingenommen hat? Um Eisbär Knut wird momentan vor allem eines: gestritten. Denn der Zoo Neumünster will einen Teil des Geldes, weil Knuts Vater aus Neumünster ausgeliehen wurde.

Knut, der nun schon gut 200 Kilo wiegt, wurde zur größten Attraktion in der bald 165-jährigen Geschichte des Zoologischen Gartens. Inzwischen haben etwa 6 bis 7 Millionen Menschen den Bären besucht. Aus der Vermarktung des Tieres erzielte der Zoo bisher fast 6 Millionen Euro Gewinn. Darum und um den künftigen Heimat-Zoo sowie die Partnersuche von Knut ging es bei einem Treffen der Zoo-Direktoren des Tierparks Neumünster und des Hauptstadt-Zoos.

Peter Drüwa beansprucht für Neumünster Anteile aus den Knut- Erlösen, weil Knut-Vater Lars aus Schleswig-Holstein an Berlin ausgeliehen worden war und nach einer Vereinbarung der erste, dritte, fünfte und weitere "ungerade" Nachwuchs Neumünster gehört. Der Zoo Berlin lehnte den Anspruch bisher ab. Neumünster ging daraufhin in Berlin vor Gericht, eine Entscheidung sollte Anfang Mai fallen. In der jetzigen Geheimdiplomatie, die beide Zoo-Chefs weder bestätigen noch dementieren, soll vorab eine Lösung in Frieden gefunden werden.

Berlins Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz bestätigte indirekt einen Bericht im Berliner "Kurier", wonach das Treffen nicht zu einer Einigung führte. "Es gibt keinen neuen Stand, nichts." Auf die Frage, ob das Spitzentreffen stattfand, sagte Blaszkiewitz: "Dazu sage ich nichts." Sein Kollege Drüwa war laut Tierpark Neumünster "vor Montag nicht mehr zu erreichen".

Wo wird Knut leben?

Beide Seiten sind offensichtlich bestrebt, den Dauerstreit hinter den Kulissen zu lassen. Die Lage ist auch deshalb vertrackt, weil immer noch unklar ist, wo Knut künftig leben wird. Der Zoo Berlin will seinen Publikumsmagneten behalten. Doch die Partnersuche für den Brocken wird immer schwieriger, weil alle Eisbären-Damen schon "vergeben" sind.

Neumünster und der für die europäische Eisbärenzucht zuständige Zoologe Janos Szantho in Amsterdam haben über Knuts künftigen Heimatzoo noch keine Entscheidung getroffen. Szantho hörte sich in ganz Europa um, über das Ergebnis wurde nichts bekannt. Nicht klar ist außerdem, ob Berlin überhaupt bereit wäre, für ein neues, größeres Knut-Gehege bis zu 9 Millionen Euro auszugeben. Dazu schweigt Zoo-Chef Blaszkiewitz.

Grabstein in Form einer Eisscholle

An Knut-Tierpfleger Thomas Dörflein erinnert seit Freitag in Berlin ein Marmor-Grabstein in Form eines Eisbergs. "Diese Erinnerung an meinen Sohn ist wunderschön", sagte Dörfleins Mutter auf dem Spandauer Friedhof In den Kisseln. Mehr als 100 Menschen erwiesen dem beliebten Tierpfleger, der am 22. September vergangenen Jahres überraschend einem Herzinfarkt erlegen war, bei der Zeremonie die Ehre. Auch fast sechs Monate nach dem tragischen Tod kommen täglich viele Menschen und legen frische Blumen und andere Bekundungen ihres Mitgefühls am Grab nieder.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker