HOME

Bernstein-Funde: Blick in die Vergangenheit Indiens

Wissenschaftler haben umfangreiche Bernstein-Funde aus Indien analysiert - und sind dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Demnach sind die tropischen Regenwälder in Südostasien doppelt so alt wie bislang angenommen.

In Südostasien haben sich tropische Regenwälder bereits vor rund 52 Millionen Jahren gebildet - und sind damit mehr als doppelt so alt wie bislang vermutet. Zu diesem Schluss ist ein internationales Forscherteam gelangt, nachdem es umfangreiche Bernstein-Funde aus Westindien genauer analysiert hat. Die in den Bernstein eingeschlossenen Insekten sowie das ausgehärtete Baumharz selbst erlaubten den Wissenschaftlern einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit Indiens.

Neben dem Alter der Regenwälder überraschte sie noch ein zweites Ergebnis: Obwohl Indien nach dem Auseinanderbrechen des Superkontinents Gondwana fast 100 Millionen Jahre ohne Verbindung zu anderen Kontinenten war, finden sich viele Insektenarten auch in ähnlich alten Bernsteinen auf anderen Kontinenten. Die Erklärung der Forscher: Zwischen den Kontinenten könnten sogenannte Inselbrücken die Ausbreitungen über das trennende Meer hinweg erleichtert haben. Jes Rust von der Universität Bonn und seine Kollegen berichten über ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "PNAS".

Rund 150 Kilogramm Bernstein hatten die Forscher im Laufe der letzten Jahre in Braunkohlevorkommen im westindischen Staat Gujarat entdeckt - eine ungeheure Menge, wenn man das geringe Gewicht von Bernstein bedenkt. Bislang konnten sie darin fast 800 Einschlüsse identifizieren, die größtenteils sehr gut erhalten waren.

Insekten konnten Insel-Hopping betreiben

Die erste Sensation verbarg sich jedoch im Bernstein selbst: Als die Wissenschaftler den gehärteten Pflanzensaft einer genauen chemischen Analyse unterzogen, stellten sie fest, dass er definitiv von Flügelfruchtgewächsen stammen muss, den sogenannten Dipterocarpaceae. Den Fundstellen und dem Alter der Bernsteine entsprechend müssen die immergrünen, sehr harzhaltigen Bäume vor 52 Millionen Jahren bereits weite Landstriche an der Nordwestküste Indiens bedeckt haben. Damit haben sich die südostasiatischen Regenwälder nicht erst vor rund 20 Millionen Jahren entwickelt, sondern deutlich früher.

Wichtige neue Erkenntnisse lieferten auch die im Harz eingeschlossenen Insekten: Wie Vergleiche mit anderen Versteinerungen - unter anderem aus der Grube Messel bei Darmstadt - zeigten, hatten die Bienen, Termiten und Ameisen zum Zeitpunkt ihres Todes auch auf anderen Kontinenten zahlreiche nahe Verwandte. Dies ist insofern überraschend, da Indien nach seiner Loslösung vom Urkontinent Gondwana über 100 Millionen Jahre keinen Kontakt zu anderen Kontinenten hatte, ehe es vor rund 50 Millionen Jahren auf Asien prallte. "Wir vermuten daher, dass im Zuge der Kontinentalverschiebungen zahlreiche Inseln zwischen den Kontinenten aus dem Meer emporgedrückt wurden, die eine Art Brücke gebildet haben", sagt Jes Rust. "Insekten, aber auch Säugetiere konnten auf diese Weise Insel-Hopping betreiben und so nach und nach die weiten Strecken übers Meer wandern."

DAPD/te / dapd
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?