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Insektenforschung: Auch Bienen lieben Koffein

Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Auch bei Bienen? Forscher fanden heraus, dass die Insekten total auf Koffein im Nektar abfahren. Und das ist ganz im Sinne der Pflanzen. 

Von Veronika Simon

Eine Biene sitzt auf einer Wabe.

Bienen benötigen den Zucker aus dem Nektar um Honig herzustellen. Ist der Nektar mit Koffein versetzt, wird er für sie geradezu unwiderstehlich.

Ob mit Milch und Zucker oder schwarz, ob bei der Morgenzeitung oder zum Kuchen: Kaffee ist für viele Menschen ein Muss. Bei all dem Genuss darf aber eines nicht vergessen werden: Koffein, der Wirkstoff, der Kaffee seine aufputschende Wirkung verleiht, ist eine Droge. Nach möglichen Auswirkungen auf den Körper wird viel geforscht, zu viel Koffein kann zum Beispiel zu Schlafstörungen führen, gleichzeitig steht es aber auch im Verdacht, gut für das Erinnerungsvermögen zu sein und sogar gegen Hautkrebs zu helfen. Eines ist aber jedem klar, der einen Kaffeetrinker vor und nach der ersten Tasse am Morgen beobachtet hat: Koffein verändert unser Verhalten. Und da sind wir in guter Gesellschaft: Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass auch Bienen auf Koffein abfahren  auch wenn es nicht immer zu ihrem Besten ist.

Bienen schätzen Futter durch Koffein falsch ein

In einem Versuch gaben die Wissenschaftler um Margaret Couvillon, Insektenforscherin an der University of Sussex, Bienen koffeinhaltige Zuckerlösung und beobachteten ihr Verhalten. Das Ergebnis war eindeutig: Die Insekten gingen nicht nur öfter auf Futtersuche, sie beschränkten sich auch viel stärker auf die Quelle, die ihnen in geringer Konzentrationen Koffein anbot. Der Stoff schien die Insekten geradezu süchtig zu machen: Auch wenn die Quelle bereits versiegt war, kamen die Bienen Tage später noch zurück. 

Zudem vollführten die Bienen deutlich häufiger einen Schwänzeltanz. Mit diesen charakteristischen Flugmanövern kommunizieren sie mit ihren Kolleginnen und teilen ihnen mit, wo es welche Nahrung gibt und wie gut sie ist. Enthält sie Koffein, signalisiert die Finderin ihrem Volk deutlicher, sie hätten eine gute Nahrungsquelle gefunden, als sie es bei einer koffeinfreien Quelle mit dem gleichen Zuckergehalt tun würde. "Koffein sorgt dafür, dass Bienen die Qualität der Nahrung überschätzen", resümieren die Forscher in dem Fachmagazin "Current Biology".

Was für den Menschen lustig klingt, kann für die Biene zum Problem werden. "Es lockt die Kolonien in eine ungünstige Strategie bei der Nahrungssuche", sagt Couvillon. Soll heißen: Die Biene konzentriert sich zu stark auf die Futterquelle mit Koffein, sucht weniger nach Alternativen und lockt ihre Kolonie im Zweifel ebenfalls zu einer mittelmäßigen Futterquelle.

Koffein ist ein natürlicher Wirkstoff

Doch wo kommen Bienen überhaupt mit Koffein in Kontakt? In der Natur findet man diesen Stoff nicht nur in der Kaffeebohne: Viele Pflanzen haben koffeinhaltige Blätter, da diese so bitterer werden und pflanzenfressenden Tieren nicht mehr so gut schmecken. In geringen Konzentrationen wurde er jetzt aber auch im Nektar der Pflanzen gefunden. Wenn man sich das Verhalten der Bienen ansieht, wird klar wieso: Die Pflanze "setzt die Tiere unter Droge", wie die Wissenschaftler feststellten, und beeinflusst damit ihr Verhalten. Normalerweise müssen Pflanze und Tier kooperieren: Die eine stellt Nektar zur Verfügung und das andere verteilt auf der Suche danach die Pollen. Bienchen und Blümchen eben. Durch die Beeinflussung der Biene durch Koffein gelingt es nun aber der Pflanze, diese zu sich zu locken, ohne besonders guten Nektar anbieten zu müssen. Das spart eine Menge Energie. Auf diese Weise, so Couvillon, entwickelt sich die Beziehung von Pflanze und Insekt weg von der Kooperation hin zur Ausbeutung.

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