Biowaffen Erregertypen


Neben Milzbrand gibt es eine ganze Anzahl an biologischen Mikroorganismen, die sich für eine Biowaffen-Attacke eignen würden.

Milzbrand

Tiere übertragen das Bakterium Bacillus anthracis auf den Menschen. Milzbrand, auch Anthrax genannt, tritt in den meisten europäischen Ländern und Nordamerika sporadisch auf. Weltweit erkranken jährlich rund 2.000 Menschen. Zur Risikogruppe gehören Personen, die viel Kontakt mit Tieren haben oder Tiermaterialen weiterverarbeiten – also Tiermediziner, Landwirte, Förster, Jäger und zum Beispiel Beschäftigte in der Tierfellindustrie. Die Infektion wird jedoch nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Es gibt drei verschiedenen Formen: Haut-, Lungen- und Darmmilzbrand.

Am häufigsten tritt der Hautmilzbrand auf. Über Verletzungen in der Haut können die Sporen oder Bakterien eindringen und schorfbedeckte Geschwüre bilden. Es kann zu einer Blutvergiftung kommen, die zum Tode führt. Der Darmmilzbrand tritt nach dem Verzehr von infiziertem Fleisch auf. Symptome sind Bauchschmerzen und blutiges Erbrechen bzw. blutiger Durchfall. Ohne Behandlung verläuft die Krankheit tödlich. Normalerweise ist der Lungenmilzbrand eine seltene Erkrankung, gewinnt aber als Biowaffe an Bedeutung. Nach Einatmen der Erreger beginnt die Erkrankung grippeähnlich und mündet in Lungen- und Herz-Kreis-Verlaufversagen. Die Todesrate liegt bei 100 Prozent. Nach den bioterroristischen Anschlägen in den USA im Herbst 2001 erkrankten elf Menschen an Lungenmilzbrand, fünf starben.

Pocken

"Die größte Angst vor Biowaffen rankt sich derzeit um Pocken", meint Professor Herbert Schmitz vom Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Das Pockenvirus (Variola major) ist sehr robust und lässt sich leicht übertragen. Fast zwei Wochen nach der Ansteckung setzen Lethargie, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und Kopfschmerzen ein. Ein Teil der Patienten fällt ins Delirium. Einige Tage später rötet sich die Haut und es entstehen schmerzhafte Pusteln. Vor seiner Ausrottung in den 70er Jahren starb jedes dritte Kind an der Krankheit. Die jüngeren Generationen sind heute nicht mehr gegen Pocken geimpft. Dennoch existieren Reste des Pocken-Erregers in Laboratorien in den USA und Russland.

Pest

Yersinia pestis heißt das Bakterium, das den "Schwarzen Tod" verursacht. Die Pest ist als Seuche aus dem Mittelalter bekannt. Aber auch heute tritt sie noch als Epidemie auf, z.B. im Jahr 2002 im Kongo. Flöhe übertragen das Pest-Bakterium auf den Menschen. Zwei bis sechs Tagen nachdem ein infizierter Plagegeist zugestochen hat, bricht die Beulenpest aus. Symptome sind geschwollene und schmerzende Lymphknoten und hohes Fieber. Unbehandelt verläuft die Infektion in 50 Prozent der Fälle tödlich. Bei falscher Behandlung kann der Patient zusätzlich noch an (sekundärer) Lungenpest erkranken. Außerdem kann (primäre) Lungenpest auftreten, wenn die Bakterien eingeatmet werden. Schon nach einen bis drei Tagen tritt hohes Fieber und blutiger Husten auf. Bei falscher oder zu später Behandlung endet die Krankheit zu 100 Prozent tödlich. Vor allem die Lungenpest eignet sich als Biowaffe, denn sie kann als Gas eingesetzt werden.

Tularämie

Die Tularämie (Hasenpest) kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. Über 150 Säugetierarten, vor allem Nagetiere, dienen den Bakterium Francisella tularensis als Wirt. Zecken, Stechmücken und andere Insekten können die Krankheit auf den Menschen übertragen. Wie bei Milzbrand kann sie aber auch durch Kontakt mit verseuchtem Tiermaterial oder über die Nahrung aufgenommen werden. Die Infektion über die Haut ist die häufigste und harmloseste Form von Tularämie. Es kommt zu einem grippeähnlichen Infekt, Geschwüren und geschwollenen Lymphknoten. Seltener und bedeutend ernster ist Infektion über die Nahrung, denn im schlimmsten Fall können tödliche Darmgeschwüre entstehen. Die schwerste Form von Tularämie kann nach Einatmen des Erregers auftreten. Es kann zu Lungenentzündungen und anderen Komplikationen kommen, die in 30 bis 60 Prozent der Fälle zum Tod führen. Tularämie eignet sich für Biowaffenanschläge, weil die Bakterien wochenlang in Wasser, Boden, Kadavern, Tierhäuten und sogar jahrelang in gefrorenem Fleisch bedauern können.

Cholera

Das Cholera-Bakterium Vibrio cholreae überträgt sich nur schwer von Mensch zu Mensch. Nach einer längeren Inkubationszeit bricht die Krankheit ganz plötzlich aus. Die ersten Symptome sind Darmkrämpfe und Durchfall, gefolgt von Erbrechen und Kopfschmerzen. Die Patienten verlieren viel Körperflüssigkeit und sterben ohne Behandlung in 50 bis 80 Prozent der Fälle. Cholera-Bakterien sind theoretisch eine ideale Biowaffe für den verdeckten Einsatz, denn natürliche Epidemien treten in vielen Regionen der Welt auf.

Ebola

Ebola gehört wie das Marburg Virus zu den Filo-Viren. Benannt ist die Krankheit nach einem kleinen Fluss in der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire), in dessen Nähe sie 1976 zum ersten Mal ausbrach. Die Viren lassen sich von Mensch zu Mensch über infizierte Körpersekrete übertragen, wie zum Beispiel Blut oder Speichel. Nach wenigen Tagen treten grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber auf. Die Viren greifen Gewebe und Organe an. Sie zersetzen den gesamten Körper sozusagen von innen. Es entwickeln sich Blutergüsse unter der Haut, die dann aufbricht. Der Patient blutet aus jeder Körperöffnung. Der Körper löst sich auf, bevor der Tod einsetzt. Obwohl die Viren sehr robust sind, ist es unwahrscheinlich, dass Ebola als Biowaffe verwendet wird. Da es keine Impfung gibt und die Krankheit unheilbar ist, können sich auch Bioterroristen nicht gegen sie schützen.

Kategorisierung von Bio-Kampfstoffen

Biowaffen können anhand ihrer Gefährlichkeit in drei Kategorien unterteilt werden:

- Kategorie A umfasst alle Erreger, die sich leicht verbreiten lassen. Die Krankheiten übertragen sich von Mensch zu Mensch und enden ohne eine rechtzeitige Therapie oft tödlich

- Die Agenzien der Kategorie B lassen sich ebenfalls leicht verbreiten, sind aber im Gegensatz zur Kategorie A nicht tödlich. Erreger der Gruppe A und B stellen eine Herausforderung für das Gesundheitssystem dar, da an ihnen ein großer Teil der Bevölkerung erkrankt

- Zur Kategorie C gehören Erreger, die mit Hilfe von genetischen Veränderungen als Biowaffen genutzt werden können

Kategorie AErkrankung
Bacillus anthracisMilzbrand/Anthrax
Variola-major-VirusPocken
Yerinia pestisPest
Francisella tularensisHasenpest/Tularämie
Filoviren, ArenavirenHämorrhagische Fieber
Clostridium-botulinum-Toxin (0,001µg/kg)
Kategorie BErkrankung
Coxiella burnetiiQ-Fieber
Brucella spec.Brucellose
Burkholderia malleiRotz/Malleus
Burkholderia pseudomalleiPseudorotz/Melioidosis
Rickettsia prowazekiiTyphus
Chlamydia psittaciPsittacose
Alhaviren (VEE, EEE, WEE)*Enzephalitis
Ricin-Toxin (Ricinus communis) (3-5 µg/kg)Toxisches Syndrom
Epsilon-Toxin (Cl. Perfingens)Toxisches Syndrom
Straphylococcus-Enterotoxin B (0,03 µg/kg)
Kategorie CErkrankung
Nipah-VirusEnzephalitis
Hanta-Virusu.a. hämorrhagische Fieber
Tick-Borne-Enzephalitis-Viren (FSME)(Meningo-)Enzephalitis
Gelbfieber-VirusGelbfieber
Multiresistente Tuberkulosebakterien

* Venezuelan Equine (VEE), Eastern Equine (EEE) und Western-Equine Encephalitis (WEE) Virus

Quelle: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz
Jahrgang 46, Heft 11, November


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