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Blauzungenkrankheit: Aus Afrika in den deutschen Stall

Sie befällt Schafe, Ziegen und Kühe, wird von Mücken übertragen und breitet sich in Deutschland schnell aus: die Blauzungenkrankheit. Für den Menschen ist die exotische Virusinfektion aber ungefährlich.

Eine Woche nach Ausbruch der Blauzungenkrankheit bei Tieren in Deutschland hat sich die Zahl der nachgewiesen infizierten Bestände mehr als vervierfacht. Die Zahl der betroffenen Höfe im Raum Aachen sei von anfangs 9 auf 38 gestiegen, teilte das nordrhein-westfälische Agrarministerium mit. Die auch in Belgien und den Niederlanden bei Wiederkäuern aufgetretene Tierseuche kommt vermutlich aus Afrika. Dies haben nach Angaben der EU-Kommission Untersuchungen in einem britischen Speziallabor ergeben.

Es handele sich bei dem Erreger um den so genannten Serotyp 8. Dieser Typ sei noch nie zuvor in Europa beobachtet worden. Die derzeitigen Erkrankungen seien also exotischer Herkunft. Der Serotyp 8 scheine aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara zu stammen. Wie die für Menschen ungefährliche Tierkrankheit nach Europa gelangen konnte, sei noch völlig unklar.

Keine Einzelfälle mehr

Im Aachener Raum sind 34 Betriebe mit Rindern und vier Betriebe mit Schafen betroffen. Der Kreis Aachen spricht nach den neuen Labor-Ergebnissen nicht mehr von Einzelfällen. "Wir gehen von einem flächendeckenden Ereignis aus", sagte ein Sprecher. Von zehn neuen Proben waren im Kreis Aachen alle positiv. Außer dem Kreis Aachen sind die Stadt Aachen, die Kreise Düren und Heinsberg und Euskirchen betroffen.

Die Tierkrankheit war zunächst in den Niederlanden und in Belgien ausgebrochen und dann im Aachener Grenzraum nachgewiesen worden. Dort müssen die Tiere abends in den Stall. Außer Nordrhein-Westfalen hatten das Saarland und Rheinland-Pfalz Sperrzonen ausgewiesen. Die für das Virus empfänglichen Schafe, Ziegen und Rinder können dort nur unter strengen Auflagen in andere Gebiete gebracht werden. Die gleichen Beschränkungen gelten auch für die Niederlande, Belgien und Luxemburg.

Nicht auf den Menschen übertragbar

Die Tierseuche ist vor allem für Schafe tödlich und befällt außerdem auch Ziegen und Rinder. Auf den Mensch ist die Virusinfektion nicht übertragbar. Das Virus (BTV - Bluetongue-Virus) wird nur von einer bestimmten Art von Stechmücken verbreitet. Von Tier zu Tier ist die Krankheit nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) nicht übertragbar. Die Mücken der Gattung Culicoides sind vor allem in wärmeren Gebieten heimisch, darunter in Afrika, Südasien, den USA und Südwesteuropa. Die Krankheitsfälle in den Niederlanden, Belgien und in Deutschland sind nach FLI-Angaben die ersten in Nordeuropa. Fleisch und Milch infizierter Tiere können dem Institut zufolge ohne Bedenken verzehrt werden.

Erkrankte Tiere leiden unter Fieber, schaumigen Speichelfluss, Geschwüren an den Klauen oder auch inneren Blutungen. Der Maulbereich und die Zunge färben sich blaurot. Die Sterberate bei Schafen liegt je nach Rasse und Virusform zwischen 10 und 80 Prozent. Die Krankheit ist anzeigepflichtig, zum Schutz der Tiere werden in einem 150-Kilometer-Umkreis der Ausbruchstelle Sperrzonen eingerichtet. Dabei kann auch eine Stallpflicht ausgerufen werden, daneben dürfen die Tiere nicht mehr aus diesen Gebieten gebracht werden. Zur Bekämpfung der Überträgermücken kann Insektengift eingesetzt werden. Ein Impfstoff für Tiere existiert, wird nur bei massiven Seuchenzügen benutzt, wie das FLI auf der Insel Riems betont.

Der Grund für die Ausweitung der Seuche nach Nordeuropa ist laut FLI nicht eindeutig. Möglich ist, dass die Überträgermücke aus anderen Ländern eingeschleppt wurde, oder dass sie sich wegen des Klimawandels hier angesiedelt hat. Eine andere Erklärung ist, dass die Blauzungenkrankheit auch von einer heimischen Mückenart übertragen werden könnte.

DPA / DPA