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Unwetter bei "Rock am Ring": Das passiert bei einem Blitzschlag im Körper

71 verletzte Festivalbesucher, zwei davon mussten reanimiert werden: Das ist die Bilanz schwerer Unwetter über dem Festivalgelände von "Rock am Ring". Es ist eine glimpfliche Bilanz. Denn Blitzschläge enden schnell tödlich.

Das Bild zeigt Blitze, die über den Himmel zucken.

Lebensgefährlich: Blitzeinschläge können bei Menschen schwerste Verletzungen verursachen

Es sollte ein fröhliches Festival werden – doch das Wetter machte den rund 90.000 Festivalbesuchern von "Rock am Ring" einen Strich durch die Rechnung. Am Freitag tobten heftige Unwetter über dem Gelände, durch Blitzeinschläge wurden Dutzende Menschen teils schwer verletzt. Am Sonntag folgte dann die Absage des Festivals. Die Sicherheit der Musikfans konnte aufgrund erneuter Gewitter nicht mehr gewährleistet werden.

Blitze können direkt oder indirekt auf den menschlichen Körper einwirken und zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen führen. Brandwunden, Herz-Rhythmus-Störungen, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit und Nerven- oder Muskellähmungen zählen zu den häufigsten Symptomen. Halten sich Menschen während eines Gewitters im Freien auf, sind sie auf vielfältige Weise gefährdet: entweder durch einen direkten Blitzeinschlag, durch Strom, der durch den Boden fließt oder durch Brände und Explosionen.

Am gefährlichsten ist laut des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) der direkte Blitzeinschlag. Dabei wird eine Person unmittelbar vom Blitz getroffen, die Spannung am Körper steigt auf etliche 100.000 Volt an und fließt zum Großteil über die Hautoberfläche in den Boden ab. An den Ein- und Austrittsstellen des Stromes entstehen meist schwere Brandwunden, es kommt zu Nerven- und Muskellähmungen, Sehstörungen, Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zu einem Herz- oder Atemstillstand. Schlägt der Blitz in Kopfnähe ein, können auch Gehirnschäden auftreten.

Langzeitfolgen nach Blitzschlägen

Ein direkter Blitzeinschlag ist zwar lebensgefährlich, muss aber nicht tödlich enden. Da ein Großteil des Stromes über die Körperoberfläche und nicht durch den Körper fließt, kommt es vor, dass lebenswichtige Organe verschont bleiben. Viele Symptome, insbesondere Nerven- und Muskellähmungen, verschwinden nach einiger Zeit wieder – andere bleiben ein Leben lang bestehen. Zu den Spätfolgen eines Blitzschlags zählen laut ABB chronische Schmerzen, ein beeinträchtigtes Erinnerungsvermögen, ein erhöhter Blutdruck und auch Persönlichkeitsveränderungen.

Stehen Menschen in der Nähe eines Blitzeinschlags, können sie indirekt getroffen werden. Der Grund: Der Strom des Blitzes breitet sich im Boden aus. Der Gefährdungsbereich beträgt circa zehn bis 30 Meter rings um die Einschlagstelle, in felsigen Gebieten sogar mehr. Hält sich eine Person in diesem Bereich auf, bildet sich zwischen den auseinander stehenden Füßen eine sogenannte "Schrittspannung". In der Folge fließt Strom durch den Körper, der zu Symptomen wie Muskelkontraktionen bis hin zu einem Herzstillstand führt.

Richtiges Verhalten bei Gewitter

Um das Risiko einer Schrittspannung zu minimieren, rät das Deutsche Rote Kreuz die Füße während eines Gewitters möglichst eng zusammenzustellen. Menschen, die sich im Freien aufhalten, sollten auch versuchen, nicht der höchste Punkt in der Umgebung zu sein. Daher gilt: in die Hocke gehen und mit den Armen die Knie umschlingen, am besten eine leichte Senke oder Bodenmulde aufsuchen. Bäume, Bergspitzen, Türme oder metallene Gegenstände wie Räder sollten unbedingt gemieden werden. Hier schlagen Blitze bevorzugt ein. Zuverlässigen Schutz bieten Häuser mit Blitzableitern oder Autos. Letztere wirken wie ein Faradayscher Käfig und leiten eventuell einschlagende Blitze ab. Wichtig: Die Fenster sollten immer geschlossen bleiben.

ikr