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Doktorand widerlegt Trink-Theorie: Geheimnis der Kolibrizunge gelüftet

Seit 180 Jahren glauben Biologen zu wissen, wie der Kolibri trinkt. Ein Doktorand widerlegte nun die gängige Theorie - mit verblüffenden Ergebnissen.

Von Christoph Fröhlich

Video: Kolibris und die Saugtechnik

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Doktorand eine 180 Jahre alte Theorie widerlegt. Doch genau das ist dem US-amerikanischen Wissenschaftler Alejandro Rico-Guevara gelungen. Bislang nahmen Biologen an, dass Kolibris durch einen physikalischen Trick den zuckerhaltigen Nektar aus der Blüte bekommen. Doch erst moderne Highspeed-Kameras konnten das Geheimnis der Kolibrizunge lüften.

Fehler in der Geschichte

Im frühen 19. Jahrhundert vermuteten Wissenschaftler zunächst, dass sich die Kolibris den Kapillareffekt zu Nutze machen. Der Kapillareffekt bezeichnet das spezielle Verhalten von Flüssigkeiten, bei dem in engen Röhren - wie zum Beispiel die Zunge der Kolibris - die Flüssigkeit entgegen der Schwerkraft etwas nach oben steigt. Aber diese These war schwer zu überprüfen, da Kolibris sehr schnell sind und sich von Blüten ernähren, in die man nur umständlich hineinsehen kann.

Doch einige Dinge ließen Rico-Guevara und seine Professorin Margaret Rubega an der herkömmlichen Theorie zweifeln: So könnten die Vögel mit Hilfe des Kapillareffekts nur Nektar mit maximal 20 bis 40 Prozent Zucker aus den Blüten saugen, einige enthalten jedoch Nektar mit doppelt so hohen Konzentrationen. Für diese Saugtechnik sei der Saft zu dickflüssig, so die Wissenschaftler. Doch wie entdeckt man, was im Inneren des Schnabels vor sich geht?

Hightech-Experiment

Die beiden US-Biologen überlegten sich eine kreative Lösung: An speziell entwickelten Kunstblüten mit einem durchsichtigen Nektartank konnte der Trinkvorgang von allen Seiten beobachtet werden. Zusätzlich wurde das Experiment mit modernen Hochgeschwindigkeitskameras aufgenommen - bei der anschließenden Sichtung des Videomaterials entdeckten die beiden Forscher dann das Geheimnis der Kolibrizunge.

Sobald die Zunge Kontakt mit einer Flüssigkeit hat, öffnen sich beide Zungenhälften wie ein Reißverschluss an der Seite und lassen Nektar hineinströmen. Ist die Zunge gefüllt, schließen sich beide Hälften ruckartig und werden in den Schnabel zurückgezogen. Dieser Vorgang wiederholt sich 20 Mal pro Sekunde. Was danach passiert, ist den beiden Forschern jedoch noch unklar: Vor allem wie die Kolibris den Nektar so schnell schlucken können, wirft Fragen auf. Denen will sich das Forscherduo in ihrer nächsten Untersuchung widmen.

Energiesparen durch Kolibris?

Laut Rico-Guevara könnte das neu entdeckte Prinzip nicht nur Kolibris betreffen. Es ist möglich, dass über 200 weitere, nektartrinkende Vögel mit ähnlichen Zungen diesen Prozess verwenden. Auch Ingenieure könnten von der Entdeckung profitieren: Da der Trinkmechanismus hauptsächlich auf Druckveränderungen basiert, könnten die Erkenntnisse auch dazu eingesetzt werden, energiesparende Instrumente zum Transport von Flüssigkeiten zu entwickeln.

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